Berufsbild · Band 09 von 24

Selbstständig als
Seniorenbegleitung

Seniorenbegleitung ohne Ausbildung – geht das?

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Der Beruf im Überblick

Ja. Alltagsbegleitung für ältere Menschen ist ohne Ausbildung möglich. Solange du keine Pflege im Sinne des Pflegeversicherungsrechts leistest – kein Waschen, kein Anziehen, keine Medikamentengabe –, brauchst du keine Qualifikation und keine Zulassung.

Was du anbietest, ist etwas anderes und mindestens ebenso wichtig: Begleitung zum Arzt, Einkäufe, Spaziergänge, Vorlesen, Behördengänge, Gespräche. Genau das, wofür in der Pflege niemand Zeit hat.

Startkapital: unter 500 Euro. Ein Fahrzeug hilft, ist aber nicht zwingend.

Warum dieser Beruf gebraucht wird wie kaum ein anderer

Die Zahl der über Achtzigjährigen steigt seit Jahren und wird weiter steigen. Die meisten leben allein zu Hause und wollen dort bleiben. Angehörige wohnen weit weg oder arbeiten. Pflegedienste kommen zwanzig Minuten und sind wieder weg.

Was fehlt, ist die Zeit dazwischen. Genau die verkaufst du – und die Nachfrage übersteigt das Angebot in jeder Stadt und in jedem Dorf.

Die Entlastungsleistung, die kaum jemand kennt

Pflegebedürftige haben Anspruch auf einen monatlichen Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI. Wer als Anbieter nach Landesrecht anerkannt ist, kann direkt mit der Pflegekasse abrechnen – der Kunde zahlt dann nichts aus eigener Tasche.

Das ist der größte Hebel dieses Berufs. Die Anerkennung ist Aufwand, aber sie verwandelt eine Preisdiskussion in eine Selbstverständlichkeit.

Der verbreitetste Irrtum

Viele glauben, man müsse aus der Pflege kommen. Gefragt sind Zuverlässigkeit, Geduld und die Fähigkeit zuzuhören. Lebenserfahrung ist hier ein Vorteil – dieser Beruf ist einer der wenigen, in denen ein Einstieg mit fünfzig oder sechzig kein Nachteil ist, sondern ein Argument.

Wie der Arbeitstag aussieht

Der Tag besteht aus zwei bis vier Einsätzen von je zwei bis vier Stunden, meist vormittags und am frühen Nachmittag. Abende und Wochenenden sind selten gefragt – das macht den Beruf gut planbar.

Ein Einsatz kann alles bedeuten: gemeinsam einkaufen, zum Arzt fahren und im Wartezimmer bleiben, spazieren gehen, den Schriftverkehr sortieren, Kaffee trinken und reden.

Was den Beruf ausmacht

Die Beziehung. Man kommt zu denselben Menschen über Monate und Jahre. Man kennt die Geschichten, die Marotten, die Sorgen. Kein anderer der 24 Berufe schafft diese Nähe – und für viele ist genau das der Grund, ihn zu wählen.

Was man aushalten muss

Menschen werden schwächer, manche sterben. Wer über Jahre begleitet, verabschiedet auch. Das gehört dazu und sollte man vorher wissen. Es ist die Kehrseite derselben Nähe.

Saison

Keine. Der Bedarf ist über zwölf Monate gleich – einer der wenigen Berufe der Reihe ohne jede Schwankung. Im Winter sogar leicht höher, weil viele dann seltener allein rausgehen.

Körperlich

Leicht. Gehen, fahren, gelegentlich Einkäufe tragen. Kein Heben, kein Wetter, keine Leitern. Das ist der körperlich schonendste Beruf der ganzen Reihe.

Wer dich beauftragt

Angehörige

Sie sind die eigentlichen Auftraggeber – Kinder, die weit weg wohnen und ein schlechtes Gewissen haben. Sie suchen, sie entscheiden, sie zahlen. Der ältere Mensch selbst fragt selten von sich aus nach.

Gefunden werden sie über das Google-Unternehmensprofil, über Aushänge in Apotheken und Arztpraxen – und vor allem über Empfehlung.

Pflegedienste als Partner

Die stärkste Quelle. Pflegedienste sehen täglich, wo Begleitung fehlt, dürfen sie aber selbst nicht leisten. Wer sich dort vorstellt, wird empfohlen – und zwar dauerhaft.

Dasselbe gilt für Hausärzte, Apotheken, Sozialdienste in Kliniken und Betreuungsvereine. Ein Besuch bei fünf Pflegediensten im Umkreis bringt mehr als jede Anzeige.

Pflegekassen über den Entlastungsbetrag

Wer als Anbieter anerkannt ist, wird von Kassen und Beratungsstellen aktiv genannt. Das ist der Punkt, an dem die Akquise praktisch endet.

Kommunen und Wohlfahrtsverbände

Sie vergeben Aufträge für Besuchsdienste und Begleitungen, teils gefördert. Planbar, mit fester Vergütung.

Was den Zuschlag bringt

Ein ruhiges erstes Gespräch und Verlässlichkeit bei Terminen. Angehörige entscheiden nach Vertrauen, nicht nach Preis.

Der erste Kunde kommt bei Ansprache der richtigen Stellen meist innerhalb von zwei bis vier Wochen – und bleibt oft Jahre.

Was sich verdienen lässt

Abgerechnet wird je Stunde. Die Sätze liegen zwischen 22 und 45 Euro, je nach Region und Abrechnungsweg.

  • Privat gezahlt: 22 bis 35 Euro je Stunde
  • Über den Entlastungsbetrag nach § 45b: 28 bis 45 Euro je Stunde, je nach Landesrecht
  • Begleitung zu Terminen mit Fahrzeug: Aufschlag von 10 bis 20 Euro
  • Nacht- und Wochenendbegleitung: Aufschlag von 25 bis 50 Prozent

Abrechenbare Stunden

100 bis 120 im Monat bei Vollzeit. Mehr wird schwierig, weil die Einsätze in einem engen Zeitfenster am Vormittag liegen – und weil die Arbeit emotional fordert.

Monatsumsatz nach Jahren

  • Erstes Jahr: 1.200 bis 2.400 Euro
  • Zweites Jahr: 2.400 bis 3.400 Euro
  • Ab dem dritten Jahr: 3.400 bis 4.500 Euro mit festem Kundenkreis und Kassenzulassung

Was abgeht

  • Fahrzeug, sofern genutzt: 250 bis 500 Euro monatlich
  • Versicherung, Berufsgenossenschaft, Buchhaltung: 100 bis 180 Euro monatlich
  • Fortbildung, Führungszeugnis, Material: 40 bis 100 Euro monatlich

Nach Kosten bleiben 80 bis 88 Prozent des Umsatzes – der höchste Wert unter allen 24 Berufen, weil es fast keine Betriebsmittel gibt.

Was allein zum Leben bleibt

Bei 4.000 Euro Umsatz bleiben rund 3.400 Euro Gewinn vor Steuern. Nach Einkommensteuer, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Altersvorsorge sind es 1.900 bis 2.200 Euro im Monat.

Das gilt für den, der jede Stunde selbst leistet – bei einem Beruf, der körperlich leicht ist und ohne Kapitaleinsatz auskommt.

Woran sich sofort etwas drehen lässt

Die Anerkennung nach Landesrecht für die Abrechnung über den Entlastungsbetrag. Sie hebt den Stundensatz und macht die Preisfrage überflüssig, weil die Kasse zahlt. Zweitens die Bündelung: zwei Kunden im selben Haus oder derselben Straße sparen die Fahrt.

Wie die Anerkennung beantragt und der erste Kundenkreis aufgebaut wird, zeigt der Quick Guide Selbstständig in der Seniorenbegleitung.

Was daraus werden kann

Die 1.900 bis 2.200 Euro aus der letzten Rechnung gelten für eine Person, die jede Stunde selbst leistet. In diesem Beruf ist der Weg nach oben besonders klar – weil die Nachfrage weit größer ist als das, was ein Einzelner leisten kann.

Stufe eins: die Kassenzulassung

Die Anerkennung als Angebot zur Unterstützung im Alltag nach Landesrecht ist der erste und wichtigste Schritt. Sie bringt höhere Sätze, direkte Abrechnung mit der Pflegekasse und – das ist entscheidend – die Aufnahme in die Listen, die Beratungsstellen an Angehörige weitergeben.

Wer dort steht, wird gefunden, ohne zu suchen.

Stufe zwei: ein Team von Begleiterinnen

Der Bedarf einer Stadt übersteigt das, was eine Person schafft, um ein Vielfaches. Mit drei bis fünf Kräften auf Minijob- oder Teilzeitbasis betreust du dreißig statt zehn Kunden.

Eine Kraft kostet 16 bis 20 Euro je Stunde inklusive Nebenkosten und erwirtschaftet 28 bis 45. Bei fünf Kräften mit je 15 Wochenstunden liegt der Umsatz bei 12.000 bis 18.000 Euro im Monat.

Und die eigene Rolle verschiebt sich zu dem, was viele ohnehin am liebsten machen: Erstgespräche, Einteilung, Kontakt zu Angehörigen.

Stufe drei: das erweiterte Angebot

Betreuungsgruppen für Menschen mit Demenz, Verhinderungspflege, hauswirtschaftliche Unterstützung, Fahrdienste. Alles Leistungen, die derselbe Kundenkreis braucht und die über die Pflegekasse abrechenbar sind.

Manche entwickeln daraus einen anerkannten Betreuungsdienst mit festen Kassenverträgen – aus einer einzelnen Begleiterin wird ein Betrieb, der einer ganzen Region fehlt.

Wie Anerkennung, Personal und erweiterte Angebote aufgebaut werden, steht im erweiterten Buch Dein Erfolgsweg in der Seniorenbegleitung.

Was du wirklich brauchst

Rechtlich zwingend

  • Gewerbeanmeldung, 20 bis 60 Euro
  • Erweitertes Führungszeugnis – verlangen fast alle Auftraggeber und alle Kassen
  • Klare Abgrenzung zur Pflege: kein Waschen, kein Anziehen, keine Medikamentengabe, keine Wundversorgung. Das bleibt Pflegediensten vorbehalten.
  • Für die Abrechnung über § 45b: Anerkennung nach Landesrecht, meist mit Basisschulung von 30 bis 40 Stunden und Nachweis der Haftpflicht

Praktisch nötig

  • Zuverlässiges Fahrzeug für Begleitfahrten – nicht zwingend, aber ein deutlicher Vorteil
  • Betriebshaftpflicht mit Einschluss der Betreuungstätigkeit und von Personenschäden
  • Erste-Hilfe-Kurs, aktuell gehalten
  • Einfache Dokumentation der Einsätze, für Angehörige und Kasse

Mehr braucht es nicht. Kein Lager, keine Geräte, keine Werkstatt – das ist der kapitalärmste Einstieg der Reihe.

Persönlich hilfreich

Geduld, Zuhören, Verlässlichkeit. Lebenserfahrung ist hier ausdrücklich ein Vorteil – ältere Menschen vertrauen einer Sechzigjährigen leichter als einer Zwanzigjährigen. Wer selbst Angehörige begleitet hat, bringt das Wichtigste bereits mit.

Wofür der Beruf nicht taugt

Wer Abstand braucht, wird es schwer haben – die Nähe entsteht zwangsläufig. Wer mit Sterben und Abschied nicht umgehen kann, sollte es sich überlegen. Und wer vormittags nicht verfügbar ist, findet kaum Einsätze.

Häufige Fragen

Nein, solange du keine Pflege leistest. Begleitung, Einkäufe, Arztbesuche, Spaziergänge und Gespräche darfst du ohne Qualifikation anbieten. Waschen, Anziehen und Medikamentengabe bleiben Pflegediensten vorbehalten.
Pflegebedürftige haben monatlich Anspruch auf einen Entlastungsbetrag für Alltagsunterstützung. Wer als Anbieter nach Landesrecht anerkannt ist, rechnet direkt mit der Pflegekasse ab – der Kunde zahlt dann nichts selbst. Das ist der größte Hebel dieses Berufs.
Unter 500 Euro für Gewerbeanmeldung, Führungszeugnis, Versicherung und Erste-Hilfe-Kurs. Für die Kassenanerkennung kommt eine Basisschulung von 30 bis 40 Stunden dazu, je nach Bundesland 200 bis 600 Euro.
22 bis 35 Euro je Stunde privat gezahlt, 28 bis 45 Euro über den Entlastungsbetrag. Ab dem dritten Jahr sind 3.400 bis 4.500 Euro Monatsumsatz realistisch. Weil es fast keine Betriebskosten gibt, bleiben davon 1.900 bis 2.200 Euro zum Leben.
Über Pflegedienste, Hausärzte, Apotheken und Sozialdienste in Kliniken. Sie sehen täglich, wo Begleitung fehlt, dürfen sie aber selbst nicht leisten – ein Besuch bei fünf Pflegediensten im Umkreis bringt mehr als jede Anzeige. Die Auftraggeber sind meist die Angehörigen, nicht die Senioren selbst.
Ja, wenn du vormittags Zeit hast – dort liegen die meisten Einsätze. Zwei Kunden mit je vier Stunden pro Woche bringen bereits 800 bis 1.200 Euro im Monat. Der Einstieg ist auch mit fünfzig oder sechzig gut möglich; Lebenserfahrung ist hier ein Argument.
Eine Betriebshaftpflicht mit ausdrücklichem Einschluss der Betreuungstätigkeit und von Personenschäden. Du bewegst dich mit Menschen, die stürzen können – die private Haftpflicht deckt das nicht. Für die Kassenanerkennung wird sie ohnehin verlangt.

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