Warum das staatliche Netz für dich kaum existiert
Angestellte haben über die Rentenversicherung wenigstens die Erwerbsminderungsrente – schmal, aber vorhanden. Viele Selbstständige zahlen gar nicht in die gesetzliche Rente ein und haben damit keinerlei Anspruch. Und selbst wer eingezahlt hat: Die volle Erwerbsminderungsrente gibt es nur, wenn du in keinem Beruf mehr als drei Stunden täglich arbeiten kannst. Dass du deinen erlernten oder ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kannst, interessiert dort nicht.
Konkret: Der Fotograf mit kaputter Schulter, der Hausmeister mit ruiniertem Rücken, die Reinigungskraft mit Hautekzem – alle drei sind berufsunfähig, aber nicht erwerbsgemindert im Sinne des Gesetzes. Sie könnten ja theoretisch Pförtner werden. Diese Lücke schließt nur eine private Berufsunfähigkeitsversicherung, die zahlt, wenn du deinen Beruf zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst.
Was sie kostet – und wovon der Preis abhängt
Der Beitrag hängt an drei Stellschrauben: Alter beim Abschluss, Gesundheitszustand und Berufsgruppe. Ein 30-jähriger Büromensch bekommt 1.500 € Monatsrente oft für 50–80 € monatlich; körperlich Arbeitende zahlen je nach Einstufung das Doppelte bis Dreifache. Das ist ärgerlich, aber konsequent – das Risiko ist real höher. Jedes Jahr Warten macht es teurer, und jede neue Diagnose in der Krankenakte kann zu Ausschlüssen oder Ablehnung führen.
Beim Gesundheitsfragebogen gilt eine eiserne Regel: ehrlich und vollständig antworten. Wer eine Vorerkrankung verschweigt, zahlt jahrelang Beiträge für einen Vertrag, aus dem der Versicherer im Leistungsfall wegen Anzeigepflichtverletzung aussteigt. Das ist die teuerste Variante von allen. Bei Vorerkrankungen hilft eine anonyme Risikovoranfrage über einen Makler – so erfährst du die Konditionen, ohne eine Ablehnung in den zentralen Systemen zu hinterlassen.
Die Punkte, die im Vertrag wirklich zählen
Vier Dinge trennen brauchbare von schlechten Verträgen: Verzicht auf abstrakte Verweisung (der Versicherer darf dich nicht auf irgendeinen anderen Beruf verweisen), eine Nachversicherungsgarantie (Rente später ohne neue Gesundheitsprüfung erhöhen, etwa wenn dein Geschäft wächst), Leistung ab 50 % Berufsunfähigkeit und eine Laufzeit bis mindestens 65, besser 67. Sparen am falschen Ende – kurze Laufzeit, niedrige Rente – produziert Verträge, die im Ernstfall nicht reichen.
Zur Höhe: Die BU-Rente sollte deine privaten Fixkosten plus Krankenversicherung decken – meist 60–70 % deines Nettobedarfs. Und falls eine BU für dich unbezahlbar oder wegen Vorerkrankungen unerreichbar ist: Grundfähigkeits- oder Unfallversicherungen sind schwächere, aber ehrliche zweite Wahl. Schwächer deshalb, weil sie nur bestimmte Auslöser abdecken – die häufigste BU-Ursache, psychische Erkrankungen, fehlt dort meist.
Was du heute tun solltest
- Rechne deine privaten Monatsfixkosten zusammen – das ist die Mindesthöhe deiner BU-Rente.
- Hol über einen unabhängigen Makler eine anonyme Risikovoranfrage ein, bevor du offiziell beantragst.
- Prüfe jedes Angebot auf: Verzicht auf abstrakte Verweisung, Nachversicherungsgarantie, Laufzeit bis 67.
- Beantworte Gesundheitsfragen vollständig – fordere dazu notfalls deine Patientenakte bei der Krankenkasse an.