Berufsbild · Band 12 von 24

Selbstständig als
Tierbetreuung

Tierbetreuung ohne Ausbildung – geht das?

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Der Beruf im Überblick

Ja – mit einer Erlaubnis. Eine Ausbildung brauchst du nicht. Wer gewerbsmäßig Tiere betreut, braucht aber eine Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz vom Veterinäramt.

Das klingt nach Hürde und ist in Wahrheit dein Schutz. Die Erlaubnis bekommt, wer Sachkunde nachweist – meist im Gespräch beim Amt, gestützt auf praktische Erfahrung oder einen Kurs. Wer sie hat, konkurriert nicht mit jedem Nachbarskind, das nebenbei Gassi geht.

Startkapital: 500 bis 1.500 Euro. Damit gehört der Beruf zu den günstigsten Einstiegen der Reihe.

Warum die Nachfrage wächst

Die Zahl der Haustiere in Deutschland ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Gleichzeitig arbeiten die Halter – im Büro, im Homeoffice mit Terminen, in Schichten. Der Hund muss trotzdem mittags raus.

Dazu die Urlaubszeiten, Klinikaufenthalte, Dienstreisen. Wer verlässlich ist, hat in jeder Stadt mehr Anfragen als Kapazität – und bekommt regelmäßig Absagen erteilt, weil alle ausgebucht sind.

Der Beruf mit der stärksten Kundenbindung

Wer einmal das Vertrauen hat, behält es. Halter geben ihr Tier nicht gern in wechselnde Hände. Ein Kunde bleibt oft über die gesamte Lebenszeit des Tieres – zehn Jahre und mehr sind normal.

Der verbreitetste Irrtum

Viele glauben, Tierliebe reiche. Gefragt sind Zuverlässigkeit und Sachkunde: einen Hund lesen können, eine Situation an der Leine entschärfen, im Notfall richtig handeln. Wer das mitbringt, wird weiterempfohlen wie in kaum einem anderen der 24 Berufe.

Wie der Arbeitstag aussieht

Der Tag hat feste Punkte: Gassirunden am Vormittag und am frühen Nachmittag, dazwischen Katzenbesuche, Fütterungen, Fahrten.

Eine Gassirunde dauert 45 bis 90 Minuten, ein Katzenbesuch 20 bis 40. Wer Gruppen führt, nimmt drei bis fünf Hunde gleichzeitig – das ist der entscheidende Unterschied für die Rechnung.

Was den Beruf ausmacht

Man ist draußen, in Bewegung, mit Tieren. Für viele ist genau das der Grund – es ist die naheliegendste Antwort auf die Frage, wovon man leben will, wenn man nicht im Büro sitzen mag.

Was die Zeit frisst

Die Fahrten. Wer Kunden über die ganze Stadt verteilt hat, verbringt den halben Tag im Auto. Wer im Umkreis von drei Kilometern bleibt und Abholungen bündelt, schafft doppelt so viele Tiere.

Saison

Gleichmäßig mit klaren Spitzen. Ferienzeiten und Feiertage sind ausgebucht, oft Monate im Voraus – und werden mit Zuschlägen von 30 bis 50 Prozent bezahlt. Wer über Weihnachten und Ostern arbeitet, verdient in zwei Wochen so viel wie sonst im Monat.

Körperlich und emotional

Körperlich moderat: viel Gehen, bei jedem Wetter. Emotional gelegentlich fordernd – Tiere werden alt und krank, und man ist oft dabei. Wer damit umgehen kann, hat einen der erfüllendsten Berufe der Reihe.

Wer dich beauftragt

Berufstätige Hundehalter

Die Hauptgruppe. Sie brauchen die Mittagsrunde, drei- bis fünfmal die Woche, das ganze Jahr. Sie zahlen 15 bis 25 Euro je Runde und bleiben Jahre.

Das ist das Rückgrat des Geschäfts: planbare Termine, feste Einnahmen, keine Akquise nach dem ersten Jahr.

Urlauber und Dienstreisende

Die besser zahlende Gruppe. Tagesbetreuung, Übernachtung im eigenen Haushalt oder beim Kunden, Urlaubsbetreuung über zwei Wochen. 25 bis 50 Euro je Tag, mit Zuschlag über Feiertage.

Gefunden werden sie über Vermittlungsportale, das Google-Unternehmensprofil und über Tierärzte.

Katzenhalter

Die unterschätzte Gruppe. Katzenbesuche sind kurz, gut bündelbar und werden mit 12 bis 20 Euro je Besuch bezahlt. Wer drei Katzen in einem Viertel betreut, verdient in anderthalb Stunden 45 Euro.

Tierärzte, Tierheime, Züchter, Hundeschulen

Die stärkste Empfehlungsquelle. Sie werden gefragt, wer verlässlich ist, und nennen den, den sie kennen. Ein Besuch bei drei Tierarztpraxen im Umkreis bringt mehr als jede Anzeige.

Was den Zuschlag bringt

Ein ruhiges Kennenlernen mit Tier und Halter, dazu eine kurze Rückmeldung nach jedem Einsatz – ein Foto vom Spaziergang wirkt stärker als jede Werbung.

Der erste Kunde kommt bei sichtbarem Angebot meist innerhalb von ein bis zwei Wochen.

Was sich verdienen lässt

Abgerechnet wird je Einsatz oder als Monatspaket. Das Monatspaket ist bei Stammkunden für beide Seiten besser.

  • Gassirunde einzeln: 15 bis 25 Euro
  • Gassirunde in der Gruppe, je Hund: 12 bis 20 Euro
  • Katzenbesuch: 12 bis 20 Euro
  • Tagesbetreuung: 25 bis 45 Euro
  • Übernachtungsbetreuung: 35 bis 60 Euro je Nacht
  • Feiertagszuschlag: 30 bis 50 Prozent

Der entscheidende Hebel: die Gruppe

Vier Hunde gleichzeitig zu je 15 Euro bringen 60 Euro in derselben Stunde, in der ein einzelner 20 bringt. Das ist der Unterschied zwischen einem netten Nebenverdienst und einem tragfähigen Beruf.

Voraussetzung sind Sachkunde, verträgliche Hunde und ein Fahrzeug mit Transportboxen.

Monatsumsatz nach Jahren

  • Erstes Jahr: 900 bis 2.000 Euro
  • Zweites Jahr: 2.000 bis 3.200 Euro
  • Ab dem dritten Jahr: 3.200 bis 4.800 Euro mit Gruppen und Übernachtungen

Was abgeht

  • Fahrzeug mit Transportboxen: 250 bis 500 Euro monatlich
  • Versicherung – Betriebshaftpflicht mit Tierhalterrisiko: 20 bis 50 Euro monatlich
  • Ausrüstung, Leinen, Reinigung, Verbrauchsmaterial: 50 bis 120 Euro monatlich
  • Fortbildung, Berufsgenossenschaft, Buchhaltung: 60 bis 120 Euro monatlich

Was allein zum Leben bleibt

Bei 4.000 Euro Umsatz bleiben rund 3.200 Euro Gewinn vor Steuern. Nach Einkommensteuer, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Altersvorsorge sind es 1.800 bis 2.100 Euro im Monat.

Das gilt für Einzelbetreuung mit wenigen Gruppen – der Beruf hat von hier aus mehr Luft nach oben als die meisten.

Woran sich sofort etwas drehen lässt

Gruppen statt Einzelrunden. Und die Übernachtungsbetreuung: Ein Hund über zwei Wochen Urlaub bringt 500 bis 800 Euro, während die normalen Runden weiterlaufen.

Wie die Erlaubnis nach § 11 beantragt und der erste Kundenkreis aufgebaut wird, zeigt der Quick Guide Selbstständig mit Tierbetreuung.

Was daraus werden kann

Die 1.800 bis 2.100 Euro aus der letzten Rechnung gelten für Einzelbetreuung mit wenigen Gruppen. Dieser Beruf hat drei Wege nach oben, und jeder einzelne verändert die Rechnung deutlich.

Stufe eins: Gruppen und Übernachtung

Vier Hunde je Runde statt einem vervierfacht den Stundenertrag bei gleichem Zeitaufwand. Wer zusätzlich Übernachtungsbetreuung anbietet – im eigenen Haushalt oder beim Kunden –, füllt die Ferienzeiten mit 35 bis 60 Euro je Nacht.

Beides zusammen hebt den Umsatz von 4.000 auf 7.000 bis 9.000 Euro im Monat, ohne dass ein einziger neuer Kunde nötig wäre.

Stufe zwei: Tagesbetreuung mit festem Platz

Eine Hundetagesstätte mit acht bis zwölf Plätzen zu je 25 bis 45 Euro am Tag bringt 4.000 bis 9.000 Euro monatlich – bei einer einzigen Betreuungszeit statt zwanzig einzelnen Fahrten.

Nötig sind geeignete Räume, eine erweiterte Erlaubnis und eine Betreuungskraft. Das ist der größte Sprung des Berufs und der lohnendste.

Stufe drei: das erweiterte Angebot

Hundeschule mit Sachkundenachweis, Ernährungsberatung, Tierphysiotherapie, Hundefriseur, Vermittlung von Tiersittern. Alles Leistungen, die derselbe Kundenkreis nachfragt und die sich ohne neue Akquise verkaufen.

Wer schon das Vertrauen der Halter hat, verkauft eine zweite Leistung fast von selbst.

Wie Gruppen, Tagesbetreuung und Zusatzangebote aufgebaut werden, steht im erweiterten Buch Dein Erfolgsweg mit Tierbetreuung.

Was du wirklich brauchst

Rechtlich zwingend

  • Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz vom Veterinäramt – für gewerbsmäßige Betreuung, Ausbildung oder Unterbringung von Tieren
  • Sachkundenachweis, meist im Fachgespräch beim Amt oder über einen anerkannten Kurs
  • Gewerbeanmeldung, 20 bis 60 Euro
  • Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft
  • Bei Übernachtungsbetreuung im eigenen Haushalt: Prüfung der Räumlichkeiten durch das Amt

Die Erlaubnis kostet je nach Kreis 50 bis 400 Euro. Bearbeitungszeit vier bis zehn Wochen – das gehört in die Zeitplanung.

Praktisch nötig

  • Fahrzeug mit Transportboxen oder Trenngitter: unerlässlich für Gruppen
  • Leinen, Geschirre, Maulkörbe, Erste-Hilfe-Set für Tiere: 200 bis 500 Euro
  • Betriebshaftpflicht mit ausdrücklichem Einschluss fremder Tiere – die private Tierhalterhaftpflicht des Kunden greift nicht, wenn das Tier in deiner Obhut ist
  • Betreuungsvertrag mit Vollmacht für den Tierarztbesuch im Notfall

Persönlich hilfreich

Ruhe, Konsequenz und die Fähigkeit, einen Hund zu lesen. Wer erkennt, wann eine Situation kippt, bevor sie kippt, arbeitet sicher. Das lernt man mit Erfahrung – und mit einem guten Kurs schneller.

Wofür der Beruf nicht taugt

Wer Angst vor größeren Hunden hat, wird sich einschränken müssen. Wer bei Regen und Kälte nicht raus mag, findet den Beruf im November zäh. Und wer über Feiertage frei haben will, verzichtet auf die bestbezahlte Zeit des Jahres.

Häufige Fragen

Nein, aber eine Erlaubnis. Wer gewerbsmäßig Tiere betreut, braucht die Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz vom Veterinäramt. Nachzuweisen ist Sachkunde – meist im Fachgespräch beim Amt oder über einen anerkannten Kurs.
Je nach Kreis 50 bis 400 Euro, Bearbeitungszeit vier bis zehn Wochen. Wer im eigenen Haushalt übernachten lässt, bekommt zusätzlich die Räumlichkeiten geprüft. Das gehört in die Zeitplanung vor dem Start.
500 bis 1.500 Euro für Erlaubnis, Gewerbeanmeldung, Versicherung, Leinen, Geschirre und Erste-Hilfe-Ausrüstung. Für Gruppenbetreuung kommt ein Fahrzeug mit Transportboxen dazu.
15 bis 25 Euro je Gassirunde, 12 bis 20 Euro je Katzenbesuch, 35 bis 60 Euro je Übernachtung. Der entscheidende Hebel sind Gruppen: Vier Hunde gleichzeitig bringen 60 Euro in derselben Stunde. Ab dem dritten Jahr sind 3.200 bis 4.800 Euro Monatsumsatz realistisch, davon bleiben 1.800 bis 2.100 Euro zum Leben.
Über Tierärzte, Tierheime und Hundeschulen – sie werden gefragt, wer verlässlich ist, und empfehlen weiter. Dazu Vermittlungsportale und das Google-Unternehmensprofil. Ein Foto vom Spaziergang nach jedem Einsatz wirkt stärker als jede Werbung.
Ja, wenn du mittags Zeit hast – dort liegen die Gassirunden. Drei Stammkunden mit je vier Runden pro Woche bringen bereits 700 bis 1.200 Euro im Monat. Übernachtungsbetreuung geht ohnehin außerhalb der Arbeitszeit.
Eine Betriebshaftpflicht mit ausdrücklichem Einschluss fremder Tiere in Obhut. Die Tierhalterhaftpflicht des Kunden greift nicht, solange das Tier bei dir ist – reißt sich ein Hund los und verursacht einen Unfall, haftest du.

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