Computerhilfe ohne Ausbildung – geht das?
Ja. IT-Hilfe für Privatkunden und kleine Betriebe ist ein freies Gewerbe. Kein Meisterbrief, kein Studium, keine Zertifizierung. Wer Rechner einrichtet, Drucker zum Laufen bringt und Netzwerke verkabelt, braucht dafür keine Erlaubnis.
Startkapital: 800 bis 2.000 Euro. Werkzeug, Software, ein Fahrzeug für Hausbesuche – mehr nicht.
Technik wird nicht einfacher, und die Zahl derer, die damit überfordert sind, wächst. Ältere Menschen mit neuem Tablet. Handwerksbetriebe, deren Rechner streikt und deren Angebote nicht rausgehen. Praxen mit Druckerproblemen am Montagmorgen.
Diese Kunden brauchen keinen Systemadministrator. Sie brauchen jemanden, der kommt, es repariert und in normaler Sprache erklärt, was los war. Genau dafür gibt es kaum Anbieter – die großen sind zu teuer, die Verwandten haben keine Zeit.
Vieles lässt sich per Fernwartung erledigen: Der Kunde ruft an, du schaltest dich auf seinen Rechner, in zwanzig Minuten ist es erledigt. Das geht von überall, zu jeder Zeit, ohne Anfahrt – und wird trotzdem voll bezahlt.
Viele glauben, sie wüssten zu wenig. Für die allermeisten Aufträge reicht solides Alltagswissen: Windows neu aufsetzen, Daten sichern, Drucker einrichten, WLAN stabilisieren, Viren entfernen, E-Mail konfigurieren. Wer das kann und geduldig erklärt, hat mehr Kunden, als er schafft.
Der Tag besteht aus Einsätzen von einer bis drei Stunden, meist beim Kunden zu Hause oder im Betrieb. Zwei bis fünf Termine am Tag sind normal, dazwischen die Fahrten.
Ein typischer Ablauf: Anruf am Morgen, Termin am Nachmittag, Problem gelöst, Rechnung geschrieben. Kurze Zyklen, schnelle Zahlung – das ist angenehm und selten in dieser Reihe.
Ein wachsender Teil der Arbeit läuft über den Bildschirm. Kein Weg, keine Wartezeit, keine Parkplatzsuche. Wer die Hälfte seiner Aufträge fern erledigt, schafft in derselben Zeit doppelt so viele – und kann von überall arbeiten.
Das Reden. Kunden erzählen ihr Problem ausführlich, oft mit Vorgeschichte. Das gehört dazu und ist Teil der Leistung – aber es gehört in die Kalkulation. Wer nach Aufwand abrechnet statt nach Pauschale, verdient daran mit.
Praktisch keine. Leichte Spitzen nach Weihnachten, wenn neue Geräte eingerichtet werden wollen, und im Januar, wenn Betriebe ihre Technik erneuern. Sonst gleichmäßig über zwölf Monate.
Der leichteste der Reihe neben der Seniorenbegleitung. Sitzen, gelegentlich Kabel verlegen, ab und zu einen Rechner tragen. Für viele ist genau das der Grund – dieser Beruf funktioniert auch mit körperlichen Einschränkungen.
Die Hauptgruppe. Neues Gerät einrichten, Daten übertragen, Drucker anschließen, E-Mail wieder zum Laufen bringen. Sie zahlen 50 bis 80 Euro je Stunde, sind dankbar und empfehlen intensiv weiter.
Gefunden werden sie über das Google-Unternehmensprofil, Aushänge, Anzeigen in Wochenblättern – und über die Empfehlung derer, denen man geholfen hat. In dieser Gruppe wirkt Mundpropaganda stärker als in jeder anderen.
Die wirtschaftlich interessantere Gruppe. Handwerker, Praxen, Kanzleien, Steuerbüros, Vereine. Fünf bis fünfzehn Arbeitsplätze, keine eigene IT-Kraft, ein Rechner, der ausfällt, kostet sie den Tag.
Sie zahlen 65 bis 110 Euro je Stunde und – das ist der Punkt – sie schließen Wartungsverträge. 150 bis 600 Euro monatlich für Betreuung, Datensicherung und garantierte Reaktionszeit. Zehn solcher Verträge sind eine Existenz, bevor eine einzige Störung eintritt.
Gewonnen werden sie durch Ansprache: Betriebe im Umkreis anrufen, nach dem Zuständigen fragen, ein kostenloses Erstgespräch anbieten.
Wachsende Gruppe. Einrichtung, Datensicherung, sichere Verbindung ins Firmennetz.
Erreichbarkeit und verständliche Sprache. Wer ohne Fachbegriffe erklärt, was er tut, wird wieder gerufen.
Der erste Auftrag kommt bei sichtbarem Angebot meist innerhalb von ein bis zwei Wochen.
Abgerechnet wird nach Stunde, als Pauschale je Leistung oder als Monatsvertrag. Der Monatsvertrag ist das Ziel.
90 bis 120 im Monat bei Vollzeit. Fahrten und Beratung ohne Auftrag drücken den Wert – genau deshalb ist der Fernwartungsanteil so wichtig.
Bei 6.000 Euro Umsatz bleiben rund 4.800 Euro Gewinn vor Steuern. Nach Einkommensteuer, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Altersvorsorge sind es 2.600 bis 3.000 Euro im Monat.
Das ist einer der besten Werte der Reihe – bei einem Beruf, der körperlich nicht belastet und ganzjährig läuft.
Wartungsverträge statt Einzeleinsätze. Sie bringen Geld, bevor etwas kaputtgeht, und machen die Auslastung planbar. Zweitens der Fernwartungsanteil: Jede Stunde ohne Anfahrt ist eine gewonnene Stunde.
Wie Wartungsverträge kalkuliert und Geschäftskunden gewonnen werden, zeigt der Quick Guide Selbstständig mit Computerhilfe.
Die 2.600 bis 3.000 Euro aus der letzten Rechnung gelten für einen, der jeden Einsatz selbst fährt. Der Beruf hat drei Wege nach oben, und der erste löst die Bindung an die eigene Anwesenheit.
Ein Wartungsvertrag über 400 Euro monatlich bringt 4.800 Euro im Jahr – unabhängig davon, ob etwas kaputtgeht. Zwölf Betriebe im Vertrag ergeben 4.800 Euro monatlich als Grundlast, bevor ein einziger Einsatz abgerechnet wird.
Und die Kunden bleiben: Wer die Technik eines Betriebs kennt, wird nicht gewechselt.
Wer Betriebe betreut, verkauft ihnen auch die Geräte. Rechner, Drucker, Netzwerktechnik, Software-Lizenzen. Die Handelsspanne liegt bei 10 bis 25 Prozent – bei einer Ausstattung für zehn Arbeitsplätze sind das 1.500 bis 4.000 Euro nebenbei.
Dazu die wiederkehrenden Erlöse: Cloud-Speicher, Datensicherung, Virenschutz im Abonnement. Beides zusammen verdoppelt häufig den Vertragsumsatz.
Zwei Richtungen. Entweder eine Branche besetzen – Arztpraxen mit ihren Anforderungen an Datenschutz, Steuerkanzleien, Handwerksbetriebe mit Branchensoftware. Dort zahlt Fachkenntnis das Doppelte.
Oder ein zweiter Techniker. Er übernimmt die Standardeinsätze, du die Verträge und die anspruchsvollen Fälle. Ein IT-Dienstleister mit zwei Technikern und zwanzig Verträgen kommt auf 15.000 bis 25.000 Euro Monatsumsatz.
Wie Wartungsverträge, Handel und Spezialisierung aufgebaut werden, steht im erweiterten Buch Dein Erfolgsweg mit Computerhilfe.
Bei überwiegend beratender und konzeptioneller Tätigkeit kann eine Einstufung als freiberuflich in Betracht kommen. Das lohnt die Nachfrage beim Finanzamt, ist aber an ein vergleichbares Qualifikationsniveau geknüpft.
Geduld und die Fähigkeit, ohne Fachbegriffe zu erklären. Wer einem Achtzigjährigen ruhig zeigt, wie eine E-Mail geht, hat einen Kunden für Jahre. Wer die Augen verdreht, hat einen Termin.
Wer schnell ungeduldig wird, ist falsch – ein großer Teil der Arbeit ist Erklären. Wer sich nicht laufend fortbildet, verliert nach drei Jahren den Anschluss. Und wer keine Verantwortung für fremde Daten tragen will, sollte einen anderen der 24 Wege prüfen.