Berufsbild · Band 08 von 24

Selbstständig als
Reinigungsservice

Reinigungsservice ohne Ausbildung – geht das?

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Der Beruf im Überblick

Ja. Gebäudereinigung ist zulassungsfrei – der Meisterbrief ist seit Jahren keine Voraussetzung mehr. Du meldest ein Gewerbe an und kannst am selben Tag anfangen.

Und noch etwas macht diesen Beruf besonders: Er hat die niedrigste Einstiegshürde von allen 24. Eimer, Wischsystem, Staubsauger, Mittel – mit 400 bis 900 Euro bist du arbeitsfähig. Kein Fahrzeug zwingend nötig, keine Werkstatt, keine Ausbildung.

Warum der Markt so verlässlich ist

Gereinigt wird immer. Nicht saisonal, nicht konjunkturabhängig, nicht nach Zeugnissen oder Wetterlage. Ein Treppenhaus muss jede Woche gemacht werden, eine Praxis jeden Abend, ein Büro dreimal die Woche – Jahr für Jahr.

Daraus ergibt sich der eigentliche Vorteil: Dieser Beruf lebt fast ausschließlich von Daueraufträgen. Wer zehn Objekte betreut, hat zehn Verträge und keine Akquise mehr. Das ist Planbarkeit, wie sie sonst nur Angestellte kennen.

Der Fachkräftemangel arbeitet für dich

Hausverwaltungen und Betriebe finden seit Jahren niemanden, der zuverlässig kommt. Wer pünktlich erscheint, ordentlich arbeitet und erreichbar ist, hat nach einem halben Jahr mehr Anfragen als Kapazität. Das ist kein Werbesatz, sondern die Rückmeldung jedes Verwalters, den man danach fragt.

Der verbreitetste Irrtum

Viele halten Reinigung für die letzte Wahl. Tatsächlich ist es der Beruf mit der besten Kombination aus niedrigem Risiko, sofortiger Nachfrage und klarem Wachstumspfad – und der einzige, in dem man vom ersten Tag an ohne Vorkenntnisse Geld verdient.

Wie der Arbeitstag aussieht

Die Arbeit findet dort statt, wo niemand stört: früh morgens vor Bürobeginn oder abends nach Feierabend. Das klingt unbequem und ist ein Vorteil – der Tag dazwischen gehört dir.

Ein typischer Ablauf: von sechs bis neun zwei bis drei Objekte, dann Pause, ab siebzehn Uhr die Abendtouren. Wer nur Treppenhäuser macht, arbeitet tagsüber und hat die Abende frei.

Der Rhythmus

Jedes Objekt hat seinen festen Tag und seine feste Zeit. Nach zwei Wochen läuft es ohne Nachdenken – man kennt die Wege, die Schlüssel, die Eigenheiten. Genau diese Wiederholung macht den Beruf körperlich leichter, als er aussieht.

Was die Zeit frisst

Fahrten zwischen den Objekten. Wer sie eng bündelt, schafft in derselben Zeit ein Drittel mehr – deshalb lohnt es, im Umkreis von zehn Kilometern zu bleiben und Objekte in derselben Straße zu bevorzugen.

Saison

Praktisch keine. Das ist unter den 24 Berufen die Ausnahme und ein echter Vorteil: kein Winterloch, keine Sommerpause, gleichmäßige Einnahmen über zwölf Monate.

Körperlich

Stehen, gehen, Treppen. Anstrengend, aber deutlich weniger belastend als Umzüge oder Bau. Mit gutem Gerät – Leichtwischsystem, Rückensauger – hält man das lange durch.

Wer dich beauftragt

Hausverwaltungen

Die wichtigste Gruppe. Treppenhausreinigung für Wohnanlagen, meist wöchentlich, im Vertrag über ein Jahr oder länger. Ein Objekt bringt 150 bis 450 Euro monatlich – planbar, ohne Angebot, ohne Akquise.

Der Weg dorthin ist unspektakulär und wirksam: Verwaltungen im Umkreis anrufen, nach dem Zuständigen für Objektbetreuung fragen, kurz vorstellen, Unterlagen schicken. Von zwanzig Anrufen ergeben sich zwei bis drei Gespräche und daraus meist ein Auftrag.

Büros, Praxen, Kanzleien

Die besser zahlende Gruppe. 25 bis 40 Euro je Stunde, feste Zeiten, oft mehrere Jahre derselbe Kunde. Praxen und Kanzleien wechseln ungern, weil Vertrauen und Schlüssel im Spiel sind.

Privathaushalte

Der schnellste Einstieg. 20 bis 30 Euro je Stunde, meist zwei bis vier Stunden alle ein bis zwei Wochen. Gut für die ersten Monate, gut zum Auffüllen von Lücken – und viele Privatkunden empfehlen weiter an ihren Arbeitgeber.

Sonderreinigung als Ergänzung

Bauendreinigung, Fensterreinigung, Grundreinigung nach Auszug, Teppichreinigung. Einmalaufträge mit 35 bis 60 Euro je Stunde – deutlich besser bezahlt und eine gute Ergänzung zu den festen Touren.

Was den Zuschlag bringt

Erreichbarkeit und eine feste Zusage. Der erste Auftrag kommt bei konsequenter Ansprache meist innerhalb von ein bis zwei Wochen – schneller als in jedem anderen der 24 Berufe.

Was sich verdienen lässt

Abgerechnet wird nach Stunden oder als Monatspauschale je Objekt. Die Pauschale ist besser: Wer nach einem halben Jahr schneller ist, verdient mehr statt gleich viel.

  • Privathaushalt: 20 bis 30 Euro je Stunde
  • Büro, Praxis, Kanzlei: 25 bis 40 Euro je Stunde
  • Treppenhaus, Monatspauschale: 150 bis 450 Euro je Objekt
  • Sonderreinigung, Bauendreinigung: 35 bis 60 Euro je Stunde

Abrechenbare Stunden

Bei Vollzeit 110 bis 130 Stunden im Monat – mehr als in fast jedem anderen der 24 Berufe, weil kaum Zeit für Angebote und Verwaltung draufgeht. Die Aufträge wiederholen sich.

Monatsumsatz nach Jahren

  • Erstes Jahr: 1.500 bis 2.800 Euro, je nachdem wie schnell die ersten Verträge kommen
  • Zweites Jahr: 2.800 bis 4.000 Euro
  • Ab dem dritten Jahr: 4.000 bis 5.500 Euro mit vollem Objektbestand

Was abgeht

  • Reinigungsmittel und Verbrauchsmaterial: 150 bis 300 Euro monatlich
  • Geräteersatz und Wartung: 50 bis 120 Euro monatlich
  • Fahrzeug, sofern nötig: 250 bis 500 Euro monatlich
  • Betriebshaftpflicht, Berufsgenossenschaft, Buchhaltung: 100 bis 200 Euro monatlich

Nach Kosten bleiben 70 bis 80 Prozent des Umsatzes – der beste Wert unter den handwerksnahen Berufen.

Was allein zum Leben bleibt

Bei 4.500 Euro Umsatz bleiben rund 3.400 Euro Gewinn vor Steuern. Nach Einkommensteuer, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Altersvorsorge sind es 1.900 bis 2.200 Euro im Monat.

Das gilt für den, der jedes Objekt selbst reinigt. Und in diesem Beruf ist der Schritt darüber hinaus einfacher als in allen anderen.

Woran sich sofort etwas drehen lässt

Monatspauschale statt Stundenlohn. Und der Anteil gewerblicher Objekte: 15 Euro mehr je Stunde bei derselben Arbeit.

Wie Objektpauschalen kalkuliert und die ersten Verträge gewonnen werden, zeigt der Quick Guide Selbstständig im Reinigungsservice.

Was daraus werden kann

Die 1.900 bis 2.200 Euro aus der letzten Rechnung gelten für einen, der jedes Objekt selbst putzt. Kein anderer der 24 Berufe lässt sich so einfach vergrößern – weil die Arbeit sich zerlegen und übergeben lässt, ohne dass Qualität verlorengeht.

Stufe eins: die ersten Reinigungskräfte

Eine Kraft auf Minijob-Basis kostet 15 bis 18 Euro je Stunde inklusive Nebenkosten und erwirtschaftet 25 bis 40. Die Differenz bleibt im Betrieb – bei jedem Objekt, jede Woche, ohne dass du dort erscheinst.

Schon drei Kräfte mit je 15 Wochenstunden bringen 3.000 bis 4.500 Euro zusätzlichen Rohertrag im Monat. Das ist der schnellste Sprung unter allen 24 Berufen.

Stufe zwei: Objekte statt Stunden

Ab acht bis zehn Kräften verschiebt sich die eigene Rolle vollständig: Akquise, Einteilung, Qualitätskontrolle, Abrechnung. Wer selbst nicht mehr putzt, kann dreißig statt zehn Objekte betreuen.

Ein Reinigungsbetrieb mit zehn Teilzeitkräften kommt auf 15.000 bis 30.000 Euro Monatsumsatz. Das ist in jeder mittleren Stadt der Normalfall – und fast alle haben mit einem Eimer angefangen.

Stufe drei: die lukrativen Nischen

Bauendreinigung, Glas- und Fassadenreinigung, Industriereinigung, Desinfektion in Pflegeeinrichtungen. Höhere Sätze, weniger Wettbewerb, oft Rahmenverträge über Jahre. Wer eine dieser Nischen besetzt, arbeitet mit demselben Personal zu deutlich besseren Konditionen.

Wie Personal eingestellt, eingeteilt und kontrolliert wird und wann sich der Sprung rechnet, steht im erweiterten Buch Dein Erfolgsweg im Reinigungsservice.

Was du wirklich brauchst

Rechtlich zwingend

  • Gewerbeanmeldung, 20 bis 60 Euro. Gebäudereinigung ist zulassungsfrei – Eintragung in die Handwerksrolle als zulassungsfreies Handwerk, ohne Meisterbrief.
  • Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft binnen einer Woche
  • Bei Personal: Sofortmeldepflicht vor dem ersten Arbeitstag – der Zoll kontrolliert in dieser Branche regelmäßig
  • Branchenmindestlohn für Gebäudereinigung beachten, er liegt über dem allgemeinen

Praktisch nötig

  • Wischsystem mit Moppgarnitur, Eimer, Reinigungswagen: 200 bis 450 Euro
  • Staubsauger in gewerblicher Qualität: 150 bis 400 Euro
  • Grundausstattung Mittel und Tücher: 80 bis 200 Euro
  • Fahrzeug, sobald mehrere Objekte am Tag anstehen – anfangs reicht ein Kombi
  • Betriebshaftpflicht mit Einschluss von Schlüsselverlust: Wer Objektschlüssel verwahrt und einen verliert, haftet sonst für die Schließanlage

Persönlich hilfreich

Zuverlässigkeit vor allem anderen. Wer immer zur selben Zeit erscheint, wird nie gewechselt. Dazu Gründlichkeit und die Fähigkeit, in fremden Räumen diskret zu bleiben.

Wofür der Beruf nicht taugt

Wer früh morgens oder abends nicht kann, findet schwer Objekte – dort liegen die Zeiten. Wer Abwechslung braucht, wird die Wiederholung als eintönig empfinden. Und wer Allergien gegen Reinigungsmittel hat, sollte das vorher klären.

Häufige Fragen

Nein. Gebäudereinigung ist ein zulassungsfreies Handwerk – der Meisterbrief ist keine Voraussetzung mehr. Du meldest ein Gewerbe an und lässt dich in die Handwerksrolle eintragen, ohne Prüfung.
400 bis 900 Euro. Wischsystem, gewerblicher Staubsauger, Grundausstattung an Mitteln und die Anmeldung – mehr braucht es nicht. Das ist die niedrigste Einstiegshürde unter allen 24 Berufen.
20 bis 30 Euro je Stunde bei Privathaushalten, 25 bis 40 Euro bei Büros und Praxen, 150 bis 450 Euro Monatspauschale je Treppenhaus. Ab dem dritten Jahr sind 4.000 bis 5.500 Euro Monatsumsatz realistisch, davon bleiben 1.900 bis 2.200 Euro zum Leben.
Über Hausverwaltungen – Treppenhausreinigung läuft im Dauervertrag und ist der stabilste Auftragstyp überhaupt. Liste der Verwaltungen im Umkreis erstellen, anrufen, nach dem Zuständigen für Objektbetreuung fragen. Der erste Auftrag kommt meist binnen ein bis zwei Wochen.
Ja, und der Beruf ist dafür ideal. Gereinigt wird früh morgens und abends – beides lässt sich neben einem normalen Arbeitstag unterbringen. Drei Treppenhäuser bringen bereits 500 bis 1.000 Euro im Monat.
Eine Betriebshaftpflicht mit ausdrücklichem Einschluss von Schlüsselverlust. Wer Objektschlüssel verwahrt und einen verliert, haftet unter Umständen für den Austausch einer ganzen Schließanlage – das sind schnell mehrere tausend Euro.
Ja, und der Beruf ist dafür ideal. Gereinigt wird früh morgens und abends – beides lässt sich neben einem normalen Arbeitstag unterbringen. Drei Treppenhäuser bringen bereits 500 bis 1.000 Euro im Monat.

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