Berufsbild · Band 15 von 24

Selbstständig als
Gartenservice

Gartenservice ohne Ausbildung – geht das?

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Der Beruf im Überblick

Ja. Gartenpflege ist zulassungsfrei. Rasenmähen, Hecken schneiden, Beete pflegen, Laub räumen, Winterdienst – für all das braucht niemand eine Ausbildung oder einen Meisterbrief.

Die Grenze verläuft beim Garten- und Landschaftsbau: Wer Mauern setzt, Teiche anlegt oder Terrassen pflastert, betreibt zulassungspflichtiges Handwerk. Alles, was Pflege ist, darfst du.

Startkapital: 1.500 bis 4.000 Euro. Damit gehört der Beruf zu den günstigen Einstiegen – und zu denen mit der verlässlichsten Nachfrage.

Warum die Nachfrage wächst

Immer mehr Menschen haben einen Garten und immer weniger Zeit oder Kraft, ihn selbst zu machen. Ältere Eigentümer, berufstätige Familien, Wohnanlagen, Gewerbeobjekte mit Grünflächen – sie alle suchen jemanden, der regelmäßig kommt.

Und genau darin liegt der Reiz: Gartenpflege ist Wiederholung. Wer eine Anlage betreut, betreut sie im nächsten Jahr wieder. Fünfzehn Objekte im Turnus füllen den Kalender, ohne dass jemals wieder Akquise nötig wäre.

Draußen arbeiten, und das ist der Punkt

Für viele Quereinsteiger ist das der eigentliche Grund. Keine Halle, kein Büro, kein Bildschirm. Man sieht am Abend, was man getan hat – und im nächsten Frühjahr, was daraus geworden ist.

Der verbreitetste Irrtum

Viele glauben, man brauche botanisches Wissen. Für die Pflege braucht man vor allem Verlässlichkeit und gutes Gerät. Was wann geschnitten wird, lernt man in einer Saison – und was man nicht weiß, steht in jedem Gartenbuch.

Wie der Arbeitstag aussieht

Der Tag beginnt früh, meist zwischen sieben und acht, und endet mit dem Licht. Im Sommer sind das lange Tage, im Winter kurze – der Beruf richtet sich nach der Sonne, nicht nach der Uhr.

Ein typischer Ablauf: zwei bis vier Objekte am Tag, dazwischen die Fahrten. Rasen mähen, Kanten stechen, Hecke schneiden, Beete säubern, Schnittgut aufladen und entsorgen.

Was die Zeit frisst

Das Grüngut. Laden, fahren, abladen – je nach Entfernung zum Kompostplatz eine Stunde je Tour. Wer einen Anhänger mit Hochplane fährt und Touren bündelt, spart pro Woche einen halben Arbeitstag.

Saison

Ausgeprägt, aber vollständig planbar. März bis Oktober ist Vollauslastung mit Spitzen im Frühjahr und beim Heckenschnitt. November und Dezember bringen Laub und Winterschnitt. Januar und Februar sind ruhig.

Wer Winterdienst dazunimmt, hat das Loch gefüllt – und zwar gut bezahlt: Räum- und Streupflicht wird zuverlässig honoriert, weil die Haftung beim Eigentümer liegt.

Körperlich

Anstrengend, aber gleichmäßig. Kein schweres Heben wie beim Umzug, dafür Ausdauer und Wetter. Mit Akkugeräten statt Benzin ist es deutlich leiser und rückenschonender geworden – ein echter Fortschritt der letzten Jahre.

Wer dich beauftragt

Private Gartenbesitzer

Die Hauptgruppe. Ältere Eigentümer, berufstätige Familien, Zweitwohnungsbesitzer. Sie zahlen 30 bis 45 Euro je Stunde und buchen im Turnus – alle zwei Wochen, monatlich, saisonal.

Gefunden werden sie über das Google-Unternehmensprofil, über Aushänge in Wohngebieten und über Nachbarschaft: Wer in einer Straße arbeitet, wird von der nächsten Einfahrt aus angesprochen. Das ist die günstigste Werbung, die es gibt.

Hausverwaltungen und Wohnungsgesellschaften

Die planbarste Gruppe. Grünflächenpflege für Wohnanlagen im Jahresvertrag: 35 bis 55 Euro je Stunde oder als Pauschale je Objekt und Monat. Ein Vertrag über eine Wohnanlage bringt 300 bis 900 Euro monatlich, zwölf Monate im Jahr, oft über Jahre.

Der Weg dorthin: Verwaltungen im Umkreis anrufen, nach dem Zuständigen für Außenanlagen fragen. Viele suchen aktiv.

Gewerbeobjekte und Kommunen

Autohäuser, Praxen, Hotels, Industriegelände. Sie zahlen die besten Sätze und legen Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild. Kommunale Ausschreibungen für Grünpflege sind planbar, verlangen aber Nachweise und Kapazität.

Was den Zuschlag bringt

Verlässliche Termine und ein sauber hinterlassener Arbeitsplatz. Wer das Schnittgut mitnimmt und die Einfahrt kehrt, wird empfohlen.

Der erste Auftrag kommt bei sichtbarem Angebot meist innerhalb von ein bis zwei Wochen – im Frühjahr oft am selben Tag.

Was sich verdienen lässt

Abgerechnet wird nach Stunden oder als Jahrespauschale je Objekt. Die Pauschale ist bei Daueraufträgen für beide Seiten besser.

  • Privatgarten: 30 bis 45 Euro je Stunde
  • Gewerbe und Wohnanlage: 35 bis 55 Euro je Stunde
  • Wohnanlage als Monatspauschale: 300 bis 900 Euro je Objekt
  • Heckenschnitt als Einzelauftrag: 250 bis 900 Euro
  • Winterdienst je Objekt und Saison: 600 bis 2.000 Euro

Abrechenbare Stunden

In der Saison 120 bis 150 Stunden im Monat – das ist einer der höchsten Werte unter den 24 Berufen, weil kaum Zeit für Angebote draufgeht. Im Winter entsprechend weniger, sofern kein Winterdienst läuft.

Monatsumsatz nach Jahren

  • Erstes Jahr: 1.800 bis 3.200 Euro in der Saison
  • Zweites Jahr: 3.500 bis 5.000 Euro
  • Ab dem dritten Jahr: 5.000 bis 7.500 Euro mit vollem Objektbestand und Winterdienst

Was abgeht

  • Fahrzeug mit Anhänger: 400 bis 800 Euro monatlich
  • Geräteverschleiß und Ersatz – hoher Posten in diesem Beruf: 150 bis 350 Euro monatlich
  • Kraftstoff, Grünschnittentsorgung: 150 bis 350 Euro monatlich
  • Versicherung, Berufsgenossenschaft, Buchhaltung: 100 bis 200 Euro monatlich

Was allein zum Leben bleibt

Bei 5.500 Euro Umsatz in der Saison bleiben rund 3.800 Euro Gewinn vor Steuern. Über zwölf Monate gemittelt und nach Steuern, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Altersvorsorge sind es 1.900 bis 2.300 Euro im Monat.

Das gilt für den, der allein arbeitet und die Wintermonate nicht füllt. Beides lässt sich ändern.

Woran sich sofort etwas drehen lässt

Winterdienst. Er verwandelt die schwächsten Monate in gut bezahlte und bindet dieselben Kunden ganzjährig. Zweitens Jahresverträge statt Einzelaufträge – dann ist der Kalender im Januar für den ganzen Sommer gefüllt.

Wie Pauschalen kalkuliert und Jahresverträge geschlossen werden, zeigt der Quick Guide Selbstständig mit Gartenservice.

Was daraus werden kann

Die 1.900 bis 2.300 Euro aus der letzten Rechnung gelten für einen, der allein arbeitet und im Winter Pause macht. Beide Begrenzungen sind lösbar – und der Gartenservice ist einer der Berufe, in denen Wachstum besonders leichtfällt, weil die Arbeit sich gut aufteilen lässt.

Stufe eins: das Jahr schließen

Winterdienst, Laubräumung, Winterschnitt, Weihnachtsbeleuchtung für Gewerbeobjekte. Wer die vier ruhigen Monate füllt, hebt den Jahresumsatz um 30 bis 40 Prozent – mit denselben Kunden, demselben Fahrzeug und ohne einen einzigen neuen Auftraggeber.

Stufe zwei: der erste Mitarbeiter

Gartenpflege ist teilbar: Einer mäht, einer schneidet, einer räumt. Ein Helfer kostet mit Nebenkosten 2.800 bis 3.400 Euro im Monat und erwirtschaftet in der Saison 5.500 bis 7.000.

Mit zwei Leuten und einem zweiten Fahrzeug liegt der Umsatz bei 12.000 bis 20.000 Euro monatlich in der Saison. Ein Gartenpflegebetrieb dieser Größe ist in jeder mittleren Stadt der Normalfall.

Stufe drei: Technik und Nischen

Größere Maschinen öffnen größere Aufträge: Aufsitzmäher für Sportplätze und Firmengelände, Häcksler für Gehölzpflege, Hebebühne für Baumschnitt. Ein Aufsitzmäher kostet 6.000 bis 15.000 Euro und erledigt eine Fläche in einem Viertel der Zeit.

Dazu die Nischen: Baumpflege mit Sachkundenachweis, Rasenpflege für Sportanlagen, ökologische Gestaltung, Bewässerungstechnik. Alle vier zahlen deutlich über den Pflegesätzen.

Wie Winterdienst, Personal und Maschinen geplant und gerechnet werden, steht im erweiterten Buch Dein Erfolgsweg mit Gartenservice.

Was du wirklich brauchst

Rechtlich zwingend

  • Gewerbeanmeldung, 20 bis 60 Euro. Gartenpflege ist zulassungsfrei.
  • Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft binnen einer Woche
  • Sachkundenachweis Pflanzenschutz, sofern Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden
  • Bei Winterdienst: Klarheit über die Verkehrssicherungspflicht im Vertrag – wer räumt, haftet

Die Grenze zum Garten- und Landschaftsbau beachten: Mauern, Pflasterungen und Teichbau sind zulassungspflichtiges Handwerk. Pflege ist frei.

Praktisch nötig

  • Fahrzeug mit Anhänger und Hochplane für Grünschnitt: gebraucht ab 6.000 Euro
  • Rasenmäher, Freischneider, Heckenschere, Laubbläser – in gewerblicher Qualität: 1.500 bis 3.000 Euro
  • Handwerkzeug, Rechen, Schubkarre, Planen: 300 bis 500 Euro
  • Arbeitsschutz: Schnittschutzhose, Gehörschutz, Sicherheitsschuhe
  • Betriebshaftpflicht mit Einschluss von Tätigkeitsschäden – ein Stein aus dem Freischneider trifft schneller eine Scheibe, als man denkt

Persönlich hilfreich

Freude an körperlicher Arbeit im Freien, Zuverlässigkeit bei Terminen und ein Auge dafür, wann eine Fläche Pflege braucht. Botanisches Wissen kommt mit der ersten Saison.

Wofür der Beruf nicht taugt

Wer bei Regen und Kälte nicht arbeiten mag, hat in diesem Beruf schwierige Monate. Wer keinen Anhänger ziehen kann oder will, stößt beim Grünschnitt an Grenzen. Und wer ein gleichmäßiges Einkommen über zwölf Monate braucht, sollte den Winterdienst von Anfang an einplanen.

Häufige Fragen

Nein. Gartenpflege ist zulassungsfrei – Mähen, Schneiden, Beetpflege und Laubräumung darf jeder anbieten. Nur Garten- und Landschaftsbau mit Mauern, Pflasterungen und Teichbau ist zulassungspflichtiges Handwerk.
1.500 bis 4.000 Euro für Mäher, Freischneider, Heckenschere, Laubbläser und Handwerkzeug in gewerblicher Qualität. Dazu ein Fahrzeug mit Anhänger – gebraucht ab 6.000 Euro, anfangs auch mietbar.
30 bis 45 Euro je Stunde bei Privatgärten, 35 bis 55 Euro bei Wohnanlagen und Gewerbe. Ab dem dritten Jahr sind 5.000 bis 7.500 Euro Monatsumsatz in der Saison realistisch. Über zwölf Monate gemittelt bleiben 1.900 bis 2.300 Euro zum Leben – mit Winterdienst deutlich mehr.
Über das Google-Unternehmensprofil und Aushänge in Wohngebieten. Der stärkste Effekt kommt von selbst: Wer in einer Straße arbeitet, wird von der nächsten Einfahrt aus angesprochen. Für planbare Umsätze parallel Hausverwaltungen ansprechen und nach dem Zuständigen für Außenanlagen fragen.
Winterdienst, Laubräumung und Winterschnitt füllen die ruhigen Monate – und werden gut bezahlt, weil die Räum- und Streupflicht beim Eigentümer liegt. Wer das anbietet, hebt den Jahresumsatz um 30 bis 40 Prozent, mit denselben Kunden.
Ja, und es ist ein guter Einstieg. Gartenarbeit lässt sich auf Samstage und lange Sommerabende legen. Fünf Privatgärten im Turnus bringen bereits 600 bis 1.200 Euro im Monat.
Eine Betriebshaftpflicht mit Einschluss von Tätigkeitsschäden. Ein Stein aus dem Freischneider trifft schneller eine Fensterscheibe oder ein Auto, als man denkt. Wer Winterdienst übernimmt, sollte die Verkehrssicherungspflicht ausdrücklich mitversichern.

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