Warum die meisten zu wenig tun

Drei Gründe, warum die Altersvorsorge bei Selbstständigen oft auf der Strecke bleibt:

Die Mathematik ist gnadenlos: Wer mit 30 anfängt und 200 Euro im Monat sinnvoll anlegt, hat mit 67 etwa 250.000 Euro angespart. Wer mit 45 anfängt, kommt nur noch auf 90.000 Euro – bei gleicher Monatsrate. Frühzeitiger Start ist der wichtigste Hebel.

Säule 1: Gesetzliche oder Versorgungswerk

Eine Sondergruppe vorweg: kammerpflichtige Berufe (Ärzte, Anwälte, Architekten, Apotheker, Tierärzte, Notare). Sie sind in ihrem Versorgungswerk pflichtversichert – ähnlich wie Angestellte in der GRV. Hier ist die Säule 1 automatisch belegt.

Für alle anderen Selbstständigen ist die gesetzliche Rentenversicherung freiwillig. Drei Optionen:

Die Politik diskutiert seit Jahren eine Pflicht-Altersvorsorge für Selbstständige (Stand 2026 noch nicht umgesetzt, aber Gesetzentwürfe liegen vor). Wer früh anfängt, ist auf Änderungen vorbereitet.

Säule 2: Rürup-Rente (Basisrente)

Die Rürup-Rente ist eine privatwirtschaftliche Altersvorsorge mit erheblichen steuerlichen Vorteilen für Selbstständige. Eckdaten:

Vorteil: Wer einen Spitzensteuersatz hat, holt 30–42 Prozent des eingezahlten Betrags sofort über die Steuer zurück. Eine 200-Euro-Einzahlung pro Monat kostet effektiv nur 116–140 Euro.

Nachteil: weniger flexibel als ein ETF-Sparplan. Geld ist bis zum Renteneintritt gebunden. Wer sich verkalkuliert oder zwischenzeitlich Geld braucht, kommt nicht ran.

Wem passt es? Selbstständigen mit stabilem Einkommen und hohem Steuersatz. Wem nicht? Anfängern mit schwankendem Einkommen, die maximale Flexibilität brauchen.

Säule 3: ETF-Sparplan

Der unbürokratische Klassiker. Ein Depot bei einem Online-Broker (Comdirect, ING, Trade Republic, Scalable Capital), monatlich ein fester Betrag in einen breit gestreuten Welt-ETF (MSCI World oder FTSE All-World).

Eckdaten:

Vorteil: maximale Flexibilität, hohe erwartbare Rendite, keine Bindung an Versicherer.

Nachteil: Disziplin nötig. Wer den Sparplan in der nächsten Auftragsflaute kündigt, killt die Strategie.

Die richtige Reihenfolge

Eine pragmatische Strategie für Solo-Selbstständige:

Phase 1 (erstes Jahr): ETF-Sparplan mit kleinem Betrag (50–100 Euro im Monat). Geld bleibt flexibel, du gewöhnst dich an die Routine.

Phase 2 (Jahr 2–3, stabiles Einkommen): Sparplan auf 200–400 Euro erhöhen. Erste Notgroschen-Reserve (3 Monatsausgaben) auf Tagesgeldkonto.

Phase 3 (ab Jahr 3 bei stabilem hohem Einkommen): Rürup-Rente parallel starten. Steuerersparnis von Rürup investierst du wiederum in den ETF-Sparplan. Effektiv kombinierst du beides.

Phase 4 (ab Jahr 5+): Optional Immobilien als vierte Säule, falls Eigenkapital aufgebaut.

Realität: Wer mit 30 anfängt und 200 Euro im Monat in einen Welt-ETF investiert, hat mit 67 etwa 250.000 Euro – das entspricht einer Zusatzrente von rund 1.000 Euro monatlich für 25 Jahre. Mit 50 anzufangen bringt im gleichen Modell nur noch 50.000 Euro.

Was du heute tun solltest

  1. Einmal anhalten: was ist heute deine Altersvorsorge? Wenn nichts: das ist der Auslöser zum Handeln.
  2. Depot eröffnen bei einem der genannten Online-Broker (Trade Republic oder Comdirect für Einsteiger gut geeignet).
  3. Monatlich kleinen ETF-Sparplan starten – auch 50 Euro reichen für den Anfang. Wichtig ist nicht der Betrag, sondern die Routine.
  4. Erst nach 2–3 Jahren stabiler Selbstständigkeit über Rürup nachdenken.

Altersvorsorge ist kein einmaliges Großprojekt, sondern eine monatliche 5-Minuten-Routine, die einmal eingerichtet 30+ Jahre läuft. Wer früh anfängt, kommt entspannt durchs Alter. Wer wartet, läuft dem fehlenden Geld hinterher.