Die Grundregel

In Deutschland ist jeder krankenversichert. Selbstständige haben (im Unterschied zu Angestellten unter der Versicherungspflichtgrenze) die Wahl zwischen drei Optionen:

Die Entscheidung trifft jeder bei der Anmeldung als Selbstständiger oder beim Wechsel aus der Pflichtversicherung. Was viele unterschätzen: diese Entscheidung ist faktisch lebenslang.

GKV als Selbstständiger

Eckdaten (Stand 2026):

Krankenkasse-Wahl beeinflusst nur den Zusatzbeitrag (Schwankung ca. 0,5–2,4 Prozent). Leistungen sind weitgehend identisch.

PKV als Selbstständiger

Eckdaten:

Was die PKV oft bietet: schnellere Arzttermine, Chefarzt-Behandlung, Einzelzimmer, Zahnersatz mit höherem Erstattungssatz, alternative Heilmethoden, höherwertige Brillen-/Hörgeräte.

Der echte Vergleich

Beispielrechnung: 35-jähriger Coach, 4.000 Euro Einkommen, ledig, gesund.

GKV: ca. 800 Euro/Monat (20 Prozent von 4.000). Bei Einkommenswachstum auf 6.000 Euro steigt der Beitrag auf den Höchstbeitrag von ca. 1.080 Euro.

PKV: ca. 350 Euro/Monat. Klingt günstiger – aber: Beitrag steigt jährlich. Mit 50 Jahren erfahrungsgemäß 600–800 Euro/Monat. Mit 65 Jahren oft 1.200–1.800 Euro/Monat. Im Alter, wo das Einkommen oft sinkt.

Familienfall: gleicher Coach mit nicht-arbeitender Ehefrau und 2 Kindern.

GKV: gleicher Beitrag wie oben (ca. 800 Euro), Familie gratis mit.

PKV: Coach 350, Ehefrau 350, Kinder je 150 = ca. 1.000 Euro/Monat. PKV wird hier teurer als GKV.

Realität: Die PKV ist günstig solange du jung, gesund und alleinstehend bist. Sobald Familie dazukommt oder das Alter sich auswirkt, kehrt sich das Verhältnis oft um. Wer mit 30 in die PKV einsteigt, sollte rechnen, dass er mit 65 das 3- bis 4-Fache zahlt.

Der Rückweg – warum er schwer ist

Wechsel von der PKV zurück in die GKV ist möglich, aber an strenge Bedingungen geknüpft:

Es gibt Ausnahmewege (KSK, Pflichtversicherung bei Anstellung als Geschäftsführer, Künstlerstatus), aber sie sind eng begrenzt. Faustregel: wer einmal in der PKV ist, bleibt drin.

Wie du entscheidest

Fünf Fragen, die führen:

  1. Familie geplant oder vorhanden? → GKV ist meistens günstiger.
  2. Einkommen stabil über 6.000 Euro im Monat? → PKV bei jungen, gesunden Selbstständigen oft günstiger.
  3. Vorerkrankungen? → PKV oft teuer oder unmöglich.
  4. Plan: nochmal angestellt arbeiten? → GKV macht den Wechsel zurück einfacher.
  5. Im Alter Sicherheit wichtig? → GKV ist im Alter berechenbarer.

Im Zweifel: GKV. Eine Entscheidung, die du in 10 Jahren ändern willst, ist in der GKV einfacher rückgängig zu machen als in der PKV.

Rechner zum Thema: Der Krankenkassen-Beitragsrechner berechnet deinen GKV-Beitrag aus dem Gewinn – mit den Rechengrößen 2026.

Was du heute tun solltest

  1. Falls noch keine Entscheidung getroffen: 5 Fragen oben durchgehen.
  2. Falls bereits in PKV: einmal beim Versicherer den Beitragsverlauf der nächsten 20 Jahre durchrechnen lassen.
  3. Falls in GKV: prüfen, ob Wahltarif Krankengeld sinnvoll ist (Beitrag ca. 0,6 Prozent, Anspruch ab Tag 43).
  4. Bei Familie/Lebensentscheidungen: einmalig 60 Minuten mit unabhängigem Versicherungsberater (nicht von einer Versicherung selbst!) sprechen. Kosten: 150–300 Euro einmalig. Wert: Tausende über die Jahre.

GKV oder PKV ist keine moralische Frage, sondern eine mathematische. Wer rechnet, entscheidet meist anders, als wer den Vertreter sprechen lässt.