Ich bin seit 1991 selbstständig und verdiene nichts an Umschulungen. Das macht mich nicht klüger als die Anbieter, aber unabhängiger.

Was eine Umschulung ist, und was sie dauert

Eine Umschulung ist eine Ausbildung zu einem anerkannten Beruf, die du nach einer früheren Berufstätigkeit nachholst. Sie dauert in der Regel 24 Monate in Vollzeit, einschließlich eines Praktikums, das meist sechs bis neun Monate umfasst. In Teilzeit sind es oft rund 33 Monate. Beginnst du mit 50, bist du bei Abschluss Anfang oder Mitte 50 und startest in dem neuen Beruf meist mit Anfängergehalt. Bis zur Regelaltersgrenze von 67 bleiben dir dann rund 15 Berufsjahre.

Wer die Umschulung bezahlt

Die Kosten tragen häufig nicht du, sondern Arbeitsagentur, Jobcenter oder in bestimmten Fällen die Deutsche Rentenversicherung. Der Weg führt über den Bildungsgutschein. Typische Voraussetzungen: Du bist volljährig, hast eine abgeschlossene oder abgebrochene Erstausbildung oder mindestens drei Jahre Berufserfahrung, du bist arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht, und die Maßnahme verbessert deine berufliche Situation.

Wichtig: Der Bildungsgutschein ist eine Kann-Leistung, kein Rechtsanspruch. Die Arbeitsagentur oder das Jobcenter prüft im Einzelfall, ob die Umschulung nötig und aussichtsreich ist. In den genannten Voraussetzungen taucht kein Höchstalter auf, entschieden wird im Einzelfall. Gehe mit einem konkreten Berufswunsch und einer Begründung ins Gespräch, nicht mit einem vagen „irgendwas Neues". Zahlen und Regeln ändern sich, frag dort nach dem aktuellen Stand.

Zeit kostet die Umschulung dich auf jeden Fall, auch wenn jemand anderes zahlt. Zwei Jahre ohne vollen Verdienst sind eine echte Größe in der Lebensplanung.

Wann eine Umschulung sinnvoll ist

Wenn der Zielberuf einen Abschluss verlangt. Pflegefachkraft, Elektriker, Erzieher, Kfz-Mechatroniker und ähnliche Berufe darfst du ohne Abschluss nicht ausüben oder nur eingeschränkt. Hier gibt es keine Abkürzung.

Wenn in dem Beruf nachweislich Leute gesucht werden. Eine Umschulung für einen Beruf, in dem es kaum Stellen gibt, ist verschenkte Zeit. Pflege und Betreuung, Handwerk, Technik und Logistik sind Bereiche, in denen Betriebe seit Jahren Personal suchen. Prüf trotzdem für deine Region, ob das stimmt.

Wenn du ein festes Gehalt und Sozialversicherung brauchst. Wer eine Familie versorgt oder keine Rücklagen hat, verträgt das Risiko der Selbstständigkeit schlecht.

Wann sie es nicht ist

Wenn du die Tätigkeit auch ohne Abschluss ausüben könntest. Dienstleistungen wie Seniorenbegleitung, Computerservice, Einkaufsservice, Nähservice oder Zimmerpflanzenservice verlangen keinen Abschluss. Wer dafür zwei Jahre in eine Ausbildung steckt, zahlt mit Lebenszeit für etwas, das auch ohne Zeugnis geht.

Wenn du den Zielberuf körperlich nicht bis 67 durchhältst. Das ist die unbequemste Frage und die wichtigste. Pflege und Handwerk sind Bedarfsberufe, aber auch Berufe, die den Körper beanspruchen.

Wenn du die Umschulung nur beginnst, um dem Gefühl zu entkommen, etwas tun zu müssen. Das ist menschlich, aber keine gute Grundlage für zwei Jahre.

Die Entscheidungshilfe

FrageSpricht für UmschulungSpricht für Selbstständigkeit
Verlangt der Zielberuf einen Abschluss?JaNein
Brauchst du ein festes Einkommen?Ja, zwingendNur, wenn du 12 Monate überbrücken kannst
Kannst du Kunden gewinnen, ohne dich dafür zu verbiegen?Nein, ungernJa, oder du lernst es
Gibt es in deiner Region Nachfrage nach dem Beruf?Ja, belegt durch die ArbeitsagenturJa, du kennst potenzielle Kunden
Willst du Chef sein oder angestellt?AngestelltChef
Wie wichtig ist dir ein Gehalt, das jeden Monat gleich bleibt?SehrWeniger

Wenn deine Antworten in beiden Spalten liegen, ist das normal. Dann ist oft der nebenberufliche Start die beste Lösung: nebenberuflich starten.

Umschulung mit 50, aber was?

Das ist die Frage, die viele stellen, wenn sie schon beschlossen haben, dass etwas passieren muss, aber nicht wissen, wohin. Hier hilft keine Liste von Berufen mit Zukunft, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme:

  1. Was kannst du schon? Berufserfahrung ist Kapital. Ein Quereinstieg, der auf Bestehendes aufbaut, ist leichter als ein kompletter Neuanfang.
  2. Was hältst du körperlich bis 67 aus? Rechne ehrlich.
  3. Wo wird in deiner Region gesucht? Frag die Berufsberatung der Arbeitsagentur und schau auf Stellenportale, ob der Beruf dort vorkommt.
  4. Was würdest du auch an schlechten Tagen tun? Ein Beruf, den du nur an guten Tagen erträgst, hält nicht 15 Jahre.

Eine Übersicht über Berufe für Quereinsteiger findest du unter Quereinsteiger ab 50, für Frauen unter Berufe für Frauen ab 50.

Der Gegenentwurf: gleich selbstständig starten

Statt zwei Jahre zu lernen, fängst du sofort an. Das geht bei vielen Dienstleistungen ohne Abschluss. Du verdienst von Beginn an, zumindest ein bisschen, und lernst am Kunden. Dafür trägst du das Risiko allein und brauchst Rücklagen.

Krankenversicherung. Wer freiwillig gesetzlich versichert ist, zahlt 14,6 Prozent plus den Zusatzbeitrag der Kasse. Selbstständige können einen ermäßigten Satz von 14,0 Prozent wählen, dann entfällt der Anspruch auf Krankengeld. Für 2026 wird der Beitrag mindestens auf ein fiktives Einkommen von 1.318,33 Euro im Monat berechnet. Rechne als Untergrenze mit knapp 300 Euro im Monat einschließlich Pflegeversicherung, je nach Kasse. Das ist meine Überschlagsrechnung, nicht der Bescheid deiner Kasse.

Gründungszuschuss. Wer Arbeitslosengeld I bezieht, kann ihn beantragen. Er ist eine Ermessensleistung der Arbeitsagentur. Du brauchst beim Start mindestens 150 Tage Restanspruch, die Tätigkeit muss hauptberuflich sein, und eine Stelle muss die Tragfähigkeit bestätigen. Gezahlt werden zunächst sechs Monate lang das Arbeitslosengeld plus 300 Euro monatlich, danach können weitere neun Monate mit 300 Euro folgen. Der Antrag gehört in der Regel vor den Start. Stand: Oktober 2026.

Coaching. Zur Gründung aus der Arbeitslosigkeit gibt es bei der Arbeitsagentur in der Regel auch Unterstützung über einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS). Frag danach, bevor du Geld für ein Coaching ausgibst.

Wenn du beide Wege prüfst, frag bei der Arbeitsagentur nach beiden: nach dem Bildungsgutschein und nach der Gründungsförderung.

TK

Tomas Kayser

Selbstständig seit 1991, Autor der NEUSTART-Serie. Die Frage "Umschulung oder Selbstständigkeit" habe ich öfter beantwortet als mir lieb ist – meist läuft es auf eine ehrliche Antwort hinaus, keine bequeme. Alle 24 Berufe ansehen →

Häufige Fragen

Ist eine Umschulung mit 50 sinnvoll?

Wenn der Zielberuf einen Abschluss verlangt, du ihn körperlich bis 67 durchhältst und es in deiner Region Stellen gibt: ja. Wenn du für deine Tätigkeit keinen Abschluss brauchst, solltest du die Selbstständigkeit durchrechnen, bevor du zwei Jahre investierst.

Wer bezahlt eine Umschulung mit 50?

Häufig die Arbeitsagentur oder das Jobcenter über einen Bildungsgutschein, in bestimmten Fällen die Deutsche Rentenversicherung. Es ist eine Kann-Leistung ohne Rechtsanspruch, entschieden wird im Einzelfall.

Wie lange dauert eine Umschulung?

In der Regel 24 Monate in Vollzeit, einschließlich Praktikum, oder rund 33 Monate in Teilzeit.

Gibt es ein Höchstalter für eine Umschulung?

In den üblichen Voraussetzungen für den Bildungsgutschein taucht kein Höchstalter auf. Die Entscheidung fällt im Einzelfall und hängt davon ab, ob die Maßnahme aussichtsreich ist. Frag bei deiner Arbeitsagentur nach.

Umschulung oder selbstständig: was ist besser?

Das hängt vom Ziel ab. Verlangt der Beruf einen Abschluss, bleibt die Umschulung. Brauchst du keinen, ist die Selbstständigkeit oft schneller und günstiger, setzt aber Rücklagen und Kundengewinnung voraus. Wer unsicher ist, startet nebenberuflich.

Der nächste Schritt

Schreib dir die vier Fragen aus „Umschulung mit 50, aber was?" auf und beantworte sie ehrlich. Dann geh zur Berufsberatung, mit einem konkreten Vorhaben.