Berufsbild · Band 17 von 24

Selbstständig als
Fensterputzer

Fensterputzer ohne Ausbildung – geht das?

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Der Beruf im Überblick

Ja. Glas- und Fassadenreinigung gehört zur Gebäudereinigung und ist zulassungsfrei. Kein Meisterbrief, keine Ausbildung, keine Prüfung. Gewerbe anmelden, und du kannst am selben Tag den ersten Auftrag ausführen.

Startkapital: 600 bis 1.500 Euro. Wischer, Einwascher, Teleskopstange, Eimer, Leiter, Mikrofasertücher – mehr braucht es nicht, um professionell zu arbeiten.

Warum dieser Beruf so verlässlich läuft

Fenster werden schmutzig, unabhängig von Konjunktur, Wetterlage oder Jahreszeit. Ein Ladenlokal braucht es alle zwei Wochen, eine Praxis monatlich, ein Bürogebäude vierteljährlich. Wer einmal auf der Liste steht, bleibt darauf.

Daraus ergibt sich der eigentliche Vorteil: Der Beruf lebt von wiederkehrenden Terminen. Zwanzig Gewerbekunden im festen Turnus füllen einen Kalender vollständig – und die Akquise ist danach beendet.

Der Vorteil, den kaum jemand nutzt

Es gibt wenige, die es professionell machen, und viele, die es brauchen. Wer mit ordentlichem Werkzeug arbeitet statt mit Haushaltsmitteln, ist doppelt so schnell und liefert ein besseres Ergebnis. Der Unterschied zwischen einem Fenster in acht Minuten und einem in drei liegt nicht im Fleiß, sondern im Wischer.

Der verbreitetste Irrtum

Viele halten das für einen Nebenjob. Tatsächlich verdient ein eingearbeiteter Glasreiniger mehr je Stunde als in fast jedem anderen der 24 Berufe – weil die Arbeit sich mit Übung dramatisch beschleunigt, der Preis aber bleibt.

Wie der Arbeitstag aussieht

Der Tag beginnt zwischen sieben und acht. Ladenlokale wollen vor Öffnung sauber sein, Büros vor Arbeitsbeginn oder nach Feierabend. Privathaushalte gehen tagsüber.

Drei bis sechs Objekte am Tag sind normal. Ein Ladenlokal dauert 20 bis 45 Minuten, ein Einfamilienhaus zwei bis vier Stunden, ein Bürogeschoss einen halben Tag.

Der Rhythmus wird zur Routine

Nach wenigen Wochen kennt man jedes Objekt: welche Fenster kippen, wo die Leiter steht, wo der Wasseranschluss ist. Genau das macht den Beruf schnell – und lukrativ, weil der Preis der Erstkalkulation folgt und nicht der späteren Geschwindigkeit.

Was die Zeit frisst

Fahrten und Aufbau. Wer Objekte in derselben Straße oder demselben Viertel bündelt, schafft in derselben Zeit ein Drittel mehr. Deshalb lohnt es, ein enges Gebiet zu besetzen statt weite Wege zu fahren.

Saison

Ausgeglichener als erwartet. Frühjahr und Herbst sind die Spitzen, der Sommer läuft gleichmäßig. Im Winter geht es weiter – nur bei Frost pausiert die Außenreinigung, und dann verlagert man auf Innenflächen, Wintergärten und Ladengeschäfte.

Körperlich

Stehen, Armarbeit über Kopf, Leitern. Anstrengend für Schultern, deutlich weniger für den Rücken als bei Umzug oder Entrümpelung. Mit Teleskopstangen und Reinstwassertechnik entfällt ein großer Teil des Leiterngehens ganz.

Wer dich beauftragt

Ladenlokale und Gastronomie

Der beste Einstieg überhaupt. Sie brauchen es alle ein bis zwei Wochen, entscheiden auf Zuruf und zahlen sofort. Ein Schaufenster kostet 15 bis 40 Euro je Termin – klingt wenig, ist aber in zwanzig Minuten erledigt.

Der Weg dorthin ist der direkteste unter allen 24 Berufen: eine Einkaufsstraße abgehen und fragen. Von zwanzig Geschäften sagen zwei bis vier zu, und zwar sofort.

Büros, Praxen, Kanzleien

Die planbarere Gruppe. Monatlicher oder vierteljährlicher Turnus, 35 bis 55 Euro je Stunde, Abrechnung per Rechnung. Wer einmal drin ist, bleibt Jahre.

Hausverwaltungen

Treppenhausfenster, Hauseingänge, Wintergärten in Wohnanlagen. Feste Verträge, mehrere Objekte beim selben Ansprechpartner, planbar über Jahre.

Privathaushalte

Zwei- bis viermal im Jahr, 30 bis 45 Euro je Stunde. Gut zum Auffüllen, empfehlungsstark in Wohngebieten – wer bei einem Haus arbeitet, wird von den Nachbarn gesehen.

Was den Zuschlag bringt

Erscheinen und fragen. Dieser Beruf ist der einzige der 24, in dem persönliche Ansprache vor Ort verlässlicher funktioniert als jede Werbung.

Der erste Auftrag kommt oft am ersten Tag der Akquise.

Was sich verdienen lässt

Abgerechnet wird je Stunde, je Fenster oder als Objektpauschale. Die Pauschale ist die beste Wahl – mit Übung wird man doppelt so schnell, und beim Stundensatz verdient man dadurch nichts dazu.

  • Privathaushalt: 30 bis 45 Euro je Stunde
  • Gewerbe, Büro, Praxis: 35 bis 55 Euro je Stunde
  • Schaufenster im Turnus: 15 bis 40 Euro je Termin
  • Rahmen und Rollladenkästen: Aufschlag von 30 bis 50 Prozent
  • Bauendreinigung Glas: 45 bis 70 Euro je Stunde

Abrechenbare Stunden

120 bis 140 Stunden im Monat bei Vollzeit – einer der höchsten Werte der Reihe, weil die Aufträge sich wiederholen und kaum Angebotsarbeit anfällt.

Monatsumsatz nach Jahren

  • Erstes Jahr: 1.800 bis 3.000 Euro
  • Zweites Jahr: 3.200 bis 4.500 Euro
  • Ab dem dritten Jahr: 4.500 bis 6.500 Euro mit festem Turnusbestand

Was abgeht

  • Fahrzeug: 300 bis 600 Euro monatlich
  • Werkzeugersatz, Gummis, Tücher, Mittel: 80 bis 180 Euro monatlich
  • Versicherung, Berufsgenossenschaft, Buchhaltung: 100 bis 200 Euro monatlich

Nach Kosten bleiben 75 bis 82 Prozent des Umsatzes – der höchste Wert unter den handwerksnahen Berufen der Reihe.

Was allein zum Leben bleibt

Bei 5.000 Euro Umsatz bleiben rund 3.900 Euro Gewinn vor Steuern. Nach Einkommensteuer, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Altersvorsorge sind es 2.200 bis 2.500 Euro im Monat.

Das gilt für den, der jedes Fenster selbst putzt – und es ist einer der besten Werte der Reihe.

Woran sich sofort etwas drehen lässt

Objektpauschale statt Stundenlohn. Wer nach einem Jahr doppelt so schnell arbeitet, verdoppelt damit seinen Stundenertrag. Zweitens die Bündelung: fünf Ladenlokale in einer Straße an einem Vormittag statt fünf über die Stadt verteilt.

Wie Objektpreise kalkuliert und die ersten Turnuskunden gewonnen werden, zeigt der Quick Guide Selbstständig als Fensterputzer.

Was daraus werden kann

Die 2.200 bis 2.500 Euro aus der letzten Rechnung gelten für einen, der allein arbeitet und mit Wischer und Leiter unterwegs ist. Von hier aus führen drei Wege nach oben – und alle drei sind in diesem Beruf besonders gut gangbar, weil die Arbeit sich leicht anlernen lässt.

Stufe eins: Technik, die alles verändert

Reinstwassertechnik mit Teleskopstange reinigt bis in den vierten Stock vom Boden aus, ohne Leiter, ohne Nachwischen. Eine Anlage kostet 2.500 bis 6.000 Euro und halbiert die Zeit je Objekt.

Damit werden Aufträge möglich, die vorher ausgeschlossen waren: mehrgeschossige Gebäude, Wintergärten, Glasfassaden. Und sie werden deutlich besser bezahlt, weil kaum jemand sie anbietet.

Stufe zwei: der erste Mitarbeiter

Fensterreinigung lässt sich in zwei Wochen anlernen. Eine Kraft kostet mit Nebenkosten 2.600 bis 3.200 Euro im Monat und erwirtschaftet 5.000 bis 6.500 – bei einem Beruf mit über 75 Prozent Rohertrag ist das eine der schnellsten Rechnungen der ganzen Reihe.

Mit zwei bis drei Leuten liegt der Umsatz bei 14.000 bis 22.000 Euro monatlich.

Stufe drei: die Nischen

Bauendreinigung nach Neubauten, Solaranlagenreinigung, Photovoltaik-Wartung, Glasdächer und Wintergärten, Fassadenreinigung mit Hebebühne. Alle mit deutlich höheren Sätzen und dünnem Wettbewerb, weil sie Gerät und Zutrauen verlangen.

Besonders die Reinigung von Solaranlagen wächst schnell – und wer schon Reinstwassertechnik hat, braucht dafür kaum zusätzliche Ausrüstung.

Wie Technik, Personal und Nischen geplant und gerechnet werden, steht im erweiterten Buch Dein Erfolgsweg als Fensterputzer.

Was du wirklich brauchst

Rechtlich zwingend

  • Gewerbeanmeldung, 20 bis 60 Euro. Glasreinigung gehört zur zulassungsfreien Gebäudereinigung – Eintragung in die Handwerksrolle ohne Meisterbrief.
  • Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft binnen einer Woche
  • Bei Arbeiten in Höhe: Unterweisung nach den Vorschriften für Leitern und Absturzsicherung
  • Branchenmindestlohn für Gebäudereinigung bei Personal

Praktisch nötig

  • Profiwischer in drei Breiten, Einwascher, Ersatzgummis: 150 bis 300 Euro
  • Teleskopstange, Eimer, Mikrofasertücher, Abzieher: 150 bis 350 Euro
  • Stehleiter und Anlegeleiter mit Prüfzeichen: 200 bis 500 Euro
  • Fahrzeug, anfangs auch ein Kombi
  • Betriebshaftpflicht mit Einschluss von Tätigkeitsschäden – Glasbruch ist der häufigste Schadensfall

Reinstwassertechnik lohnt ab etwa zwanzig Objekten im Turnus, nicht vorher.

Persönlich hilfreich

Schwindelfreiheit, Ausdauer in den Schultern und Gründlichkeit im Detail – Schlieren sieht jeder Kunde sofort. Wer sauber arbeitet, muss nie über den Preis reden.

Wofür der Beruf nicht taugt

Wer höhenängstlich ist, bleibt auf Erdgeschossaufträge beschränkt – das geht, begrenzt aber den Markt. Wer Schulterprobleme hat, sollte früh auf Teleskoptechnik setzen. Und bei anhaltendem Frost steht die Außenreinigung still.

Häufige Fragen

Nein. Glas- und Fassadenreinigung gehört zur Gebäudereinigung und ist zulassungsfrei – ein Meisterbrief ist nicht nötig. Du meldest ein Gewerbe an, lässt dich in die Handwerksrolle eintragen und kannst sofort anfangen.
600 bis 1.500 Euro. Profiwischer, Einwascher, Teleskopstange, Eimer, Tücher und eine geprüfte Leiter. Reinstwassertechnik lohnt erst ab etwa zwanzig Objekten im Turnus.
30 bis 45 Euro je Stunde bei Privathaushalten, 35 bis 55 Euro bei Gewerbe. Ab dem dritten Jahr sind 4.500 bis 6.500 Euro Monatsumsatz realistisch. Weil die Kosten niedrig sind, bleiben davon 2.200 bis 2.500 Euro zum Leben – einer der besten Werte der Reihe.
Eine Einkaufsstraße abgehen und fragen. Von zwanzig Ladenlokalen sagen zwei bis vier sofort zu. Das ist der direkteste Weg unter allen 24 Berufen – persönliche Ansprache funktioniert hier besser als jede Werbung. Parallel Büros, Praxen und Hausverwaltungen für den festen Turnus ansprechen.
Ja. Privathaushalte gehen samstags, Ladenlokale früh morgens vor Öffnung. Zehn Schaufenster im Zweiwochenturnus bringen bereits 600 bis 1.400 Euro im Monat.
Eine Betriebshaftpflicht mit ausdrücklichem Einschluss von Tätigkeitsschäden. Glasbruch ist der häufigste Schadensfall dieses Berufs – und ohne diesen Einschluss zahlt niemand für die Scheibe, an der gerade gearbeitet wurde.
Die Außenreinigung pausiert nur bei anhaltendem Frost. Dann verlagert sich die Arbeit auf Innenflächen, Wintergärten und Ladengeschäfte – die brauchen ohnehin den festen Turnus. Ein echtes Winterloch wie im Gartenbau gibt es hier nicht.

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