Berufsbild · Band 22 von 24

Selbstständig als
Kfz-Überführung

Fahrzeugüberführung ohne Ausbildung – geht das?

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Der Beruf im Überblick

Ja. Fahrzeugüberführung ist zulassungsfrei. Kein Meisterbrief, keine Ausbildung, keine Güterkraftverkehrserlaubnis – denn du transportierst keine Güter, du fährst das Fahrzeug selbst.

Was du brauchst: Führerschein Klasse B, ein angemeldetes Gewerbe und Freude am Fahren. Startkapital unter 500 Euro – der günstigste Einstieg der ganzen Reihe.

Warum es diesen Markt gibt

Fahrzeuge stehen selten dort, wo sie hinsollen. Ein Händler kauft in Hamburg und verkauft in München. Ein Leasingrückläufer muss zum Auktionsplatz. Ein Privatkäufer ersteigert ein Auto vierhundert Kilometer entfernt und hat keine Lust auf die Rückfahrt mit der Bahn.

Für all das braucht es jemanden, der hinfährt und das Auto bringt. Und weil Autohandel überregional läuft, reißt dieser Bedarf nicht ab.

Der Beruf für alle, die gern unterwegs sind

Kein Kunde am Telefon, kein Werkzeug, kein Lager. Man fährt hin, übernimmt, fährt zurück, übergibt. Wer gern allein auf der Autobahn unterwegs ist und dabei Podcasts hört, hat einen der entspanntesten Berufe der Reihe gefunden.

Der verbreitetste Irrtum

Viele glauben, es gehe nur um Kilometer. Entscheidend ist die Rückfahrt. Wer eine Überführung annimmt, ohne zu wissen, wie er zurückkommt, verliert einen halben Tag. Wer Rundtouren plant – hin mit dem einen, zurück mit dem anderen Fahrzeug –, verdoppelt seinen Ertrag am selben Tag.

Wie der Arbeitstag aussieht

Der Tag richtet sich nach der Strecke. Eine Überführung über 200 Kilometer dauert mit Übernahme, Fahrt und Übergabe vier bis fünf Stunden. Eine über 600 Kilometer füllt den Tag.

Ein typischer Ablauf: morgens mit Bahn oder Mitfahrgelegenheit zum Abholort, Fahrzeug prüfen und dokumentieren, fahren, übergeben, Rückweg planen.

Die Rückfahrt ist das Geschäft

Wer den Rückweg leer antritt, verschenkt einen halben Tag. Deshalb arbeiten Erfahrene mit Gegenaufträgen: hinfahren mit dem einen Fahrzeug, zurück mit dem nächsten. Zwei Überführungen an einem Tag statt einer – bei gleicher Zeit.

Das erfordert Netzwerk und Planung, und genau das unterscheidet den Gelegenheitsfahrer vom Betrieb.

Die Übergabe ist der kritische Moment

Fotos vor der Abfahrt, Fotos nach der Ankunft, Protokoll mit Kilometerstand und Zustand. Wer das konsequent macht, hat nie eine Diskussion über einen Kratzer, der schon da war.

Saison

Gleichmäßig mit Spitzen zum Quartalsende, wenn Leasingverträge auslaufen, und im Frühjahr, wenn der Gebrauchtwagenmarkt anzieht.

Körperlich

Der körperlich leichteste Beruf der ganzen Reihe – Sitzen. Die Belastung ist eine andere: lange Konzentration, unregelmäßige Pausen, Rücken bei viel Fahrerei.

Wer dich beauftragt

Autohäuser und Gebrauchtwagenhändler

Die wichtigste Gruppe. Sie kaufen überregional zu und verkaufen überregional. Fahrzeuge müssen von Auktionen, von anderen Händlern, von Kunden geholt werden – Woche für Woche.

Sie zahlen 0,45 bis 0,90 Euro je Kilometer oder feste Pauschalen und beauftragen regelmäßig. Wer bei drei Händlern hinterlegt ist, hat einen vollen Kalender.

Der Weg dorthin: Händler im Umkreis persönlich aufsuchen, Visitenkarte hinterlassen, einmal zuverlässig liefern. Danach ruft man dich an.

Leasinggesellschaften und Fuhrparkbetreiber

Die planbarste Gruppe. Rückläufer zu Auktionsplätzen, Fahrzeugtausch zwischen Standorten, Werkstattfahrten. Rahmenverträge mit festen Sätzen, oft mehrere Fahrten pro Woche.

Überführungsvermittler

Der einfachste Einstieg. Spezialisierte Portale vermitteln Aufträge gegen Provision. Die Sätze sind niedriger, dafür steht die Auftragslage ab Tag eins. Gut, um die ersten Monate zu füllen und Erfahrung zu sammeln.

Privatkunden

Fahrzeugkauf in einer anderen Stadt, Umzug mit Zweitwagen, Erbfall, Rückführung nach dem Urlaub. Sie zahlen besser als Händler – 0,70 bis 1,20 Euro je Kilometer – kommen aber unregelmäßig.

Was den Zuschlag bringt

Pünktlichkeit und ein sauberes Übergabeprotokoll. Der erste Auftrag kommt über die Portale meist in derselben Woche.

Was sich verdienen lässt

Abgerechnet wird nach Kilometern oder als Pauschale je Strecke. Die Pauschale ist bei bekannten Routen besser.

  • Händlerauftrag: 0,45 bis 0,90 Euro je Kilometer
  • Privatkunden: 0,70 bis 1,20 Euro je Kilometer
  • Kurzstrecke unter 100 Kilometer als Pauschale: 90 bis 180 Euro
  • Tagespauschale bei mehreren Fahrten: 250 bis 400 Euro
  • Zuschläge für Nacht, Wochenende, Anhängerbetrieb

Was ein Tag bringt

Eine Überführung über 400 Kilometer bringt 220 bis 340 Euro und füllt den Tag. Zwei Fahrten mit Gegenauftrag bringen 350 bis 550 Euro – in derselben Zeit.

Genau hier entscheidet sich, ob dieser Beruf trägt.

Monatsumsatz nach Jahren

  • Erstes Jahr: 1.500 bis 2.800 Euro, überwiegend über Portale
  • Zweites Jahr: 2.800 bis 4.200 Euro mit eigenen Händlerkunden
  • Ab dem dritten Jahr: 4.200 bis 6.000 Euro mit Rundtouren und Rahmenverträgen

Was abgeht

  • Rückfahrten mit Bahn oder Mitfahrgelegenheit: 200 bis 500 Euro monatlich – der größte Posten
  • Eigenes Fahrzeug für An- und Abfahrten, sofern genutzt: 250 bis 500 Euro monatlich
  • Versicherung, Berufsgenossenschaft, Buchhaltung: 100 bis 200 Euro monatlich
  • Verpflegung unterwegs, Übernachtungen bei Fernfahrten

Was allein zum Leben bleibt

Bei 5.000 Euro Umsatz bleiben rund 3.900 Euro Gewinn vor Steuern. Nach Einkommensteuer, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Altersvorsorge sind es 2.200 bis 2.500 Euro im Monat.

Für einen Beruf, der mit unter 500 Euro Startkapital beginnt und kein Betriebsvermögen bindet, ist das ein bemerkenswerter Wert.

Woran sich sofort etwas drehen lässt

Gegenaufträge. Wer die Rückfahrt bezahlt bekommt statt sie zu bezahlen, verdoppelt den Tagesertrag. Zweitens eigene Händlerkunden statt Portalaufträge – dieselbe Fahrt, 30 bis 50 Prozent mehr Honorar ohne Vermittlungsprovision.

Wie Touren geplant und Händler gewonnen werden, zeigt der Quick Guide Selbstständig mit Fahrzeugüberführung.

Was daraus werden kann

Die 2.200 bis 2.500 Euro aus der letzten Rechnung gelten für einen, der jede Fahrt selbst macht. Der Beruf hat drei Wege nach oben, und der erste braucht nur Planung.

Stufe eins: Rundtouren und eigene Kunden

Wer Aufträge so kombiniert, dass jede Fahrt bezahlt wird, verdoppelt den Tagesertrag ohne einen zusätzlichen Kilometer. Und wer eigene Händlerkunden hat statt Portalaufträge, bekommt 30 bis 50 Prozent mehr für dieselbe Strecke.

Beides zusammen hebt den Umsatz von 5.000 auf 8.000 bis 10.000 Euro im Monat.

Stufe zwei: eigene Fahrer

Der Schritt vom Fahren zum Disponieren. Ein Fahrer auf Honorarbasis kostet 120 bis 200 Euro je Tag und erwirtschaftet 250 bis 400. Mit drei Fahrern sitzt du am Telefon, planst Touren und verhandelst Rahmenverträge.

Ein Überführungsdienst mit vier bis sechs Fahrern kommt auf 20.000 bis 35.000 Euro Monatsumsatz – bei einem Geschäft, das keinerlei Kapital bindet, weil die Fahrzeuge den Kunden gehören.

Das ist die Besonderheit dieses Berufs: Wachstum ohne Investition.

Stufe drei: die lukrativen Nischen

Fahrzeugtransport mit Anhänger für nicht fahrbereite Autos – deutlich höhere Sätze, weniger Wettbewerb. Überführung hochwertiger Fahrzeuge, bei der Diskretion und Erfahrung zählen. Auslandsüberführungen mit Zoll- und Zulassungsabwicklung. Und die Kombination mit Fahrzeugbewertung oder Aufbereitung für Händler.

Wer Zulassungsdienst und Überführung aus einer Hand anbietet, wird für Händler unersetzlich.

Wie Touren, Fahrer und Rahmenverträge aufgebaut werden, steht im erweiterten Buch Dein Erfolgsweg mit Fahrzeugüberführung.

Was du wirklich brauchst

Rechtlich zwingend

  • Gewerbeanmeldung, 20 bis 60 Euro
  • Führerschein Klasse B, für größere Fahrzeuge entsprechend C1 oder BE
  • Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft
  • Keine Güterkraftverkehrserlaubnis nötig – das Fahrzeug ist kein transportiertes Gut, sondern wird selbst gefahren

Wichtig ist der Versicherungsschutz beim Fahren fremder Fahrzeuge. Die Haftpflicht des Fahrzeughalters greift für Schäden an Dritten, nicht für Schäden am überführten Fahrzeug selbst. Dafür braucht es eine eigene Deckung.

Praktisch nötig

  • Sicheres Fahren und Ortskenntnis über die Region hinaus
  • Übergabeprotokoll mit Fotodokumentation – das wichtigste Arbeitsmittel
  • Kurzzeitkennzeichen oder Kontakt zu einem Zulassungsdienst für nicht zugelassene Fahrzeuge
  • Bahncard oder Zugang zu Mitfahrgelegenheiten für die Rückfahrten
  • Betriebshaftpflicht mit Einschluss von Schäden am überführten Fahrzeug

Kein Werkzeug, kein Lager, kein eigenes Fahrzeug zwingend – das ist der kapitalärmste Einstieg der ganzen Reihe.

Persönlich hilfreich

Ruhe am Steuer, Zuverlässigkeit bei Terminen und Sorgfalt bei der Dokumentation. Wer gern lange fährt und dabei zur Ruhe kommt, ist hier richtig.

Wofür der Beruf nicht taugt

Wer nicht gern lange am Steuer sitzt, wird unglücklich. Wer Rückenprobleme hat, sollte die Fahrzeiten begrenzen. Und wer ungern allein ist, findet die Tage lang – man spricht mit kaum jemandem.

Häufige Fragen

Nein. Fahrzeugüberführung ist zulassungsfrei – kein Meisterbrief, keine Ausbildung. Führerschein Klasse B und eine Gewerbeanmeldung genügen.
Nein. Das Fahrzeug wird selbst gefahren und nicht als Gut transportiert – damit greift das Güterkraftverkehrsrecht nicht. Anders sieht es aus, wenn du Fahrzeuge auf einem Anhänger transportierst.
Unter 500 Euro: Gewerbeanmeldung, Versicherung, Bahncard für die Rückfahrten. Kein Werkzeug, kein Lager, kein eigenes Fahrzeug zwingend – der kapitalärmste Einstieg der ganzen Reihe.
0,45 bis 0,90 Euro je Kilometer bei Händlern, 0,70 bis 1,20 Euro bei Privatkunden. Eine Fahrt über 400 Kilometer bringt 220 bis 340 Euro. Ab dem dritten Jahr sind 4.200 bis 6.000 Euro Monatsumsatz realistisch, davon bleiben 2.200 bis 2.500 Euro zum Leben.
Das ist die entscheidende Frage des Berufs. Bahn oder Mitfahrgelegenheit kosten Zeit und Geld. Erfahrene planen Gegenaufträge: hinfahren mit dem einen Fahrzeug, zurück mit dem nächsten. Das verdoppelt den Tagesertrag bei gleicher Zeit.
Über spezialisierte Überführungsportale – dort steht die Auftragslage ab Tag eins, allerdings zu niedrigeren Sätzen. Parallel Autohäuser und Gebrauchtwagenhändler im Umkreis persönlich aufsuchen. Einmal zuverlässig liefern genügt, danach wird man angerufen.
Eine Betriebshaftpflicht mit ausdrücklichem Einschluss von Schäden am überführten Fahrzeug. Die Haftpflicht des Halters deckt Schäden an Dritten, nicht am Fahrzeug selbst – und genau dort liegt dein Risiko.

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