Die Niedrigpreis-Falle

Quereinsteiger denken oft: „Ich bin neu, ich kann nicht so viel verlangen wie die Etablierten.” Logisch klingt das. In der Praxis ist es selten richtig.

Wer 30 Prozent unter Marktpreis startet, gewinnt zwar schneller die ersten Kunden – aber:

So kalkulierst du richtig

Eine einfache Formel für deinen Stundensatz als Selbstständiger:

Formel:
(Wunschnetto + Sozialversicherung + Steuerrücklage + Fixkosten + Sicherheitspuffer) ÷ Verrechenbare Stunden = Stundensatz

Schritt 1: Wunschnetto pro Monat festlegen. Ehrlich. Was brauchst du zum Leben? 2.500 Euro? 3.500 Euro?

Schritt 2: Sozialversicherung addieren. Ca. 800 bis 1.200 Euro pro Monat (Krankenkasse, ggf. Rente, Pflege).

Schritt 3: Steuerrücklage. Faustregel: 30 Prozent des Bruttoeinkommens für Einkommensteuer plus ggf. Gewerbesteuer.

Schritt 4: Fixkosten des Geschäfts. Versicherung, Telefon, Material, Fahrtkosten, Buchhaltung. 200 bis 800 Euro je nach Beruf.

Schritt 5: Verrechenbare Stunden. Realistisch: 100 Stunden pro Monat. Nicht 160. Du brauchst auch Zeit für Buchhaltung, Akquise, Krankheit, Urlaub und unbezahlte Vorbereitungszeit.

Konkretes Beispiel

Ein Hausmeister will netto 2.500 Euro im Monat verdienen.

Bei 100 verrechenbaren Stunden ergibt das einen Stundensatz von 54 Euro – netto, ohne Material.

Viele Hausmeister-Quereinsteiger starten mit 25 oder 30 Euro die Stunde. Sie schaffen damit höchstens den Sozialversicherungsbeitrag und ein bisschen Lebensunterhalt. Steuerrücklage? Wird vergessen. Im zweiten Jahr kommt das böse Erwachen mit der Steuernachzahlung.

Warum billige Kunden die teuersten sind

Eine empirische Beobachtung aus der Praxis: Kunden, die nur über den Preis kaufen, sind später die anstrengendsten. Sie:

Kunden, die einen fairen Marktpreis zahlen, behandeln dich respektvoller. Sie gehen davon aus, dass du Profi bist. Sie diskutieren weniger und empfehlen dich an andere zahlungskräftige Kunden weiter.

Preise später erhöhen

Theoretisch kannst du Preise später erhöhen. In der Praxis ist das schwierig:

Es ist wesentlich einfacher, mit dem richtigen Preis zu starten und gelegentlich kleine Inflationsanpassungen vorzunehmen, als später eine größere Korrektur zu erzwingen.

Psychologie auf Kundenseite

Der Preis ist auch ein Qualitätssignal. Wenn ein Hausmeister 25 Euro die Stunde verlangt, vermutet ein Kunde unbewusst: schlechte Qualität, Hobby-Anbieter, kein professionelles Auftreten. Bei 55 Euro die Stunde vermutet er: erfahrener Profi.

Beide Vermutungen sind oft falsch – aber sie wirken. Ein moderater Preis kostet dich Aufträge bei Premium-Kunden, ohne dass du es merkst, weil sie dich gar nicht erst anrufen.

Was du heute tun solltest

  1. Berechne deinen Stundensatz nach der Formel oben. Ehrlich.
  2. Recherchiere Marktpreise in deiner Region für deinen Beruf. Lokale Konkurrenz, Bewertungen, Aushänge, Plattformpreise.
  3. Setze deinen Preis bei 80 bis 100 Prozent des Marktpreises an – nicht darunter.
  4. Begründe ihn nicht. Wer nach dem Preis fragt, fragt nach einer Zahl, nicht nach einer Verteidigung.
  5. Halte den Preis bei den ersten drei Anfragen, auch wenn jemand verhandeln will. Du wirst überrascht sein, wie oft er trotzdem zustimmt.