Was die EÜR ist

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist die einfachere von zwei Buchhaltungsformen in Deutschland. Sie funktioniert nach dem Zufluss-Abfluss-Prinzip: Du erfasst Einnahmen, wenn das Geld bei dir ankommt – und Ausgaben, wenn es deinem Konto belastet wird. Mehr nicht.

Die EÜR darfst du nutzen, wenn:

Über diesen Schwellen wirst du zur doppelten Buchführung mit Bilanz verpflichtet – ein deutlich anderes Spiel.

Selbst machen: was geht?

Die EÜR selbst zu machen ist für die meisten Quereinsteiger im ersten Jahr durchaus realistisch – wenn du:

Was du selbst tun musst:

  1. Belege sammeln – jede Einnahme, jede Ausgabe, jeder Beleg digital oder in Ordnern
  2. Umsatzsteuer-Voranmeldungen (monatlich oder quartalsweise, falls regelbesteuert)
  3. EÜR jährlich erstellen – Anlage EÜR im Steuererklärungsformular
  4. Einkommensteuererklärung mit allen Nebenanlagen

Zeitaufwand realistisch: 4 bis 8 Stunden pro Monat für laufende Buchhaltung, plus 8 bis 16 Stunden für die Jahressteuererklärung. Bei wenigen Belegen weniger.

Tools im Überblick

Ohne Software wird die Selbstmach-Variante mühsam. Drei Kategorien:

Reine EÜR-Tools (für Einsteiger geeignet):

Buchhaltungs-Software mit Cloud:

Was du nicht brauchst:

Mein pragmatischer Tipp für das erste Jahr: WISO Steuer Selbstständig. Ein einmaliger Kauf, gute Anleitungen, alle Steuerarten in einem Programm. Wenn du später wachsen willst, kannst du immer noch zu lexoffice oder einem Steuerberater wechseln.

Was ein Steuerberater kostet

Steuerberater rechnen nach der Steuerberatergebührenverordnung (StBVV). Der Preis hängt ab vom Gegenstandswert (= deinen Einnahmen oder dem Gewinn). Faustwerte für einen Quereinsteiger:

Wer einen Gewinn von 30.000 Euro macht und dafür 2.000 Euro Steuerberater zahlt, gibt also 6,7 Prozent des Gewinns dafür aus. Bei 60.000 Euro Gewinn nur 3,3 Prozent. Im Verhältnis sinkt der Anteil mit wachsendem Geschäft – und der Steuerberater spart dir oft mehr Steuer ein als er kostet.

Mischmodelle

Die elegante Lösung für viele Quereinsteiger:

Mischmodell 1 – Selbst, mit Endjahres-Steuerberater:

Mischmodell 2 – Erstes Jahr Steuerberater, danach selbst:

Beide Modelle sind weit verbreitet und funktionieren gut.

Empfehlung nach Beruf

Selbst machen sinnvoll bei:

Mischmodell sinnvoll bei:

Kompletter Steuerberater sinnvoll bei:

Vorbereitung fürs Steuerbüro

Wenn du einen Steuerberater nimmst, mach das Onboarding gut – du sparst dann massiv Stunden an Beraterzeit:

  1. Geschäftskonto trennen – privates Geld auf Privatkonto, geschäftliches Geld auf Geschäftskonto. Das halbiert die Erfassungszeit beim Steuerberater.
  2. Belege strukturiert übergeben – chronologisch sortiert, idealerweise digitalisiert (App-Foto reicht, wenn lesbar).
  3. Übersichts-Excel mit allen Einnahmen und Ausgaben monatlich. Klassisch, aber Steuerberater lieben sie.
  4. Klar formulierte Fragen sammeln und beim Termin abarbeiten. Spart Zeit gegenüber zehn einzelnen E-Mails.

Was du heute tun solltest

  1. Schätze deinen Belege-Aufwand: Wie viele Eingangsbelege pro Monat? Wie viele Ausgangsrechnungen?
  2. Bei wenig Aufwand und Kleinunternehmer-Status: Selbst machen mit WISO oder lexoffice.
  3. Bei mittlerem Aufwand oder Regelbesteuerung: Mischmodell 1 prüfen.
  4. Bei viel Aufwand oder Komplexität: Erstgespräche bei zwei Steuerberatern vereinbaren – beide hören dir zu, du wählst den, der konkrete Antworten gibt statt Gemeinplätze.

Es gibt nicht eine richtige Antwort. Es gibt eine Antwort, die zu deiner Phase passt.