Was Krankentagegeld ist
Krankentagegeld ist eine Versicherungsleistung, die bei dauerhafter Krankheit (über deine Karenzzeit hinaus) einen täglichen Geldbetrag zahlt. Damit ersetzt sie zumindest teilweise deinen ausgefallenen Verdienst.
Drei Eckpunkte:
- Karenzzeit: wie viele Tage du selbst trägst, bevor die Versicherung zahlt (z.B. 14, 21, 28, 42 Tage).
- Tagessatz: wie viel pro Krankheitstag ausgezahlt wird (50, 80, 120 Euro – frei wählbar).
- Maximaldauer: meist bis Renteneintritt, in seltenen Fällen begrenzt.
Faustregel: Je länger die Karenzzeit, je niedriger der Tagessatz, desto günstiger der Beitrag.
GKV-Wahltarif Krankengeld
Wer in der GKV freiwillig versichert ist: Krankengeld kommt nur als Wahltarif. Standard ist „kein Krankengeld" – das spart Beitrag, lässt dich aber bei Krankheit ohne Auffangnetz.
Der Wahltarif kostet zusätzlich etwa 0,6 Prozent des Einkommens Monatsbeitrag. Anspruch beginnt frühestens am 43. Krankheitstag. Auszahlung: 70 Prozent deines beitragspflichtigen Einkommens.
Beispiel: 3.000 Euro Einkommen → 18 Euro/Monat zusätzlich → bei 8 Wochen Krankheit ca. 2.940 Euro Auszahlung (28 Tage × 105 Euro).
Lohnt sich, wenn du in der GKV bist. Niedriger Aufwand, ordentliche Absicherung ab Tag 43.
Private Krankentagegeld-Versicherung
Wer in der PKV ist oder zusätzliche Absicherung will: private Krankentagegeld-Versicherung. Kann mit jeder Karenzzeit kombiniert werden.
Eckdaten:
- Karenzzeit ab Tag 15, 22, 29, 43
- Tagessatz frei wählbar (oft 50–200 Euro)
- Beitrag abhängig von Alter, Tagessatz, Karenzzeit
- Beispiel: 35-Jähriger, 100 Euro Tagessatz ab Tag 22: ca. 30–50 Euro/Monat
Vorteil gegenüber GKV-Wahltarif: früherer Beginn (ab Tag 15 möglich), höherer Tagessatz wählbar.
Anbieter: AXA, DKV, Hanse Merkur, Allianz, Continentale.
Für wen sich das wirklich lohnt
Klare Ja-Fälle:
- Körperliche Tätigkeiten mit Erkrankungsrisiko (Hausmeister, Handwerker, Heilpraktiker mit Behandlungs-Druck)
- Solo-Selbstständige ohne große Rücklagen
- Berufe mit hohem Stundensatz (Coach, Berater 100 Euro+/Std.): Beitragsverhältnis besonders günstig
- Selbstständige mit Familie zu ernähren
Klare Nein-Fälle:
- Wer 6+ Monate Lebenshaltungskosten als Rücklage hat
- Wer einen mitverdienenden Partner hat, dessen Einkommen die Wohnkosten allein deckt
- Wer einen Beruf hat, in dem 4 Wochen Pause locker durch Kollegen vertreten werden können (z.B. fester Vertretungspartner mit gegenseitiger Vereinbarung)
Worauf du achten musst
Vier Fallstricke:
1. Gesundheitsfragen ehrlich beantworten. Wer eine Vorerkrankung verschweigt, riskiert im Leistungsfall die Auszahlung. Lieber Anbieter wechseln, der die Vorerkrankung akzeptiert.
2. Tagessatz nicht zu hoch ansetzen. Versicherer prüfen im Leistungsfall: ist dein Tagessatz höher als dein durchschnittliches Tageseinkommen? Falls ja, wird gekürzt. Tagessatz nicht über Netto-Tagesgewinn legen.
3. Karenzzeit mit Liquiditätsreserve abstimmen. Wer 3 Monate Reserve hat, kann Karenz von 29 oder 43 Tagen wählen (günstigster Beitrag). Wer 0 Reserve hat, muss bei Tag 15 oder 22 starten (höherer Beitrag).
4. Auf Kündigungs- und Wartezeiten achten. Manche Tarife haben 3 Monate Wartezeit ab Vertragsschluss. Wer also jetzt abschließt und nächste Woche krank wird, hat oft noch keinen Anspruch.
Was du heute tun solltest
- Selbst-Check: hast du genug Liquidität, um 4 Wochen Verdienstausfall zu tragen? Falls nein: Krankentagegeld ernsthaft prüfen.
- Falls in GKV: prüfen, ob Wahltarif Krankengeld bereits aktiv ist. Falls nicht: Krankenkasse anrufen, dazu buchen.
- Falls in PKV oder zusätzliche Absicherung gewünscht: 3 Angebote unabhängig einholen, nicht von einem Versicherer-Vertreter beraten lassen.
Krankentagegeld ist nicht für alle Pflicht. Aber für viele die preiswerteste Form, sich gegen das eine Risiko abzusichern, das die Selbstständigkeit wirklich gefährdet.