Berufsbild · Band 21 von 24

Selbstständig als
Einkaufsservice

Einkaufsservice ohne Ausbildung – geht das?

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Der Beruf im Überblick

Ja. Einkaufs- und Lieferdienste sind zulassungsfrei. Keine Ausbildung, kein Meisterbrief, keine Erlaubnis. Gewerbe anmelden, und du kannst am selben Tag anfangen.

Startkapital: unter 500 Euro, wenn ein Fahrzeug vorhanden ist. Damit gehört dieser Beruf zu den drei günstigsten Einstiegen der ganzen Reihe.

Warum die Nachfrage wächst und bleibt

Immer mehr ältere Menschen leben allein zu Hause und können den wöchentlichen Einkauf nicht mehr selbst erledigen. Zwei volle Taschen und drei Stockwerke ohne Aufzug – das ist die Grenze, an der sehr viele stehen.

Dazu kommen Berufstätige ohne Zeit, Menschen nach Operationen, Familien in belasteten Phasen. Und anders als bei den großen Lieferplattformen suchen diese Kunden keinen anonymen Dienst, sondern eine Person, die kommt, den Namen kennt und weiß, welche Butter es sein soll.

Der Beruf mit der stärksten Bindung

Wer einmal für jemanden einkauft, kauft oft jahrelang für ihn ein. Der Kunde wechselt nicht – er müsste sein Vertrauen und seine Gewohnheiten neu erklären. Fünfzehn Stammkunden im Wochenturnus sind eine planbare Existenz ohne jede weitere Akquise.

Der verbreitetste Irrtum

Viele glauben, sie konkurrierten mit den Lieferdiensten der Supermärkte. Das Gegenteil ist der Fall: Die liefern anonym an die Tür und tragen nichts in den dritten Stock. Was du verkaufst, ist Verlässlichkeit und persönlicher Kontakt – und dafür gibt es keinen Wettbewerb.

Wie der Arbeitstag aussieht

Der Tag ist kurz und dicht. Einkäufe passieren vormittags und am frühen Nachmittag, wenn die Läden leer sind und die Kunden zu Hause.

Ein typischer Ablauf: Listen am Vorabend sammeln, morgens die Runde planen, drei bis fünf Kunden in einer Tour bedienen, ausliefern, abrechnen. Vier bis sechs Stunden am Tag reichen für einen vollen Kalender.

Der entscheidende Kniff

Mehrere Kunden in einem Einkauf. Wer für vier Haushalte gleichzeitig einkauft und die Waren im Auto trennt, braucht für vier Aufträge kaum länger als für zwei – bei doppeltem Ertrag.

Voraussetzung sind Kunden im selben Viertel und getrennte Kassenvorgänge. Beides ist Organisationsarbeit, keine Kunst.

Der schönste Teil

Man wird erwartet. Für viele ältere Kunden ist der Einkaufsdienst der einzige verlässliche Kontakt der Woche. Das schafft eine Beziehung, die in kaum einem anderen der 24 Berufe entsteht – und macht den Job zu mehr als einer Fahrt zum Supermarkt.

Saison

Keine. Gleichmäßig über zwölf Monate, mit leichten Spitzen vor Feiertagen und im Winter, wenn viele seltener rausgehen.

Körperlich

Tragen und Treppen – das ist die einzige echte Belastung. Mit einem Einkaufstrolley und guter Planung gut zu bewältigen.

Wer dich beauftragt

Ältere Menschen und ihre Angehörigen

Die Hauptgruppe. Beauftragt wird meist von den Kindern, die weit weg wohnen und etwas organisieren wollen. Sie zahlen 15 bis 28 Euro je Einkauf plus Warenkosten und buchen fest – jede Woche derselbe Tag.

Gefunden werden sie über Apotheken, Hausärzte, Pflegedienste und Aushänge in Seniorentreffs. Ein Besuch bei fünf Pflegediensten im Umkreis bringt mehr als jede Anzeige, weil dort täglich gesehen wird, wo Hilfe fehlt.

Menschen nach Operationen oder in Krankheitsphasen

Zeitlich begrenzt, aber sofort zahlungsbereit. Der Zugang läuft über Kliniksozialdienste, Physiotherapeuten und Sanitätshäuser.

Berufstätige und Familien

Wachsende Gruppe. Wocheneinkauf, Getränkelieferung, Besorgungen. Sie zahlen ähnlich, sind aber weniger treu als die erste Gruppe – dafür weniger betreuungsintensiv.

Betriebe und Einrichtungen

Die planbarste Gruppe. Büros mit Getränke- und Küchenbedarf, Praxen, Kitas, kleine Pflegeeinrichtungen. Feste Wochenlieferungen, Abrechnung per Rechnung, keine Diskussion über den Preis.

Was den Zuschlag bringt

Verlässlichkeit bei Terminen und eine saubere Abrechnung mit Kassenbon. Wer den Bon vorlegt und exakt abrechnet, schafft in einer Woche das Vertrauen, das andere in einem Jahr aufbauen.

Der erste Kunde kommt bei Ansprache der richtigen Stellen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen – und bleibt oft Jahre.

Was sich verdienen lässt

Abgerechnet wird je Einkauf, als Monatspauschale oder nach Zeit. Die Pauschale je Einkauf ist am gebräuchlichsten.

  • Wocheneinkauf für einen Haushalt: 15 bis 28 Euro plus Warenkosten
  • Kleine Besorgung, Apotheke, Post: 8 bis 15 Euro
  • Monatspauschale bei festem Turnus: 60 bis 110 Euro je Kunde
  • Betriebe und Einrichtungen: 25 bis 45 Euro je Lieferung
  • Nach Zeit abgerechnet: 20 bis 32 Euro je Stunde

Der entscheidende Hebel

Bündelung. Vier Kunden in einer Tour bringen 60 bis 110 Euro in zweieinhalb Stunden – das sind 25 bis 44 Euro je Stunde. Ein einzelner Kunde in derselben Zeit brächte 20.

Wer sein Gebiet eng hält und Touren plant, verdoppelt seinen Stundenertrag ohne einen einzigen zusätzlichen Kunden.

Monatsumsatz nach Jahren

  • Erstes Jahr: 800 bis 1.800 Euro
  • Zweites Jahr: 1.800 bis 2.800 Euro
  • Ab dem dritten Jahr: 2.800 bis 4.000 Euro mit vollem Turnusbestand und Betrieben

Was abgeht

  • Fahrzeug: 250 bis 500 Euro monatlich
  • Kraftstoff und Kühltaschen, Trolley, Kisten: 100 bis 200 Euro monatlich
  • Versicherung, Berufsgenossenschaft, Buchhaltung: 80 bis 160 Euro monatlich

Nach Kosten bleiben 78 bis 85 Prozent des Umsatzes – einer der besten Werte der Reihe, weil außer dem Fahrzeug fast nichts nötig ist.

Was allein zum Leben bleibt

Bei 3.500 Euro Umsatz bleiben rund 2.800 Euro Gewinn vor Steuern. Nach Einkommensteuer, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Altersvorsorge sind es 1.600 bis 1.900 Euro im Monat – bei vier bis sechs Arbeitsstunden am Tag.

Auf die tatsächlich gearbeitete Stunde gerechnet ist das ein sehr guter Wert.

Woran sich sofort etwas drehen lässt

Die Tourenplanung. Und die Erweiterung des Angebots: Wer schon da ist, kann auch die Apotheke mitnehmen, Post erledigen und die Mülltonne rausstellen – jede Zusatzleistung wird bezahlt und kostet fünf Minuten.

Wie Touren geplant und Pauschalen kalkuliert werden, zeigt der Quick Guide Selbstständig mit Einkaufsservice.

Was daraus werden kann

Die 1.600 bis 1.900 Euro aus der letzten Rechnung gelten für einen, der allein fährt und nur einkauft. Beides lässt sich erweitern – und dieser Beruf ist einer der wenigen, in denen das Wachstum keine Investition verlangt.

Stufe eins: mehr als einkaufen

Wer ohnehin bei einem Kunden ist, kann mehr anbieten: Apothekengänge, Post, Behördenwege, Wäsche zur Reinigung, Mülltonnen, Blumen gießen, Begleitung zum Arzt.

Aus 22 Euro je Einkauf werden 45 bis 70 Euro je Besuch – bei einer halben Stunde mehr Zeit. Der Monatsumsatz steigt von 3.500 auf 6.000 bis 8.000 Euro.

Wer zusätzlich die Anerkennung als Angebot zur Unterstützung im Alltag erwirbt, kann über den Entlastungsbetrag der Pflegekasse abrechnen – dann zahlt der Kunde nichts selbst.

Stufe zwei: Touren aufteilen

Eine Kraft auf Minijob-Basis übernimmt ein Viertel oder einen Wochentag. Sie kostet 14 bis 18 Euro je Stunde und erwirtschaftet 25 bis 44. Mit drei Kräften betreust du sechzig statt zwanzig Kunden.

Ein Einkaufs- und Alltagsdienst mit drei Teilzeitkräften kommt auf 10.000 bis 16.000 Euro Monatsumsatz – bei einem Beruf, der mit unter 500 Euro Startkapital begonnen hat.

Stufe drei: Betriebe und Einrichtungen

Feste Wochenlieferungen für Büros, Praxen, Kitas und kleine Pflegeeinrichtungen. Größere Mengen, feste Preise, Abrechnung per Rechnung, kein Betreuungsaufwand.

Und der Weg, den viele gehen: die Verbindung mit Seniorenbegleitung zu einem Alltagsdienst aus einer Hand. Derselbe Kundenkreis, dieselbe Fahrt, das doppelte Angebot.

Wie Zusatzleistungen, Personal und Kassenabrechnung aufgebaut werden, steht im erweiterten Buch Dein Erfolgsweg mit Einkaufsservice.

Was du wirklich brauchst

Rechtlich zwingend

  • Gewerbeanmeldung, 20 bis 60 Euro
  • Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft
  • Führerschein Klasse B
  • Klare Regelung zum Geld: Vorkasse, Abrechnung gegen Kassenbon oder Kundenkarte. Wer mit fremdem Geld umgeht, braucht saubere Aufzeichnungen – im eigenen Interesse.

Für die Abrechnung über den Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI ist eine Anerkennung nach Landesrecht nötig. Sie lohnt, sobald mehrere Kunden pflegebedürftig sind.

Praktisch nötig

  • Zuverlässiges Fahrzeug mit ausreichend Laderaum
  • Kühltaschen, Transportkisten, Einkaufstrolley: 150 bis 300 Euro
  • Erweitertes Führungszeugnis – verlangen Angehörige regelmäßig
  • Betriebshaftpflicht mit Einschluss von Tätigkeitsschäden und Vermögensschäden
  • Einfache Abrechnungsvorlage mit Belegablage

Persönlich hilfreich

Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit im Umgang mit Geld und Geduld bei älteren Kunden, die reden möchten. Wer fünf Minuten länger bleibt, hat den Kunden für Jahre.

Wofür der Beruf nicht taugt

Wer kein Fahrzeug hat, kommt nicht weit. Wer vormittags nicht kann, findet kaum Kunden – dort liegt der Bedarf. Und wer Schwierigkeiten hat, Belege sauber zu führen, sollte das ändern, bevor er mit fremdem Geld einkauft.

Häufige Fragen

Nein. Einkaufs- und Lieferdienste sind zulassungsfrei – keine Ausbildung, kein Meisterbrief, keine Erlaubnis. Nötig ist nur die Gewerbeanmeldung und ein Führerschein.
Unter 500 Euro, wenn ein Fahrzeug vorhanden ist: Gewerbeanmeldung, Versicherung, Kühltaschen, Transportkisten und ein Einkaufstrolley. Das ist einer der drei günstigsten Einstiege der Reihe.
15 bis 28 Euro je Wocheneinkauf plus Warenkosten, 60 bis 110 Euro Monatspauschale je Stammkunde. Der Hebel ist die Bündelung: Vier Kunden in einer Tour bringen 25 bis 44 Euro je Stunde. Ab dem dritten Jahr sind 2.800 bis 4.000 Euro Monatsumsatz realistisch, davon bleiben 1.600 bis 1.900 Euro zum Leben.
Üblich sind Vorkasse oder Abrechnung gegen Kassenbon. Wichtig ist eine saubere Belegablage – du gehst mit fremdem Geld um, und exakte Abrechnung schafft in einer Woche das Vertrauen, das andere in einem Jahr aufbauen.
Über Apotheken, Hausärzte und Pflegedienste – dort wird täglich gesehen, wo Hilfe fehlt. Ein Besuch bei fünf Pflegediensten im Umkreis bringt mehr als jede Anzeige. Beauftragt wird meist von den Angehörigen, nicht vom Kunden selbst.
Ja, wenn du vormittags Zeit hast – dort liegt der Bedarf. Fünf Stammkunden im Wochenturnus bringen bereits 400 bis 700 Euro im Monat bei etwa acht Stunden Einsatz.
Eine Betriebshaftpflicht mit Einschluss von Tätigkeits- und Vermögensschäden. Du bewegst dich in fremden Wohnungen und gehst mit fremdem Geld um – beides deckt die private Haftpflicht nicht ab.

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