Wer braucht eine — und wer nicht
Eine Datenschutzerklärung ist Pflicht für jeden Selbstständigen, der eine eigene Website betreibt – und sei sie noch so klein. Konkret immer dann, wenn auf der Website mindestens eines der folgenden vorkommt:
- Kontaktformular oder E-Mail-Adresse
- Newsletter-Anmeldung
- Cookies (auch nur ein analytisches)
- Eingebettete Drittinhalte (Google Maps, YouTube, Facebook-Like-Button, Schrift von Google Fonts)
- Server-Logs (jeder Webhoster, also faktisch immer)
Wer dachte „ich habe ja nur eine statische Visitenkarten-Seite" – auch hier sind Server-Logs aktiv. Datenschutzerklärung ist also de facto Pflicht für jede Website.
Wer keine eigene Website hat – also nur ein Google-Unternehmensprofil oder ein LinkedIn-Profil nutzt – braucht keine eigene Datenschutzerklärung. Die Plattformen haben ihre eigenen.
Was wirklich rein muss
Eine ordentliche Datenschutzerklärung deckt 8 Bereiche ab:
- Verantwortlicher. Du, mit Name, Adresse, E-Mail, Telefon. Identisch zum Impressum.
- Rechte des Betroffenen. Auskunft, Berichtigung, Löschung, Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde.
- Server-Logs. Welche Daten der Webhoster speichert (IP, Browser, Zeitstempel) und wie lange.
- Kontaktformular / E-Mail-Anfragen. Was du mit den Daten machst, wie lange du sie speicherst.
- Cookies und Tracking. Welche Cookies gesetzt werden, von wem, zu welchem Zweck. Hier muss auch ein Verweis auf den Cookie-Banner stehen.
- Eingebettete Drittinhalte. Jeder externe Dienst (Google Fonts, YouTube, Maps) braucht einen eigenen Absatz mit Anbieter, Zweck, Rechtsgrundlage.
- Newsletter. Falls vorhanden: Double-Opt-In, Abmeldung, Versand-Dienstleister (Mailchimp, ActiveCampaign).
- Social-Media-Profile. Falls verlinkt: Hinweis, dass externe Anbieter eigene Datenschutzregeln haben.
Wo gute Vorlagen herkommen
Drei seriöse Quellen für rechtssichere Generatoren:
1. eRecht24 (erecht24.de) — kostenloser Basis-Generator, premium-Version mit mehr Modulen. Für Solo-Selbstständige mit kleiner Website meist ausreichend.
2. Datenschutz-Generator von Dr. Schwenke (datenschutz-generator.de) — sehr ausführlich, deckt fast alle Sonderfälle ab, mit kontinuierlichen Updates.
3. IT-Recht Kanzlei (it-recht-kanzlei.de) — kostenpflichtig, dafür sehr detailliert und mit Update-Service. Lohnt sich für komplexere Websites mit Shop-Funktion.
Was du auf keinen Fall machen solltest: die Datenschutzerklärung einer anderen Website kopieren. Urheberrechtlich problematisch, und die Klausen passen meist nicht zu deinem Setup.
Setup in 60 Minuten
- Bestandsaufnahme. Was läuft auf deiner Website? Kontaktformular, Newsletter, Google Analytics, Cookies, Maps? Liste machen, 10 Minuten.
- Generator durchgehen. Bei deinem gewählten Anbieter Schritt für Schritt durch den Fragebogen. 30 Minuten.
- Generierte Datenschutzerklärung einbinden. Eigene Seite unter „/datenschutz.html" oder „/datenschutz/". Im Website-Footer verlinken (zusammen mit Impressum). 10 Minuten.
- Cookie-Banner einbinden. Falls du nicht-essentielle Cookies setzt: Tools wie Borlabs Cookie, Cookiebot oder kostenlose Lösungen wie OneTrust. 10 Minuten.
Drei häufige Mythen
Mythos 1: „Bei einer kleinen Website ist das nicht so wichtig." Falsch. Die DSGVO macht keinen Unterschied zwischen großen und kleinen Websites. Abmahnungen treffen auch Solo-Selbstständige.
Mythos 2: „Ich brauche keinen Cookie-Banner, ich nutze nur Google Fonts." Falsch. Google Fonts laden Schriften von Google-Servern, dabei wird die IP-Adresse übertragen. Das ist ein Drittinhalt, der einer Einwilligung bedarf – oder du lädst Fonts lokal von deinem Server (technisch oft sinnvoller).
Mythos 3: „Ich kann meine Datenschutzerklärung von einem Anwalt einmal erstellen lassen und dann nie wieder anfassen." Falsch. Datenschutzrecht entwickelt sich – neue Urteile, neue Gesetzeslagen. Mindestens einmal im Jahr durchsehen, ob etwas anzupassen ist.
Was du heute tun solltest
- Bestandsaufnahme machen: was passiert wirklich auf deiner Website?
- Einen der drei seriösen Generatoren wählen, Fragebogen durchgehen.
- Datenschutzerklärung als eigene Seite einbinden, im Footer verlinken.
- Einmal im Jahr (z.B. Januar) prüfen, ob etwas angepasst werden muss.
60 Minuten Aufwand verhindern eine teure Abmahnung. Das ist eine der besten Stunden-Investitionen, die du in deine Selbstständigkeit stecken kannst.