Was der IAB ist
Der Investitionsabzugsbetrag (IAB) nach § 7g EStG erlaubt es kleinen Unternehmen, bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungskosten einer geplanten Investition bereits im Jahr der Planung steuerlich geltend zu machen. Du kannst also bis zu drei Jahre vor dem Kauf den Gewinn drücken und damit Steuern sparen.
Im Klartext: Du planst, in zwei Jahren einen Transporter für 30.000 Euro netto zu kaufen. Heute schon kannst du 15.000 Euro vom diesjährigen Gewinn abziehen – ohne dass du das Geld bereits ausgegeben hast.
Voraussetzungen 2026
Den IAB darf nur nutzen, wer:
- Kleinunternehmen ist im Sinne des § 7g EStG. Konkret: Gewinngrenze von 200.000 Euro pro Jahr (vor IAB).
- Die Investition plant und ernsthaft beabsichtigt.
- Die Anschaffung innerhalb von 3 Jahren tätigt.
- Das Wirtschaftsgut mindestens 90 Prozent betrieblich nutzt.
- Das Wirtschaftsgut abnutzbar und beweglich ist (also kein Grundstück, keine Immobilie, aber sehr wohl Fahrzeuge, Werkzeuge, Computer, Maschinen).
Was sich häufig ändert: die maximale IAB-Quote (aktuell 50 Prozent) und die Gewinngrenze. Bei aktuellen Werten zur Sicherheit beim Steuerberater oder direkt beim Finanzamt nachfragen.
Wie er rechnerisch wirkt
Der IAB ist eine reine Steuerstundung – kein Geschenk im engen Sinne. Du verschiebst die Besteuerung in spätere Jahre. Aber: Je nach Steuersatz und Investitionszeitpunkt kann eine echte Ersparnis entstehen, vor allem wenn:
- du in einem Jahr mit hohem Einkommen einen IAB bildest,
- und die Investition in einem Jahr mit niedrigerem Einkommen tätigst.
Klassisches Szenario: dein erstes wirklich gutes Jahr (Gewinn 60.000 Euro), und du planst eine größere Investition für nächstes oder übernächstes Jahr.
Konkrete Beispielrechnung
Tomas, Hausmeister im zweiten Jahr seiner Selbstständigkeit, hat einen Gewinn von 50.000 Euro erwirtschaftet. Er plant für nächstes Jahr den Kauf eines Transporters für 28.000 Euro netto.
Ohne IAB:
- Gewinn 2026: 50.000 Euro
- Einkommensteuer (vereinfacht, Steuersatz 30 %): 15.000 Euro
Mit IAB (50 % von 28.000 € = 14.000 €):
- Gewinn 2026 nach IAB-Abzug: 36.000 Euro
- Einkommensteuer: 10.800 Euro
- Steuerersparnis im Jahr 2026: 4.200 Euro
Wenn er 2027 den Transporter kauft, wird der IAB aufgelöst. 14.000 Euro werden dem Gewinn 2027 hinzugerechnet, gleichzeitig kann er den Transporter sofort um 14.000 Euro abschreiben (Sonderabschreibung). Das gleicht sich aus.
Aber: Die 4.200 Euro Steuerersparnis aus 2026 hat Tomas zwei Jahre lang zinslos zur Verfügung – als Liquidität für den Aufbau seines Geschäfts. Genau das ist der Wert des IAB.
Wenn die Investition ausbleibt
Hier wird es ernst. Wenn du innerhalb von 3 Jahren die geplante Investition nicht tätigst, wird der IAB rückwirkend aufgelöst. Konkret:
- Das Finanzamt korrigiert die Steuererklärung des Jahres, in dem du den IAB gebildet hast.
- Du musst die ersparten Steuern nachzahlen.
- Zusätzlich fallen Zinsen auf die Nachforderung an: 0,15 Prozent pro vollen Monat (Stand 2024).
Das ist kein Ruin, aber unangenehm. Plane den IAB nur, wenn die Investition wirklich realistisch ist. Nicht „falls ich vielleicht mal", sondern „ich werde ziemlich sicher".
Strategien für Quereinsteiger
Strategie 1 – Frühestens im zweiten Jahr. Im ersten Geschäftsjahr ist der Gewinn meist klein, der Steuersatz niedrig. Der IAB bringt dann wenig. Erst wenn du in den höheren Steuerbereich rutschst (ab etwa 40.000 Euro Gewinn), wird er richtig wirksam.
Strategie 2 – Plane realistisch, nicht spekulativ. Wenn du dir nicht zu 80 Prozent sicher bist, dass die Investition kommt, lass es. Die Strafe für die Rückabwicklung ist nicht groß, aber unnötig.
Strategie 3 – Kombiniere mit Sonderabschreibung. Im Jahr der tatsächlichen Anschaffung kannst du zusätzlich zur regulären AfA eine Sonderabschreibung von 20 Prozent geltend machen (auch nach § 7g). Das macht das Wirtschaftsgut innerhalb von 5 Jahren komplett abgeschrieben.
Strategie 4 – Liquidität nicht überschätzen. Die Steuerersparnis ist liquide Mittel, ja. Aber sie sind nicht „dein Geld" – du musst sie spätestens bei Anschaffung wieder verrechnen. Behandle sie wie einen Kredit, nicht wie einen Bonus.
Wann er sich nicht lohnt
Den IAB nicht nutzen, wenn:
- Du Kleinunternehmer im Sinne des § 19 UStG bist und die Investition unter 800 Euro netto liegt (geringwertiges Wirtschaftsgut, das du sofort komplett abschreibst).
- Dein Gewinn ohnehin niedrig ist (unter 20.000 Euro). Der Steuersatz greift erst spürbar darüber.
- Du nicht sicher weißt, ob die Investition wirklich kommt.
- Die Investition ein nicht-betriebliches Element hat (privater Anteil über 10 %).
Was du heute tun solltest
- Schau dir deine Investitionspläne der nächsten 1 - 3 Jahre an.
- Schätze grob deinen Gewinn für dieses und nächstes Jahr ab.
- Wenn du im Spitzensteuersatz bist und sichere Investitionen geplant sind: Sprich mit deinem Steuerberater über IAB-Bildung in der nächsten Steuererklärung.
- Dokumentiere die geplante Investition (Hersteller, Modell, geplanter Anschaffungszeitpunkt) – das Finanzamt fragt nach.
Der IAB ist ein elegantes Werkzeug, das viele Quereinsteiger nicht kennen. Mit etwas Planung kannst du in den ersten Jahren signifikante Steuerstundung erreichen – und dir damit Liquidität für den Aufbau deines Geschäfts sichern.