Berufsbild · Band 24 von 24

Selbstständig als
Flohmarkt

Flohmarkt und Trödel ohne Ausbildung – geht das?

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Der Beruf im Überblick

Ja. Für den Handel mit Gebrauchtwaren brauchst du keine Ausbildung. Was du brauchst, ist ein Gewerbe, ein Blick für Werte und die Bereitschaft, früh aufzustehen.

Und noch etwas macht diesen Beruf besonders: Er hat die niedrigste Einstiegshürde von allen 24. Mit 500 bis 1.500 Euro Warenbestand kann man anfangen – und dieser Bestand ist kein verlorenes Geld, sondern Umlaufvermögen. Was nicht verkauft wird, ist immer noch da.

Zwei Wege, die sich ergänzen

Der Marktstand: Wochenmärkte, Flohmärkte, Trödelmärkte. Sofortiges Bargeld, direkter Kundenkontakt, kein Versand. Standgebühr 20 bis 80 Euro je Tag.

Der Onlinehandel: größere Reichweite, bessere Preise für Besonderes, aber Fotografieren, Einstellen, Verpacken, Versenden. Wer beides kombiniert, verkauft die Massenware am Stand und die Einzelstücke im Netz – zum drei- bis fünffachen Preis.

Der eigentliche Vorteil: die Differenzbesteuerung

Beim Handel mit Gebrauchtwaren von Privatpersonen wird nur die Spanne zwischen Ein- und Verkauf besteuert, nicht der volle Verkaufspreis. Bei einem Gegenstand, den du für 20 Euro kaufst und für 100 verkaufst, fällt Umsatzsteuer nur auf 80 Euro an.

Das ist ein handfester Vorteil, den viele nicht kennen – und er macht diesen Handel wettbewerbsfähig gegenüber Neuware.

Der verbreitetste Irrtum

Viele halten das für ein Hobby. Tatsächlich ist es ein Handelsgeschäft mit klaren Regeln: Einkaufspreis, Spanne, Umschlagsgeschwindigkeit. Wer rechnet statt sammelt, verdient damit sein Geld.

Wie der Arbeitstag aussieht

Der Markttag beginnt früh – Aufbau zwischen fünf und sieben, Verkauf bis mittags oder nachmittags, dann Abbau. Ein langer Tag, aber nur an zwei bis drei Tagen der Woche.

Die übrige Zeit gehört dem eigentlichen Geschäft: Einkauf, Sichtung, Reinigung, Reparatur, Fotografieren, Einstellen, Versand.

Der Einkauf ist die halbe Arbeit

Haushaltsauflösungen, Nachlässe, Sperrmüll nach Absprache, Ankauf von Privat, Auktionen, andere Händler. Wer feste Quellen aufbaut – ein Entrümpler, zwei Hausverwaltungen, ein Bestatter –, muss nicht mehr suchen. Die Ware kommt zu ihm.

Was den Unterschied macht

Erkennen, was etwas wert ist. Eine Nähmaschine von 1960, ein Werkzeugkoffer, ein Satz Porzellan, ein altes Fahrrad – der Unterschied zwischen fünf Euro und hundertfünfzig liegt allein im Wissen. Und dieses Wissen wächst mit jedem Monat, ohne Kurs und ohne Schule.

Saison

Klar: März bis Oktober ist Marktsaison, im Winter verlagert sich alles ins Netz. Das ist kein Nachteil, sondern eine natürliche Aufteilung – im Winter wird eingekauft und eingestellt, im Sommer verkauft.

Körperlich

Heben, Tragen, Auf- und Abbau. Anstrengend an Markttagen, moderat an den anderen. Mit Rollcontainern und einem gut gepackten Anhänger deutlich leichter.

Wer dich beauftragt

Marktbesucher

Die Hauptgruppe am Stand. Sammler, Schnäppchenjäger, Familien, Wiederverkäufer. Sie kaufen spontan, zahlen bar und handeln – das gehört dazu und ist einzukalkulieren.

Der Vorteil: sofortiges Geld, kein Zahlungsausfall, keine Rücksendung.

Online-Käufer

Die besser zahlende Gruppe. Wer gezielt nach einem bestimmten Teil sucht – ein Ersatzteil, ein Sammlerstück, ein bestimmtes Modell –, zahlt ein Vielfaches dessen, was am Stand möglich wäre.

Hier entscheidet die Beschreibung: Wer Marke, Modell und Zustand genau angibt, wird gefunden. Wer „alte Vase" schreibt, verkauft für fünf Euro, was sechzig gebracht hätte.

Sammler und Spezialisten

Die lukrativste Gruppe. Uhren, Münzen, Schallplatten, Modelleisenbahn, Werkzeug, Porzellan, Militaria. Wer sich in einem Bereich auskennt, verkauft an Menschen, die den Wert kennen und nicht handeln.

Wiederverkäufer und Händler

Für den Abverkauf ganzer Posten. Weniger Ertrag je Stück, dafür schneller Umschlag und Platz im Lager.

Was den Zuschlag bringt

Am Stand: ein aufgeräumter Aufbau mit sichtbaren Preisen. Online: gute Fotos und ehrliche Zustandsangaben.

Der erste Umsatz kommt am ersten Markttag – kein anderer der 24 Berufe ist so schnell.

Was sich verdienen lässt

Verdient wird über die Handelsspanne. Üblich ist das Zwei- bis Fünffache des Einkaufspreises, bei Sammlerstücken deutlich mehr.

  • Marktstand, Tagesumsatz: 150 bis 600 Euro
  • Standgebühr: 20 bis 80 Euro je Tag
  • Onlineverkauf, je Artikel: 15 bis 300 Euro
  • Ankaufpreis bei Haushaltsauflösungen: 50 bis 400 Euro je Posten

Wie sich das zusammensetzt

Bei drei Markttagen im Monat mit je 350 Euro sind das 1.050 Euro. Dazu 40 bis 80 Onlineverkäufe mit durchschnittlich 45 Euro – noch einmal 1.800 bis 3.600 Euro.

Monatsumsatz nach Jahren

  • Erstes Jahr: 800 bis 2.000 Euro, bis der Warenbestand steht
  • Zweites Jahr: 2.000 bis 3.500 Euro
  • Ab dem dritten Jahr: 3.500 bis 6.000 Euro mit festen Einkaufsquellen

Was abgeht

  • Wareneinkauf – der größte Posten: 25 bis 40 Prozent des Umsatzes
  • Standgebühren: 100 bis 400 Euro monatlich
  • Fahrzeug und Anhänger: 300 bis 600 Euro monatlich
  • Verkaufsgebühren der Portale, Versandmaterial: 8 bis 15 Prozent des Onlineumsatzes
  • Lagerfläche, sofern angemietet: 100 bis 400 Euro monatlich

Was allein zum Leben bleibt

Bei 5.000 Euro Umsatz bleiben rund 2.700 Euro Gewinn vor Steuern. Nach Einkommensteuer, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Altersvorsorge sind es 1.500 bis 1.800 Euro im Monat.

Dazu kommt ein Punkt, den keine Rechnung zeigt: Der Warenbestand hat einen Wert. Wer nach drei Jahren aufhört, verkauft ihn – anders als bei einem Dienstleistungsberuf ist etwas da.

Woran sich sofort etwas drehen lässt

Die Spezialisierung. Wer sich in einem Bereich auskennt, kauft besser ein und verkauft teurer. Zweitens der Onlineanteil: Dieselbe Ware bringt im Netz das Drei- bis Fünffache des Standpreises.

Wie Einkaufsquellen aufgebaut und Spannen kalkuliert werden, zeigt der Quick Guide Selbstständig mit Flohmarkt und Trödel.

Was daraus werden kann

Die 1.500 bis 1.800 Euro aus der letzten Rechnung gelten für einen, der gemischte Ware verkauft und überwiegend am Stand steht. Wer weitergeht, verändert die Rechnung grundlegend – und dieser Beruf hat mehr Richtungen als fast jeder andere der 24.

Stufe eins: die Nische besetzen

Wer alles verkauft, konkurriert mit jedem. Wer sich auf einen Bereich festlegt – Werkzeug, Schallplatten, Porzellan, Uhren, Modelleisenbahn, Nähmaschinen –, kauft gezielter ein und verkauft an Menschen, die den Wert kennen.

Ein Spezialist erzielt das Zwei- bis Dreifache je Stück und wird gesucht statt zu suchen. Das ist der wirksamste Hebel des Berufs und kostet nichts außer einer Entscheidung.

Stufe zwei: eigene Einkaufsquellen

Wer feste Zulieferer hat – Entrümpler, Hausverwaltungen, Bestatter, Nachlassverwalter –, bekommt die Ware, bevor sie auf den Markt kommt, und zu besseren Preisen. Manche kaufen ganze Haushaltsauflösungen im Paket.

Mit gesicherter Warenversorgung liegt der Umsatz bei 8.000 bis 15.000 Euro monatlich, weil nicht mehr die Nachfrage der Engpass ist, sondern der Bestand.

Stufe drei: Laden, Lager oder Auktion

Ein Gebrauchtwarenladen mit festen Öffnungszeiten bringt Laufkundschaft und höhere Preise als jeder Marktstand. Ein Lager ermöglicht den Ankauf ganzer Posten und die Aufarbeitung.

Und wer sich in einem Bereich einen Namen macht, verkauft irgendwann als Kommissionär für andere – oder bewertet Nachlässe gegen Honorar, weil man ihm zutraut, den Wert zu kennen.

Wie Nische, Einkaufsquellen und Ladengeschäft aufgebaut werden, steht im erweiterten Buch Dein Erfolgsweg mit Flohmarkt und Trödel.

Was du wirklich brauchst

Rechtlich zwingend

  • Gewerbeanmeldung, 20 bis 60 Euro. Handel mit Gebrauchtwaren ist erlaubnisfrei.
  • Reisegewerbekarte, sofern auf wechselnden Märkten ohne feste Niederlassung verkauft wird – beim Ordnungsamt zu klären, 200 bis 500 Euro
  • Ankaufbuch mit Ausweisdaten der Verkäufer beim Ankauf von Privat
  • Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft
  • Differenzbesteuerung im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung angeben

Bei bestimmten Waren gelten Sonderregeln: Edelmetalle, Waffen, Elektrogeräte mit Rücknahmepflicht, Textilien. Das klärt man je Warengruppe, bevor man einsteigt.

Praktisch nötig

  • Fahrzeug mit Anhänger – der wichtigste Posten
  • Klapptische, Kleiderständer, Transportkisten, Pavillon: 300 bis 800 Euro
  • Startbestand Ware: 500 bis 1.500 Euro
  • Lagerfläche – Garage oder Keller reichen am Anfang
  • Kamera oder gutes Smartphone für Onlinefotos
  • Kasse mit Wechselgeld und ordentliche Aufzeichnung der Bareinnahmen

Persönlich hilfreich

Neugier, Verhandlungsgeschick und ein Gedächtnis für Preise. Wer gern über Dinge redet, verkauft besser – am Stand ist das Gespräch die halbe Miete.

Wofür der Beruf nicht taugt

Wer nicht früh aufstehen mag, verpasst die besten Einkäufe und die guten Standplätze. Wer sich von Dingen nicht trennen kann, sammelt statt zu handeln – das ist die häufigste Falle. Und wer kein Lager und kein Fahrzeug organisieren kann, kommt nicht weit.

Häufige Fragen

Nein. Der Handel mit Gebrauchtwaren ist erlaubnisfrei. Nötig ist eine Gewerbeanmeldung und – wenn auf wechselnden Märkten ohne feste Niederlassung verkauft wird – eine Reisegewerbekarte.
Wenn du auf wechselnden Märkten ohne feste Niederlassung verkaufst, in der Regel ja. Sie kostet je nach Gemeinde 200 bis 500 Euro. Wer nur online handelt oder eine feste Verkaufsstelle hat, braucht sie nicht. Das klärt ein Anruf beim Ordnungsamt.
Beim Handel mit Gebrauchtwaren von Privatpersonen wird nur die Spanne zwischen Ein- und Verkauf besteuert, nicht der volle Verkaufspreis. Bei einem Gegenstand für 20 Euro eingekauft und für 100 verkauft fällt Umsatzsteuer nur auf 80 Euro an – ein handfester Vorteil, den man im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung angibt.
Ein Markttag bringt 150 bis 600 Euro Umsatz, online kommen 40 bis 80 Verkäufe im Monat dazu. Ab dem dritten Jahr sind 3.500 bis 6.000 Euro Monatsumsatz realistisch, davon bleiben 1.500 bis 1.800 Euro zum Leben. Dazu der Warenbestand, der einen eigenen Wert behält.
Haushaltsauflösungen, Nachlässe, Ankauf von Privat, Auktionen und andere Händler. Wer feste Quellen aufbaut – ein Entrümpler, zwei Hausverwaltungen, ein Bestatter –, muss nicht mehr suchen. Die Ware kommt dann zu ihm.
Ja, das ist der übliche Einstieg. Märkte finden an Wochenenden statt, der Onlineverkauf läuft abends. Zwei Markttage im Monat plus Onlinehandel bringen bereits 700 bis 1.500 Euro.
Ein Ankaufbuch mit Ausweisdaten der Verkäufer beim Ankauf von Privat und eine ordentliche Aufzeichnung der Bareinnahmen. Wer die Differenzbesteuerung nutzt, muss Einkaufs- und Verkaufspreis je Gegenstand nachweisen können – das ist Pflicht und zugleich die Grundlage jeder Kalkulation.

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