Was Berufshaftpflicht ist

Eine Berufshaftpflichtversicherung deckt finanzielle Schäden ab, die du im Rahmen deiner beruflichen Tätigkeit verursachst. Das schließt drei Schadensarten ein:

Wichtig: Die Privathaftpflicht greift bei beruflicher Tätigkeit nicht. Wer als Hausmeister beim Kunden eine Lampe vom Tisch wirft, erfährt das spätestens, wenn die Versicherung die Regulierung ablehnt.

Pflicht oder freiwillig?

Für die meisten Selbstständigen ist die Berufshaftpflicht freiwillig – aber das Risiko, ohne sie zu arbeiten, übersteigt fast immer die jährliche Prämie. Bei einigen Berufen ist sie hingegen gesetzlich vorgeschrieben und Voraussetzung für die Gewerbezulassung.

Berufe mit gesetzlicher Pflicht

Pflicht zur Berufshaftpflicht haben in Deutschland unter anderem:

Aus den 24 NEUSTART-Berufen gehört keiner direkt in diese Pflicht-Kategorie. Der Immobilienmakler nach § 34c GewO benötigt zwar einen Sachkundenachweis und Zuverlässigkeitsprüfung – eine Berufshaftpflicht ist aber nicht gesetzlich vorgeschrieben. Empfohlen ist sie trotzdem dringend.

Empfohlen für andere Risikoberufe

Bei diesen NEUSTART-Berufen gehört die Berufshaftpflicht aus rein wirtschaftlicher Vernunft dazu:

Realität: Selbst sorgfältige Profis machen Fehler. Eine einzige unachtsame Sekunde kann einen Schaden auslösen, dessen Höhe deinen Jahresgewinn übersteigt.

Was eine gute Police deckt

Achte beim Vertragsabschluss auf diese Punkte:

1. Deckungssumme. Mindestens 1 Mio. Euro für Personen- und Sachschäden. Bei Berufen mit großem Schadenspotenzial (Eventplanung, Hausmeister mit Wasserschäden) gerne 3 Mio. oder 5 Mio. Euro. Der Aufpreis ist gering.

2. Sachschäden an gemieteten Räumen. Wichtig für alle, die beim Kunden arbeiten. Wenn nicht explizit eingeschlossen, kann ein Wasserschaden in der Mietswohnung des Kunden zum Problem werden.

3. Schlüsselverlust. Hausmeister bekommen oft Wohnungs- oder Generalschlüssel ihrer Kunden. Bei Verlust kann eine ganze Schließanlage getauscht werden – fünfstellige Beträge möglich.

4. Tätigkeitsschäden. Standard-Berufshaftpflichten schließen Schäden an Gegenständen aus, die du gerade bearbeitest. Tätigkeitsschäden separat einschließen, wenn du am Kundenobjekt arbeitest.

5. Bearbeitungsschäden. Ähnlich wie Tätigkeitsschäden – z. B. wenn du als Reinigungskraft einen wertvollen Teppich beim Reinigen ruinierst.

Was sie kostet

Faustregeln für die jährliche Prämie:

Im Verhältnis zum potenziellen Schaden ist das fast immer ein Schnäppchen. Eine Police für 250 Euro pro Jahr schützt dich gegen Forderungen, die schnell sechsstellig werden können.

Worauf beim Vergleich achten

Drei pragmatische Schritte:

1. Spezialanbieter statt Universalversicherer. Versicherungen wie Hiscox, Exali, Andsafe, gewerbeversicherung24 oder helden.de haben fokussierte Policen für Selbstständige. Oft günstiger und passender als Großversicherer mit Standardpaketen.

2. Direktabschluss online vs. Makler. Direktabschluss spart die Maklerprovision (etwa 10 Prozent). Bei einfacher Konstellation reicht das. Bei Spezialfällen (mehrere Tätigkeiten kombiniert, größere Risiken) lohnt sich ein unabhängiger Makler.

3. Kombiprodukte. Manche Versicherer bieten Berufshaftpflicht plus Inhaltsversicherung plus Rechtsschutz im Paket. Das kann ab einer gewissen Betriebsgröße interessant sein, ist im ersten Jahr aber meist überdimensioniert.

Beim Antrag wahrheitsgemäß angeben, welche Tätigkeiten du wirklich ausführst. Wer „nur Hausmeister" angibt und dann tatsächlich auch Elektroarbeiten macht, riskiert im Schadensfall die Verweigerung der Leistung.

Reicht die Privathaftpflicht?

Nein. Auch wenn manche Vermittler andeuten, „die Privathaftpflicht decke beruflichen Bagatell-Mist mit ab" – das stimmt in 99 Prozent der Fälle nicht. Sobald die Tätigkeit gewerblich oder freiberuflich ist, schließt die Privathaftpflicht die Regulierung aus.

Lies notfalls den Ausschluss im Kleingedruckten deiner Privathaftpflicht – dort wird das fast immer explizit erwähnt.

Was du heute tun solltest

  1. Schätze ein: Ist mein Beruf in der Pflicht-Liste oder in der Empfohlen-Liste?
  2. Hol dir 3 Online-Vergleichsangebote bei Spezialversicherern.
  3. Achte auf die fünf Punkte aus dem Abschnitt „Was eine gute Police deckt".
  4. Schließ ab, bevor du den ersten Auftrag annimmst.

Das ist eine der wenigen Fixkosten in der Selbstständigkeit, bei denen Sparen falsch ist. Wer es sich finanziell leisten kann, im Schadensfall fünf- oder sechsstellige Beträge aus der Tasche zu zahlen, kann auf die Police verzichten. Alle anderen sollten sie in den ersten Wochen ihrer Selbstständigkeit abschließen.