Berufsbild · Band 20 von 24

Selbstständig als
Computerhilfe

Computerhilfe ohne Ausbildung – geht das?

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Der Beruf im Überblick

Ja. IT-Hilfe für Privatkunden und kleine Betriebe ist ein freies Gewerbe. Kein Meisterbrief, kein Studium, keine Zertifizierung. Wer Rechner einrichtet, Drucker zum Laufen bringt und Netzwerke verkabelt, braucht dafür keine Erlaubnis.

Startkapital: 800 bis 2.000 Euro. Werkzeug, Software, ein Fahrzeug für Hausbesuche – mehr nicht.

Warum die Nachfrage nicht abreißt

Technik wird nicht einfacher, und die Zahl derer, die damit überfordert sind, wächst. Ältere Menschen mit neuem Tablet. Handwerksbetriebe, deren Rechner streikt und deren Angebote nicht rausgehen. Praxen mit Druckerproblemen am Montagmorgen.

Diese Kunden brauchen keinen Systemadministrator. Sie brauchen jemanden, der kommt, es repariert und in normaler Sprache erklärt, was los war. Genau dafür gibt es kaum Anbieter – die großen sind zu teuer, die Verwandten haben keine Zeit.

Der Beruf mit der besten Vereinbarkeit

Vieles lässt sich per Fernwartung erledigen: Der Kunde ruft an, du schaltest dich auf seinen Rechner, in zwanzig Minuten ist es erledigt. Das geht von überall, zu jeder Zeit, ohne Anfahrt – und wird trotzdem voll bezahlt.

Der verbreitetste Irrtum

Viele glauben, sie wüssten zu wenig. Für die allermeisten Aufträge reicht solides Alltagswissen: Windows neu aufsetzen, Daten sichern, Drucker einrichten, WLAN stabilisieren, Viren entfernen, E-Mail konfigurieren. Wer das kann und geduldig erklärt, hat mehr Kunden, als er schafft.

Wie der Arbeitstag aussieht

Der Tag besteht aus Einsätzen von einer bis drei Stunden, meist beim Kunden zu Hause oder im Betrieb. Zwei bis fünf Termine am Tag sind normal, dazwischen die Fahrten.

Ein typischer Ablauf: Anruf am Morgen, Termin am Nachmittag, Problem gelöst, Rechnung geschrieben. Kurze Zyklen, schnelle Zahlung – das ist angenehm und selten in dieser Reihe.

Fernwartung verändert alles

Ein wachsender Teil der Arbeit läuft über den Bildschirm. Kein Weg, keine Wartezeit, keine Parkplatzsuche. Wer die Hälfte seiner Aufträge fern erledigt, schafft in derselben Zeit doppelt so viele – und kann von überall arbeiten.

Was die Zeit frisst

Das Reden. Kunden erzählen ihr Problem ausführlich, oft mit Vorgeschichte. Das gehört dazu und ist Teil der Leistung – aber es gehört in die Kalkulation. Wer nach Aufwand abrechnet statt nach Pauschale, verdient daran mit.

Saison

Praktisch keine. Leichte Spitzen nach Weihnachten, wenn neue Geräte eingerichtet werden wollen, und im Januar, wenn Betriebe ihre Technik erneuern. Sonst gleichmäßig über zwölf Monate.

Körperlich

Der leichteste der Reihe neben der Seniorenbegleitung. Sitzen, gelegentlich Kabel verlegen, ab und zu einen Rechner tragen. Für viele ist genau das der Grund – dieser Beruf funktioniert auch mit körperlichen Einschränkungen.

Wer dich beauftragt

Privatkunden, überwiegend ältere

Die Hauptgruppe. Neues Gerät einrichten, Daten übertragen, Drucker anschließen, E-Mail wieder zum Laufen bringen. Sie zahlen 50 bis 80 Euro je Stunde, sind dankbar und empfehlen intensiv weiter.

Gefunden werden sie über das Google-Unternehmensprofil, Aushänge, Anzeigen in Wochenblättern – und über die Empfehlung derer, denen man geholfen hat. In dieser Gruppe wirkt Mundpropaganda stärker als in jeder anderen.

Kleine Betriebe ohne eigene IT

Die wirtschaftlich interessantere Gruppe. Handwerker, Praxen, Kanzleien, Steuerbüros, Vereine. Fünf bis fünfzehn Arbeitsplätze, keine eigene IT-Kraft, ein Rechner, der ausfällt, kostet sie den Tag.

Sie zahlen 65 bis 110 Euro je Stunde und – das ist der Punkt – sie schließen Wartungsverträge. 150 bis 600 Euro monatlich für Betreuung, Datensicherung und garantierte Reaktionszeit. Zehn solcher Verträge sind eine Existenz, bevor eine einzige Störung eintritt.

Gewonnen werden sie durch Ansprache: Betriebe im Umkreis anrufen, nach dem Zuständigen fragen, ein kostenloses Erstgespräch anbieten.

Homeoffice und Selbstständige

Wachsende Gruppe. Einrichtung, Datensicherung, sichere Verbindung ins Firmennetz.

Was den Zuschlag bringt

Erreichbarkeit und verständliche Sprache. Wer ohne Fachbegriffe erklärt, was er tut, wird wieder gerufen.

Der erste Auftrag kommt bei sichtbarem Angebot meist innerhalb von ein bis zwei Wochen.

Was sich verdienen lässt

Abgerechnet wird nach Stunde, als Pauschale je Leistung oder als Monatsvertrag. Der Monatsvertrag ist das Ziel.

  • Privatkunden vor Ort: 50 bis 80 Euro je Stunde
  • Gewerbekunden vor Ort: 65 bis 110 Euro je Stunde
  • Fernwartung: 45 bis 90 Euro je Stunde, ohne Anfahrt
  • Neuinstallation als Pauschale: 120 bis 250 Euro
  • Wartungsvertrag: 150 bis 600 Euro monatlich je Betrieb

Abrechenbare Stunden

90 bis 120 im Monat bei Vollzeit. Fahrten und Beratung ohne Auftrag drücken den Wert – genau deshalb ist der Fernwartungsanteil so wichtig.

Monatsumsatz nach Jahren

  • Erstes Jahr: 1.500 bis 3.000 Euro
  • Zweites Jahr: 3.000 bis 5.000 Euro
  • Ab dem dritten Jahr: 5.000 bis 8.000 Euro mit mehreren Wartungsverträgen

Was abgeht

  • Fahrzeug: 300 bis 600 Euro monatlich
  • Software, Fernwartungslizenzen, Sicherungslösungen: 80 bis 200 Euro monatlich
  • Werkzeug, Ersatzteile, Testgeräte: 60 bis 150 Euro monatlich
  • Versicherung, Fortbildung, Buchhaltung: 120 bis 250 Euro monatlich

Was allein zum Leben bleibt

Bei 6.000 Euro Umsatz bleiben rund 4.800 Euro Gewinn vor Steuern. Nach Einkommensteuer, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Altersvorsorge sind es 2.600 bis 3.000 Euro im Monat.

Das ist einer der besten Werte der Reihe – bei einem Beruf, der körperlich nicht belastet und ganzjährig läuft.

Woran sich sofort etwas drehen lässt

Wartungsverträge statt Einzeleinsätze. Sie bringen Geld, bevor etwas kaputtgeht, und machen die Auslastung planbar. Zweitens der Fernwartungsanteil: Jede Stunde ohne Anfahrt ist eine gewonnene Stunde.

Wie Wartungsverträge kalkuliert und Geschäftskunden gewonnen werden, zeigt der Quick Guide Selbstständig mit Computerhilfe.

Was daraus werden kann

Die 2.600 bis 3.000 Euro aus der letzten Rechnung gelten für einen, der jeden Einsatz selbst fährt. Der Beruf hat drei Wege nach oben, und der erste löst die Bindung an die eigene Anwesenheit.

Stufe eins: vom Einsatz zum Vertrag

Ein Wartungsvertrag über 400 Euro monatlich bringt 4.800 Euro im Jahr – unabhängig davon, ob etwas kaputtgeht. Zwölf Betriebe im Vertrag ergeben 4.800 Euro monatlich als Grundlast, bevor ein einziger Einsatz abgerechnet wird.

Und die Kunden bleiben: Wer die Technik eines Betriebs kennt, wird nicht gewechselt.

Stufe zwei: Zusatzgeschäft mit Hardware

Wer Betriebe betreut, verkauft ihnen auch die Geräte. Rechner, Drucker, Netzwerktechnik, Software-Lizenzen. Die Handelsspanne liegt bei 10 bis 25 Prozent – bei einer Ausstattung für zehn Arbeitsplätze sind das 1.500 bis 4.000 Euro nebenbei.

Dazu die wiederkehrenden Erlöse: Cloud-Speicher, Datensicherung, Virenschutz im Abonnement. Beides zusammen verdoppelt häufig den Vertragsumsatz.

Stufe drei: Spezialisierung oder Team

Zwei Richtungen. Entweder eine Branche besetzen – Arztpraxen mit ihren Anforderungen an Datenschutz, Steuerkanzleien, Handwerksbetriebe mit Branchensoftware. Dort zahlt Fachkenntnis das Doppelte.

Oder ein zweiter Techniker. Er übernimmt die Standardeinsätze, du die Verträge und die anspruchsvollen Fälle. Ein IT-Dienstleister mit zwei Technikern und zwanzig Verträgen kommt auf 15.000 bis 25.000 Euro Monatsumsatz.

Wie Wartungsverträge, Handel und Spezialisierung aufgebaut werden, steht im erweiterten Buch Dein Erfolgsweg mit Computerhilfe.

Was du wirklich brauchst

Rechtlich zwingend

  • Gewerbeanmeldung, 20 bis 60 Euro. IT-Dienstleistung ist ein freies Gewerbe.
  • Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft
  • Auftragsverarbeitungsvertrag mit jedem Geschäftskunden, dessen Daten du berührst
  • Klare Regelung zur Datensicherung im Vertrag – wer Daten anfasst, haftet für ihren Verlust

Bei überwiegend beratender und konzeptioneller Tätigkeit kann eine Einstufung als freiberuflich in Betracht kommen. Das lohnt die Nachfrage beim Finanzamt, ist aber an ein vergleichbares Qualifikationsniveau geknüpft.

Praktisch nötig

  • Zuverlässiger Laptop mit Diagnosewerkzeugen: 800 bis 1.500 Euro
  • Werkzeug, Adapter, Kabel, Testgeräte: 200 bis 400 Euro
  • Externe Datenträger für Sicherungen: 150 bis 400 Euro
  • Fernwartungssoftware im Abo: 30 bis 90 Euro monatlich
  • Fahrzeug für Hausbesuche
  • Vermögensschadenhaftpflicht – der wahrscheinlichste Schaden ist verlorener Datenbestand, nicht ein kaputtes Gerät

Persönlich hilfreich

Geduld und die Fähigkeit, ohne Fachbegriffe zu erklären. Wer einem Achtzigjährigen ruhig zeigt, wie eine E-Mail geht, hat einen Kunden für Jahre. Wer die Augen verdreht, hat einen Termin.

Wofür der Beruf nicht taugt

Wer schnell ungeduldig wird, ist falsch – ein großer Teil der Arbeit ist Erklären. Wer sich nicht laufend fortbildet, verliert nach drei Jahren den Anschluss. Und wer keine Verantwortung für fremde Daten tragen will, sollte einen anderen der 24 Wege prüfen.

Häufige Fragen

Nein. IT-Dienstleistung ist ein freies Gewerbe ohne Meisterpflicht und ohne vorgeschriebene Zertifizierung. Für die allermeisten Aufträge reicht solides Alltagswissen: Windows aufsetzen, Daten sichern, Drucker einrichten, WLAN stabilisieren.
800 bis 2.000 Euro. Laptop mit Diagnosewerkzeugen, Werkzeug und Adapter, externe Datenträger für Sicherungen, dazu Fernwartungssoftware im Abo für 30 bis 90 Euro monatlich.
50 bis 80 Euro je Stunde bei Privatkunden, 65 bis 110 Euro bei Betrieben. Ein Wartungsvertrag bringt 150 bis 600 Euro monatlich. Ab dem dritten Jahr sind 5.000 bis 8.000 Euro Monatsumsatz realistisch, davon bleiben 2.600 bis 3.000 Euro zum Leben.
Über das Google-Unternehmensprofil und Anzeigen in Wochenblättern – die private Zielgruppe ist oft älter und liest dort noch. Für die lukrativeren Geschäftskunden Betriebe im Umkreis anrufen: Handwerker, Praxen, Kanzleien und Vereine haben Technik und keinen, der sich kümmert.
Ja, und der Beruf eignet sich dafür besonders. Privatkunden haben abends und samstags Zeit, Fernwartung geht ohnehin von überall. Zwei Einsätze pro Woche bringen bereits 500 bis 900 Euro im Monat.
Eine Vermögensschadenhaftpflicht. Der wahrscheinlichste Schaden ist nicht ein kaputtes Gerät, sondern ein verlorener Datenbestand – und dafür kommt keine normale Betriebshaftpflicht auf. Bei Geschäftskunden wird sie ohnehin regelmäßig verlangt.
Ja, und der Beruf eignet sich dafür besonders. Privatkunden haben abends und samstags Zeit, Fernwartung geht ohnehin von überall. Zwei Einsätze pro Woche bringen bereits 500 bis 900 Euro im Monat.

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