Berufsbild · Band 11 von 24

Selbstständig als
Umzugshelfer

Umzugshelfer ohne Ausbildung – geht das?

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Der Beruf im Überblick

Ja. Umzugshilfe ist ein zulassungsfreies Gewerbe. Kein Meisterbrief, keine Ausbildung. Solange dein Fahrzeug unter 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht bleibt, brauchst du auch keine Güterkraftverkehrserlaubnis.

Damit gehört dieser Beruf zu den drei schnellsten Einstiegen der Reihe: Gewerbe anmelden, Transporter mieten, erste Anzeige schalten – der erste bezahlte Auftrag kann in derselben Woche stattfinden.

Warum die Nachfrage nicht abreißt

In Deutschland zieht jedes Jahr etwa jeder Zehnte um. Die Hälfte davon organisiert es selbst und merkt spätestens beim Kleiderschrank, dass zwei Freunde und ein Mietwagen nicht reichen. Genau dann wird gesucht – kurzfristig, im Umkreis, und meist beim Ersten, der ans Telefon geht.

Dazu kommt die Gruppe, die gar nicht erst selbst anfängt: Ältere, Berufstätige ohne Zeit, Firmen bei Büroumzügen.

Der Einstieg ohne eigenes Fahrzeug

Ein eigener Transporter ist am Anfang nicht nötig. Miettransporter kosten 60 bis 120 Euro am Tag und lassen sich vollständig weiterberechnen. Viele fangen so an und kaufen erst, wenn die Auslastung steht – das senkt das Startrisiko auf nahezu null.

Der verbreitetste Irrtum

Viele glauben, es gehe nur um Kraft. Es geht um Organisation. Wer pünktlich ist, ordentlich packt, Möbel ohne Kratzer transportiert und am Ende die Wohnung besenrein übergibt, wird weiterempfohlen – unabhängig davon, wie viel er heben kann.

Wie der Arbeitstag aussieht

Der Tag beginnt früh, meist zwischen sieben und acht, und richtet sich nach dem Auftrag. Ein Zweizimmerumzug dauert vier bis sechs Stunden, ein Haus mit Keller und Dachboden zwei Tage.

Der Ablauf ist immer gleich: Möbel demontieren, packen, tragen, laden, fahren, ausladen, aufbauen. Dazwischen die Absprachen mit dem Kunden, der meist gestresst ist und Dinge kurzfristig ändert.

Was den Unterschied macht

Vorbereitung. Wer vorher fragt, wie viele Etagen, ob ein Aufzug da ist, ob eine Halteverbotszone eingerichtet wurde, kalkuliert richtig und kommt nicht in Verzug. Wer das nicht tut, arbeitet regelmäßig zwei Stunden umsonst.

Saison

Deutlich schwankend und gut planbar. März bis Oktober ist Hochsaison, mit Spitzen zum Monatsende und Quartalswechsel – dann sind Wochenenden Wochen im Voraus ausgebucht. November bis Februar ist ruhig.

Die ruhigen Monate füllen Entrümpelungen, Möbeltransporte, Küchenmontagen und Lagerarbeiten. Wer das anbietet, hat kein Winterloch.

Körperlich

Es ist die schwerste Arbeit unter den 24 Berufen. Rücken und Knie entscheiden darüber, wie lange man das macht. Wer von Anfang an mit Tragegurten, Sackkarre und Möbelrollern arbeitet statt mit reiner Kraft, hält deutlich länger durch.

Wer dich beauftragt

Privatumzüge

Die Hauptgruppe. Studenten, junge Familien, Trennungen, Altersumzüge. Sie zahlen 35 bis 55 Euro je Helferstunde, entscheiden kurzfristig und vergleichen zwei bis drei Angebote.

Gefunden werden sie über Kleinanzeigen, Umzugsportale und das Google-Unternehmensprofil. Wer schnell antwortet und einen Festpreis nennen kann, gewinnt – die meisten Anbieter tun beides nicht.

Firmen und Büroumzüge

Die deutlich bessere Gruppe. Sie zahlen 45 bis 70 Euro je Helferstunde, planen Wochen im Voraus, zahlen per Rechnung und diskutieren nicht. Ein Büroumzug mit vier Leuten über zwei Tage bringt 3.000 bis 5.000 Euro.

Gewonnen werden sie durch direkte Ansprache: Hausverwaltungen, Maklerbüros, Steuerberater und Arztpraxen im Umkreis. Wer einmal drin ist, wird bei jedem Wechsel wieder gefragt.

Hausverwaltungen und Senioreneinrichtungen

Der planbarste Bereich. Wohnungsauflösungen, Umzüge ins Heim, Räumungen nach Mieterwechsel – wiederkehrend, das ganze Jahr, oft mit Entrümpelung im selben Auftrag.

Was den Zuschlag bringt

Ein verbindlicher Festpreis nach kurzer Besichtigung – notfalls per Videoanruf. Kunden fürchten die offene Rechnung mehr als den Preis. Wer eine Zahl nennt und sie hält, bekommt den Auftrag.

Der erste Auftrag kommt bei sichtbarem Angebot meist innerhalb von ein bis zwei Wochen.

Was sich verdienen lässt

Abgerechnet wird je Helferstunde oder als Festpreis. Der Festpreis ist für beide Seiten besser und bringt dir mehr, sobald du schneller geworden bist.

  • Helferstunde privat: 35 bis 55 Euro
  • Helferstunde gewerblich: 45 bis 70 Euro
  • Transporter mit Fahrer: 60 bis 100 Euro je Stunde
  • Zweizimmerumzug komplett: 600 bis 1.200 Euro
  • Haus mit vier Zimmern: 1.800 bis 3.500 Euro

Wie viele Aufträge realistisch sind

In der Saison drei bis fünf je Woche, außerhalb ein bis zwei. Über das Jahr 120 bis 180 Aufträge, wenn Winterleistungen dazukommen.

Monatsumsatz nach Jahren

  • Erstes Jahr: 1.500 bis 3.000 Euro, stark saisonal
  • Zweites Jahr: 3.000 bis 5.000 Euro
  • Ab dem dritten Jahr: 5.000 bis 8.000 Euro mit festem Helferkreis

Was abgeht

  • Fahrzeug oder Miettransporter: 400 bis 900 Euro monatlich
  • Helferlöhne, meist auf Abruf: 15 bis 22 Euro je Stunde
  • Kraftstoff, Verschleiß, Versicherung: 250 bis 500 Euro monatlich
  • Packmaterial, Decken, Gurte, Werbung: 150 bis 300 Euro monatlich

Was allein zum Leben bleibt

Bei 5.000 Euro Umsatz mit einem festen Helfer bleiben rund 2.900 Euro Gewinn vor Steuern. Nach Einkommensteuer, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Altersvorsorge sind es 1.700 bis 2.000 Euro im Monat.

Das gilt für den, der selbst mit trägt. Genau das ändert sich auf der nächsten Stufe.

Woran sich sofort etwas drehen lässt

Festpreis statt Stundenlohn. Wer nach drei Jahren doppelt so schnell arbeitet, verdient beim Stundensatz nichts dazu – beim Festpreis alles. Zweitens der Anteil gewerblicher Kunden: 20 Euro mehr je Helferstunde bei gleicher Arbeit.

Wie Festpreise kalkuliert und Aufträge richtig eingeschätzt werden, zeigt der Quick Guide Selbstständig als Umzugshelfer.

Was daraus werden kann

Die 1.700 bis 2.000 Euro aus der letzten Rechnung gelten für einen, der jeden Umzug selbst mitträgt. Und weil dieser Beruf körperlich der anstrengendste der Reihe ist, ist der Weg nach oben hier nicht nur lukrativer – er ist auch der Weg, ihn lange auszuüben.

Stufe eins: die feste Kolonne

Zwei bis drei zuverlässige Helfer auf Abruf, dieselben bei jedem Auftrag. Eingespielte Leute schaffen einen Umzug in zwei Dritteln der Zeit – bei Festpreis fließt die Differenz vollständig in deine Tasche.

Gleichzeitig kannst du größere Aufträge annehmen: Häuser, Büros, Firmenumzüge. Das verschiebt den Umsatz von 5.000 auf 9.000 bis 14.000 Euro im Monat.

Stufe zwei: koordinieren statt tragen

Ab drei bis vier Helfern ist deine Zeit an anderer Stelle mehr wert: Besichtigungen, Angebote, Disposition, Kundengespräche. Wer den Tag nicht mehr auf der Treppe verbringt, kann doppelt so viele Aufträge annehmen – und hält den Beruf körperlich durch.

Ein Umzugsunternehmen mit zwei Fahrzeugen und fünf Leuten kommt auf 20.000 bis 35.000 Euro Monatsumsatz. Das ist der Normalfall in jeder mittleren Stadt.

Stufe drei: das Umfeld mitnehmen

Entrümpelung, Möbellagerung, Küchenmontage, Renovierung nach Auszug. Alles Leistungen, die derselbe Kunde im selben Atemzug braucht und die niemand sonst gebündelt anbietet. Eine eigene Lagerfläche bringt zusätzlich planbare Mieteinnahmen und füllt genau die schwachen Wintermonate.

Wie Kolonne, Disposition und Zusatzleistungen aufgebaut werden, steht im erweiterten Buch Dein Erfolgsweg als Umzugshelfer.

Was du wirklich brauchst

Rechtlich zwingend

  • Gewerbeanmeldung, 20 bis 60 Euro
  • Führerschein Klasse B; bis 3,5 Tonnen keine Güterkraftverkehrserlaubnis
  • Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft binnen einer Woche
  • Bei Helfern: Anmeldung zur Sozialversicherung vor dem ersten Arbeitstag – im Umzugsgewerbe gilt die Sofortmeldepflicht, der Zoll kontrolliert regelmäßig
  • Mindestlohn und Arbeitszeitaufzeichnung für alle Helfer

Praktisch nötig

  • Transporter, gemietet für 60 bis 120 Euro am Tag oder gebraucht ab 6.000 Euro
  • Tragegurte, Sackkarre, Möbelroller, Spanngurte: 300 bis 600 Euro
  • Umzugsdecken, Folie, Kartons als Grundausstattung
  • Werkzeug für Möbeldemontage
  • Betriebshaftpflicht mit ausdrücklichem Einschluss von Transport- und Tätigkeitsschäden

Persönlich hilfreich

Körperliche Belastbarkeit, Ruhe bei gestressten Kunden und ein Blick dafür, wie ein Schrank durch eine enge Treppe passt. Organisationstalent zählt mehr als Kraft.

Wofür der Beruf nicht taugt

Wer Rückenprobleme hat, sollte es lassen oder von Anfang an auf Koordination statt Tragen setzen. Wer an Wochenenden nicht kann, verliert die Hälfte der Aufträge. Und wer nicht früh aufstehen mag, ist im falschen Beruf.

Häufige Fragen

Nein. Umzugshilfe ist ein zulassungsfreies Gewerbe ohne Meisterpflicht. Führerschein Klasse B genügt, solange das Fahrzeug unter 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht bleibt.
Bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht nicht. Darüber ist eine Erlaubnis mit Fachkundenachweis erforderlich. Die meisten Umzugsdienste bleiben deshalb bewusst darunter.
Ohne eigenes Fahrzeug 800 bis 1.500 Euro für Anmeldung, Versicherung, Tragegurte, Sackkarre und Decken. Der Transporter lässt sich anfangs für 60 bis 120 Euro am Tag mieten und vollständig weiterberechnen – damit ist das Startrisiko nahezu null.
35 bis 55 Euro je Helferstunde bei Privatkunden, 45 bis 70 Euro bei Firmen. Ab dem dritten Jahr sind 5.000 bis 8.000 Euro Monatsumsatz realistisch, davon bleiben 1.700 bis 2.000 Euro zum Leben. Mit einer festen Kolonne liegt es deutlich höher.
Über Kleinanzeigen, Umzugsportale und das Google-Unternehmensprofil. Der wirksamste Hebel ist ein verbindlicher Festpreis nach kurzer Besichtigung – Kunden fürchten die offene Rechnung mehr als den Preis. Firmenkunden gewinnt man durch direkte Ansprache von Hausverwaltungen, Maklerbüros und Praxen.
Ja, das ist der übliche Einstieg. Umzüge finden überwiegend an Wochenenden und zum Monatsende statt. Zwei Aufträge im Monat bringen bereits 1.200 bis 2.400 Euro.
Eine Betriebshaftpflicht mit ausdrücklichem Einschluss von Transport- und Tätigkeitsschäden. Ohne diesen Einschluss zahlt niemand, wenn die Waschmaschine im Treppenhaus umkippt – und genau das ist der wahrscheinlichste Schadensfall.
Der vollständige Fahrplan

Selbstständig als Umzugshelfer

Diese Seite zeigt, worauf es ankommt. Der Quick Guide zeigt, wie es Schritt für Schritt geht — von der Anmeldung bis zum ersten Betreuungsvertrag.

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