Einkaufsservice ohne Ausbildung – geht das?
Ja. Einkaufs- und Lieferdienste sind zulassungsfrei. Keine Ausbildung, kein Meisterbrief, keine Erlaubnis. Gewerbe anmelden, und du kannst am selben Tag anfangen.
Startkapital: unter 500 Euro, wenn ein Fahrzeug vorhanden ist. Damit gehört dieser Beruf zu den drei günstigsten Einstiegen der ganzen Reihe.
Immer mehr ältere Menschen leben allein zu Hause und können den wöchentlichen Einkauf nicht mehr selbst erledigen. Zwei volle Taschen und drei Stockwerke ohne Aufzug – das ist die Grenze, an der sehr viele stehen.
Dazu kommen Berufstätige ohne Zeit, Menschen nach Operationen, Familien in belasteten Phasen. Und anders als bei den großen Lieferplattformen suchen diese Kunden keinen anonymen Dienst, sondern eine Person, die kommt, den Namen kennt und weiß, welche Butter es sein soll.
Wer einmal für jemanden einkauft, kauft oft jahrelang für ihn ein. Der Kunde wechselt nicht – er müsste sein Vertrauen und seine Gewohnheiten neu erklären. Fünfzehn Stammkunden im Wochenturnus sind eine planbare Existenz ohne jede weitere Akquise.
Viele glauben, sie konkurrierten mit den Lieferdiensten der Supermärkte. Das Gegenteil ist der Fall: Die liefern anonym an die Tür und tragen nichts in den dritten Stock. Was du verkaufst, ist Verlässlichkeit und persönlicher Kontakt – und dafür gibt es keinen Wettbewerb.
Der Tag ist kurz und dicht. Einkäufe passieren vormittags und am frühen Nachmittag, wenn die Läden leer sind und die Kunden zu Hause.
Ein typischer Ablauf: Listen am Vorabend sammeln, morgens die Runde planen, drei bis fünf Kunden in einer Tour bedienen, ausliefern, abrechnen. Vier bis sechs Stunden am Tag reichen für einen vollen Kalender.
Mehrere Kunden in einem Einkauf. Wer für vier Haushalte gleichzeitig einkauft und die Waren im Auto trennt, braucht für vier Aufträge kaum länger als für zwei – bei doppeltem Ertrag.
Voraussetzung sind Kunden im selben Viertel und getrennte Kassenvorgänge. Beides ist Organisationsarbeit, keine Kunst.
Man wird erwartet. Für viele ältere Kunden ist der Einkaufsdienst der einzige verlässliche Kontakt der Woche. Das schafft eine Beziehung, die in kaum einem anderen der 24 Berufe entsteht – und macht den Job zu mehr als einer Fahrt zum Supermarkt.
Keine. Gleichmäßig über zwölf Monate, mit leichten Spitzen vor Feiertagen und im Winter, wenn viele seltener rausgehen.
Tragen und Treppen – das ist die einzige echte Belastung. Mit einem Einkaufstrolley und guter Planung gut zu bewältigen.
Die Hauptgruppe. Beauftragt wird meist von den Kindern, die weit weg wohnen und etwas organisieren wollen. Sie zahlen 15 bis 28 Euro je Einkauf plus Warenkosten und buchen fest – jede Woche derselbe Tag.
Gefunden werden sie über Apotheken, Hausärzte, Pflegedienste und Aushänge in Seniorentreffs. Ein Besuch bei fünf Pflegediensten im Umkreis bringt mehr als jede Anzeige, weil dort täglich gesehen wird, wo Hilfe fehlt.
Zeitlich begrenzt, aber sofort zahlungsbereit. Der Zugang läuft über Kliniksozialdienste, Physiotherapeuten und Sanitätshäuser.
Wachsende Gruppe. Wocheneinkauf, Getränkelieferung, Besorgungen. Sie zahlen ähnlich, sind aber weniger treu als die erste Gruppe – dafür weniger betreuungsintensiv.
Die planbarste Gruppe. Büros mit Getränke- und Küchenbedarf, Praxen, Kitas, kleine Pflegeeinrichtungen. Feste Wochenlieferungen, Abrechnung per Rechnung, keine Diskussion über den Preis.
Verlässlichkeit bei Terminen und eine saubere Abrechnung mit Kassenbon. Wer den Bon vorlegt und exakt abrechnet, schafft in einer Woche das Vertrauen, das andere in einem Jahr aufbauen.
Der erste Kunde kommt bei Ansprache der richtigen Stellen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen – und bleibt oft Jahre.
Abgerechnet wird je Einkauf, als Monatspauschale oder nach Zeit. Die Pauschale je Einkauf ist am gebräuchlichsten.
Bündelung. Vier Kunden in einer Tour bringen 60 bis 110 Euro in zweieinhalb Stunden – das sind 25 bis 44 Euro je Stunde. Ein einzelner Kunde in derselben Zeit brächte 20.
Wer sein Gebiet eng hält und Touren plant, verdoppelt seinen Stundenertrag ohne einen einzigen zusätzlichen Kunden.
Nach Kosten bleiben 78 bis 85 Prozent des Umsatzes – einer der besten Werte der Reihe, weil außer dem Fahrzeug fast nichts nötig ist.
Bei 3.500 Euro Umsatz bleiben rund 2.800 Euro Gewinn vor Steuern. Nach Einkommensteuer, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Altersvorsorge sind es 1.600 bis 1.900 Euro im Monat – bei vier bis sechs Arbeitsstunden am Tag.
Auf die tatsächlich gearbeitete Stunde gerechnet ist das ein sehr guter Wert.
Die Tourenplanung. Und die Erweiterung des Angebots: Wer schon da ist, kann auch die Apotheke mitnehmen, Post erledigen und die Mülltonne rausstellen – jede Zusatzleistung wird bezahlt und kostet fünf Minuten.
Wie Touren geplant und Pauschalen kalkuliert werden, zeigt der Quick Guide Selbstständig mit Einkaufsservice.
Die 1.600 bis 1.900 Euro aus der letzten Rechnung gelten für einen, der allein fährt und nur einkauft. Beides lässt sich erweitern – und dieser Beruf ist einer der wenigen, in denen das Wachstum keine Investition verlangt.
Wer ohnehin bei einem Kunden ist, kann mehr anbieten: Apothekengänge, Post, Behördenwege, Wäsche zur Reinigung, Mülltonnen, Blumen gießen, Begleitung zum Arzt.
Aus 22 Euro je Einkauf werden 45 bis 70 Euro je Besuch – bei einer halben Stunde mehr Zeit. Der Monatsumsatz steigt von 3.500 auf 6.000 bis 8.000 Euro.
Wer zusätzlich die Anerkennung als Angebot zur Unterstützung im Alltag erwirbt, kann über den Entlastungsbetrag der Pflegekasse abrechnen – dann zahlt der Kunde nichts selbst.
Eine Kraft auf Minijob-Basis übernimmt ein Viertel oder einen Wochentag. Sie kostet 14 bis 18 Euro je Stunde und erwirtschaftet 25 bis 44. Mit drei Kräften betreust du sechzig statt zwanzig Kunden.
Ein Einkaufs- und Alltagsdienst mit drei Teilzeitkräften kommt auf 10.000 bis 16.000 Euro Monatsumsatz – bei einem Beruf, der mit unter 500 Euro Startkapital begonnen hat.
Feste Wochenlieferungen für Büros, Praxen, Kitas und kleine Pflegeeinrichtungen. Größere Mengen, feste Preise, Abrechnung per Rechnung, kein Betreuungsaufwand.
Und der Weg, den viele gehen: die Verbindung mit Seniorenbegleitung zu einem Alltagsdienst aus einer Hand. Derselbe Kundenkreis, dieselbe Fahrt, das doppelte Angebot.
Wie Zusatzleistungen, Personal und Kassenabrechnung aufgebaut werden, steht im erweiterten Buch Dein Erfolgsweg mit Einkaufsservice.
Für die Abrechnung über den Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI ist eine Anerkennung nach Landesrecht nötig. Sie lohnt, sobald mehrere Kunden pflegebedürftig sind.
Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit im Umgang mit Geld und Geduld bei älteren Kunden, die reden möchten. Wer fünf Minuten länger bleibt, hat den Kunden für Jahre.
Wer kein Fahrzeug hat, kommt nicht weit. Wer vormittags nicht kann, findet kaum Kunden – dort liegt der Bedarf. Und wer Schwierigkeiten hat, Belege sauber zu führen, sollte das ändern, bevor er mit fremdem Geld einkauft.