Ich bin seit 1991 selbstständig und habe einige Wellen erlebt, die angeblich alles verändern sollten. Manche haben es getan, die meisten nur teilweise. Das macht mich vorsichtig gegenüber großen Zahlen, auch gegenüber den eigenen.

Was die McKinsey-Studie sagt

Das McKinsey Global Institute hat im November 2025 die Studie „Agents, robots, and us: Skill partnerships in the age of AI" veröffentlicht. Die wichtigsten Aussagen, mit den Zahlen aus dem Bericht:

  • Etwa 57 Prozent der heutigen US-Arbeitsstunden könnten mit der vorhandenen Technik grundsätzlich von Maschinen übernommen werden. Rund 44 Prozentpunkte davon entfallen auf KI-Agenten, rund 13 auf Roboter.
  • Die Nachfrage nach „AI fluency", also der Fähigkeit, KI-Werkzeuge zu nutzen und zu steuern, ist in zwei Jahren um etwa 700 Prozent gestiegen. Rund sieben Millionen US-Beschäftigte arbeiten in Stellen, die solche Fertigkeiten bereits verlangen.
  • Bis 2030 könnten Unternehmen einen Wert von rund 2,9 Billionen US-Dollar freisetzen, wenn sie ihre Arbeitsabläufe grundlegend neu gestalten und nicht nur einzelne Aufgaben automatisieren.
  • Der Kerngedanke heißt „Skill Partnerships": Die Arbeit verteilt sich neu zwischen Menschen, Agenten und Robotern. Menschen übernehmen vor allem Aufgaben mit Urteilsvermögen, Beziehung und Verantwortung, Maschinen die Routine.

Was die Studie nicht sagt

Das wird in den Berichten darüber oft verwischt, deshalb hier genau:

57 Prozent der Arbeitsstunden bedeuten nicht 57 Prozent der Jobs. Die Zahl beschreibt technisches Potenzial, keine Prognose, wie viele Stellen verschwinden. Ob und wie schnell Betriebe es nutzen, hängt von Kosten, Recht, Vertrauen und Gewohnheit ab.

Die Zahlen beziehen sich auf die USA. Eine Übertragung eins zu eins auf Deutschland wäre Spekulation. Die Richtung ist plausibel, das Ausmaß für Deutschland ist offen.

„Technisch möglich" heißt nicht „wirtschaftlich sinnvoll". Viele Aufgaben ließen sich schon lange automatisieren und werden trotzdem von Menschen gemacht, weil es billiger, einfacher oder schlicht üblich ist.

Wenn du die Zahlen zitierst, prüf sie am Original. Die Studie ist öffentlich auf der Seite des McKinsey Global Institute.

Was das für Berufe bedeutet: meine Einschätzung

Ab hier folge ich nicht mehr der Studie, sondern meiner eigenen Erfahrung. Nimm es als Meinung, nicht als Befund.

Tätigkeiten, die Maschinen schwer übernehmen, haben meist mehrere dieser Eigenschaften:

  1. Sie sind an einen Ort gebunden. Wer in fremden Wohnungen, Gärten, Büros oder Häusern arbeitet, braucht Hände, Augen und Anwesenheit.
  2. Jede Umgebung ist anders. Ein Roboter, der in einer Fabrikhalle zuverlässig arbeitet, scheitert an einem verwinkelten Altbau.
  3. Vertrauen spielt eine Rolle. Wer dir den Wohnungsschlüssel gibt oder die Eltern anvertraut, will einen Menschen, den er kennt.
  4. Es gibt Verantwortung. Wenn etwas schiefgeht, will jemand wissen, wer geradesteht.
  5. Die Aufgabe ist selten und klein. Wo sich Automatisierung nicht rechnet, weil die Stückzahl fehlt, bleibt der Mensch.

Tätigkeiten, die auf Daten, Texten und standardisierten Abläufen beruhen, geraten dagegen eher unter Druck: Teile der Buchhaltung, einfache Texterstellung, Standardanfragen im Kundenservice, Datenerfassung. Auch hier gilt: Es wird nicht alles verschwinden, aber wer davon lebt, sollte sich Gedanken machen.

Acht Tätigkeiten im Zukunftscheck

Die Tabelle ist meine Einschätzung anhand der fünf Eigenschaften oben. Sie ist keine Prognose und kein Versprechen.

TätigkeitOrtsgebundenWechselnde UmgebungVertrauen nötigWo KI hilft
SeniorenbegleitungjajasehrTerminplanung, Abrechnung
HausmeisterservicejajajaAngebote, Dokumentation
ZimmerpflanzenservicejajamittelPflegepläne, Kundenverwaltung
TierbetreuungjajasehrTerminplanung, Kundenkommunikation
ReinigungjajajaEinsatzplanung, Rechnungen
FahrradreparaturjamittelmittelTeilebestellung, Diagnosehilfen
ComputerserviceteilsjajaFehlersuche, Anleitungen
EinkaufsservicejajajaEinkaufslisten, Routenplanung

Diese Tätigkeiten werden nicht durch KI ersetzt, sie werden durch KI leichter. Das ist der Teil der Studie, dem ich folge: Wer als Einzelunternehmer Angebote, Rechnungen, Termine und Kundenkommunikation von einem Werkzeug vorbereiten lässt, spart sich die Bürostunden, die kleine Betriebe sonst ausbremsen. Das ist, bei aller Vorsicht, die Skill Partnership im Kleinen. Dass sie dem Selbstständigen mehr nützt als dem Angestellten, ist meine Beobachtung, keine Aussage der Studie.

Zu den meisten dieser Tätigkeiten gibt es einen eigenen Quick Guide: alle 24 Quick Guides im Überblick. Beispiele: Hausmeisterservice, Seniorenbegleitung, Zimmerpflanzenservice.

Ist Selbstständigkeit dann automatisch sicher?

Nein. Auch Selbstständige können ersetzt werden, besonders wenn ihr Geschäft aus Texten, Daten oder Standardaufträgen besteht. Wer Texte schreibt, Präsentationen baut oder Buchungen verwaltet, steht vor derselben Frage wie ein Angestellter. Sicherheit entsteht nicht durch die Rechtsform, sondern durch das, was du tust und für wen. Wer Kunden hat, die ihn kennen und weiterempfehlen, ist weniger angreifbar als jemand, der einen anonymen Markt bedient.

Was du jetzt tun kannst

Lerne, KI-Werkzeuge für die Büroarbeit zu nutzen. Die Studie nennt das „AI fluency", und die Nachfrage danach wächst. Du musst kein Programmierer werden. Es reicht, Angebote, Rechnungen, Anfragen und Terminplanung vorbereiten zu lassen und das Ergebnis zu prüfen.

Prüf deine bisherige Tätigkeit nach den fünf Eigenschaften. Wie viele treffen zu? Je weniger, desto eher lohnt sich die Frage nach Alternativen.

Wenn du wechseln willst, wechsle zu etwas mit Kundenkontakt. Beziehungen und Vertrauen sind der Teil der Arbeit, den Maschinen am wenigsten übernehmen.

Teste nebenberuflich. Wer eine neue Tätigkeit nebenher ausprobiert, riskiert wenig und lernt viel: nebenberuflich starten.

Je nach Alter gibt es unterschiedliche Wege: Quereinsteiger ab 50, Quereinsteiger ab 60, Berufe für Frauen ab 50. Wer über eine Umschulung nachdenkt, findet die Rechnung unter Umschulung mit 50.

TK

Tomas Kayser

Selbstständig seit 1991, Autor der NEUSTART-Serie. Große Prognosen habe ich in 30 Jahren viele kommen und gehen sehen – was zählt, ist, was am Ende beim Kunden ankommt. Alle 24 Berufe ansehen →

Häufige Fragen

Welche Berufe haben Zukunft?

Eine sichere Liste gibt es nicht. Berufe mit Kundenkontakt, Ortsbindung, wechselnder Umgebung und Verantwortung gelten als robuster als solche, die auf Daten, Texten und Standardabläufen beruhen. Das ist eine Einschätzung, keine Garantie.

Welche Berufe ersetzt KI nicht?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Tätigkeiten, die an einen Ort gebunden sind, wechselnde Umgebungen verlangen und Vertrauen voraussetzen, sind schwerer zu automatisieren. Auch dort verändert KI die Arbeit, etwa bei Planung und Verwaltung.

Was sagt die McKinsey-Studie?

Dass rund 57 Prozent der heutigen US-Arbeitsstunden technisch automatisierbar wären, davon etwa 44 Prozentpunkte durch KI-Agenten und 13 durch Roboter. Das beschreibt ein technisches Potenzial, keine Prognose für Arbeitsplätze, und gilt für die USA.

Gilt die Studie auch für Deutschland?

Die Zahlen beziehen sich auf die USA. Für Deutschland wären sie eine Schätzung ohne Grundlage. Die Richtung, dass Routineaufgaben stärker automatisiert werden, halte ich für plausibel.

Was bedeutet „Skill Partnerships"?

Der Begriff der Studie beschreibt eine neue Arbeitsteilung zwischen Menschen, KI-Agenten und Robotern: Maschinen übernehmen Routine, Menschen Urteil, Beziehung und Verantwortung.

Welche Tätigkeit passt zu dir?

24 Berufe ohne Ausbildung – jeder mit eigenem Praxis-Band und einer ehrlichen Einschätzung, was dich erwartet.