Nachhilfe geben ohne Ausbildung – geht das?
Ja. Nachhilfe zu geben ist eine der wenigen Tätigkeiten, für die es keinerlei formale Voraussetzung gibt. Kein Lehramtsstudium, keine Zulassung, keine Prüfung. Was zählt, ist, ob du einem Kind das Thema so erklären kannst, dass es hängen bleibt.
Und noch etwas macht diesen Beruf besonders: Unterrichtende Tätigkeit ist freiberuflich. Das bedeutet keine Gewerbeanmeldung, keine Gewerbesteuer, keinen Kammerbeitrag und dauerhaft die einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung – unabhängig davon, wie gut es läuft.
Startkapital: unter 500 Euro. Damit ist es der günstigste Einstieg unter allen 24 Berufen.
Der Bedarf hängt nicht an der Konjunktur, sondern an Zeugnissen. Zweimal im Jahr sitzen Eltern vor einer Note und wollen etwas tun – verlässlich, seit Jahrzehnten. Dazu kommt der Lehrermangel, der ganze Fächer über Monate ausfallen lässt.
Wer in Mathematik, Englisch, Deutsch, Physik oder Rechnungswesen sicher ist, hat in jeder Stadt mehr Anfragen, als er annehmen kann. Und die stärkste Werbung ist die günstigste: Eltern, deren Kind sich verbessert hat, erzählen es weiter.
Viele halten sich für nicht qualifiziert genug, weil sie kein Lehramt studiert haben. Das ist ein Missverständnis. Nachhilfe ist kein Unterricht, sondern Übersetzung – vom Schulbuch in verständliche Sprache. Wer den Stoff der Mittelstufe sicher beherrscht und geduldig ist, kann das. Häufig sogar besser als jemand, dem es nie schwergefallen ist.
Der Tag beginnt spät und endet früh – Nachhilfe findet zwischen 14 und 20 Uhr statt, wenn die Schule vorbei ist. Das macht den Beruf ungewöhnlich verträglich mit allem anderen: mit einem Vormittagsjob, mit Kindern, mit einem zweiten Standbein.
Eine Einheit dauert 45 bis 90 Minuten. Vier bis sechs Einheiten am Nachmittag sind gut machbar, mehr wird anstrengend – Erklären ermüdet stärker als es aussieht.
Am Anfang 20 bis 30 Minuten je Stunde, nach einem halben Jahr kaum noch. Die Themen wiederholen sich: Bruchrechnen, quadratische Gleichungen, Kurvendiskussion, Zeitformen, Erörterung. Wer sich einmal eine Sammlung eigener Aufgaben und Erklärwege aufgebaut hat, greift darauf jahrelang zurück.
Man sieht das Ergebnis. Ein Kind, das im Herbst nicht wusste, was ein Bruch ist, schreibt im Frühjahr eine Drei. Diese Rückmeldung bekommt man in kaum einem anderen der 24 Berufe so unmittelbar.
Deutlich schwankend, und das gehört eingeplant. September bis Februar ist die stärkste Zeit, März bis Mai die zweite. In den Sommerferien bricht es fast vollständig ein – außer bei Nachprüfungsvorbereitung, die dann sehr gut bezahlt wird.
Die Hauptgruppe. Klasse sieben bis zehn, meist Mathematik oder Englisch, oft nach einem enttäuschenden Zeugnis. Sie zahlen 20 bis 35 Euro je Einheit, buchen wöchentlich und bleiben ein bis drei Schuljahre.
Gefunden werden sie über Aushänge in Schulnähe, über lokale Elterngruppen, über das Google-Unternehmensprofil – und vor allem über Empfehlung. Nach den ersten drei zufriedenen Familien kommt die Akquise praktisch zum Erliegen, weil sie nicht mehr nötig ist.
Die besser zahlende Gruppe. Prüfungsvorbereitung in Mathematik, Physik oder Rechnungswesen bringt 30 bis 45 Euro je Einheit, oft in geballten Blöcken vor der Prüfung. Weniger planbar, dafür lukrativ.
Die am stärksten unterschätzte Gruppe. Umschüler vor der Prüfung, Menschen die den Hauptschulabschluss nachholen, Berufstätige mit Weiterbildung. Sie zahlen 35 bis 60 Euro, sind hochmotiviert und machen keine Termine aus.
Feste Honorare, planbare Kurse, keine Akquise. Für unterrichtende Tätigkeit an anerkannten Einrichtungen kann zudem die Umsatzsteuerbefreiung greifen – das lohnt die Nachfrage.
Eine kostenlose Probestunde. Eltern entscheiden danach, ob das Kind zurechtkommt – nicht nach Qualifikation. Der erste Schüler kommt bei sichtbarem Angebot meist binnen zwei Wochen.
Abgerechnet wird je Einheit. Die Sätze liegen zwischen 20 und 60 Euro, je nach Klassenstufe, Fach und Kundengruppe.
Nachmittags vier bis sechs, an fünf Tagen also 20 bis 30 in der Woche. Das ist die praktische Obergrenze für Einzelunterricht – mehr hält man auf Dauer nicht durch.
Fast nichts. Material, Kopien, Telefon, Fahrtkosten bei Hausbesuchen, Versicherung – zusammen 100 bis 250 Euro monatlich. Keine Gewerbesteuer, kein Kammerbeitrag. Damit hat dieser Beruf die höchste Gewinnmarge von allen 24.
Bei 3.000 Euro Umsatz bleiben rund 2.800 Euro Gewinn vor Steuern. Nach Einkommensteuer, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Altersvorsorge sind es 1.700 bis 2.000 Euro im Monat.
Das gilt für Einzelunterricht mit einem Schüler zur Zeit – also für die einfachste Form. Sie ist nicht die einzige.
Gruppen statt Einzelunterricht. Drei Schüler zu je 15 Euro bringen 45 statt 25 Euro in derselben Stunde – und Kinder lernen in kleinen Gruppen oft besser, weil sie sehen, dass sie mit dem Problem nicht allein sind.
Zweitens die Oberstufe. Derselbe Aufwand, der anderthalbfache Satz.
Wie sich Preise, Probestunden und der erste Schülerkreis aufbauen lassen, zeigt der Quick Guide Selbstständig als Nachhilfelehrer.
Die 1.700 bis 2.000 Euro aus der letzten Rechnung gelten für Einzelunterricht – eine Stunde, ein Schüler, ein Honorar. Das ist die einfachste Form und die mit der niedrigsten Decke. Alle drei Wege nach oben lösen genau diese Bindung.
Drei bis vier Schüler derselben Klassenstufe in einer Einheit. Je Schüler 14 bis 18 Euro, in der Summe 45 bis 70 Euro für dieselbe Stunde. Bei 25 Einheiten wöchentlich bedeutet das 4.500 bis 7.000 Euro im Monat statt 2.500.
Der Aufwand steigt kaum – dieselbe Vorbereitung, dieselbe Erklärung. Und pädagogisch ist es oft die bessere Form.
Ein kleiner Raum kostet 300 bis 600 Euro monatlich und macht mehreres möglich: parallele Gruppen, Ferienkurse, ein professionelles Erscheinungsbild. Wer zwei bis drei Honorarkräfte für Fächer einsetzt, die er selbst nicht abdeckt, betreut 60 statt 25 Schüler.
Eine gut laufende kleine Nachhilfeschule kommt auf 8.000 bis 15.000 Euro Monatsumsatz. Das sind keine Konzerne – das sind Einzelne, die vor fünf Jahren am Küchentisch angefangen haben.
Aufträge von Volkshochschulen, Kammern und Umschulungsträgern bringen feste Honorare ohne Akquise. Und wer eigene Ferienkurse oder Prüfungsvorbereitungen anbietet, verkauft dieselbe Vorbereitung mehrfach – an zwölf Teilnehmer statt an einen.
Wie Gruppen organisiert, Honorarkräfte eingebunden und eigene Kurse aufgebaut werden, steht im erweiterten Buch Dein Erfolgsweg als Nachhilfelehrer.
Wer an einer anerkannten Einrichtung unterrichtet, sollte die Umsatzsteuerbefreiung nach § 4 UStG prüfen – dafür ist meist eine Bescheinigung der Landesbehörde nötig, und die dauert. Früh beantragen lohnt sich.
Geduld, klare Sprache und die Fähigkeit, einen Sachverhalt auf drei verschiedene Arten zu erklären. Wer selbst mit einem Fach gerungen hat, erklärt es oft besser als jemand, dem es immer leichtfiel.
Wer nachmittags nicht kann, hat ein Problem – die Nachfrage liegt zwischen 14 und 20 Uhr. Wer schnell ungeduldig wird, ebenfalls. Und wer ein gleichmäßiges Einkommen über zwölf Monate braucht, sollte die Sommerpause vorher durchrechnen.
Diese Seite zeigt, worauf es ankommt. Der Quick Guide zeigt, wie es Schritt für Schritt geht — von der Anmeldung bis zum ersten Betreuungsvertrag.
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