Berufsbild · Band 13 von 24

Selbstständig als
Babysitter

Kinderbetreuung ohne Ausbildung – geht das?

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Der Beruf im Überblick

Ja. Stundenweise Kinderbetreuung im Haushalt der Familie ist ohne Ausbildung möglich. Kein Abschluss, keine Zulassung, keine Prüfung.

Die Grenze verläuft bei der Kindertagespflege: Wer regelmäßig mehr als fünfzehn Stunden wöchentlich und mehr als drei Monate lang Kinder außerhalb ihres Elternhauses betreut, braucht eine Pflegeerlaubnis nach § 43 SGB VIII. Das ist keine Hürde, sondern eine Chance – dazu gleich mehr.

Startkapital: unter 300 Euro. Der günstigste Einstieg der ganzen Reihe.

Warum die Nachfrage nicht abreißt

Betreuungsplätze sind knapp, Randzeiten sind gar nicht abgedeckt. Kitas schließen um sechzehn Uhr, Schulen um dreizehn. Eltern arbeiten im Schichtdienst, in der Pflege, im Handel, in der Gastronomie – dort, wo die Arbeit nicht um fünf endet.

Wer zuverlässig ist und auch mal am Abend oder Samstag kann, hat in jeder Stadt mehr Anfragen als Kapazität. Und die Familien wechseln nicht: Wer einmal das Vertrauen für sein Kind gegeben hat, gibt es nicht leichtfertig weiter.

Der Weg, den kaum jemand kennt

Die Kindertagespflege. Wer eine Pflegeerlaubnis erwirbt, darf bis zu fünf Kinder gleichzeitig betreuen – und wird vom Jugendamt bezuschusst oder direkt vergütet. Aus 15 Euro die Stunde für ein Kind werden 40 bis 60 Euro für fünf.

Der Qualifizierungskurs umfasst 160 Unterrichtsstunden und wird vielerorts gefördert. Das ist der größte Hebel dieses Berufs.

Der verbreitetste Irrtum

Viele halten das für einen Schülerjob. Tatsächlich suchen Eltern gerade Erwachsene mit Lebenserfahrung – und zahlen dafür deutlich mehr. Ein Einstieg mit fünfzig ist hier ein Vorteil, kein Nachteil.

Wie der Arbeitstag aussieht

Die Arbeit liegt dort, wo Betreuung fehlt: nachmittags nach Kita und Schule, abends, an Wochenenden, in den Ferien. Das ist ungewöhnlich und für viele der eigentliche Vorteil – der Vormittag bleibt frei.

Ein Einsatz dauert drei bis sechs Stunden: abholen, Hausaufgaben, spielen, kochen, ins Bett bringen. Bei Tagespflege sind es sechs bis neun Stunden mit festem Ablauf.

Was den Beruf ausmacht

Man begleitet Kinder über Jahre. Man sieht, wie aus dem Vierjährigen ein Schulkind wird. Diese Beziehung entsteht in keinem anderen der 24 Berufe – und sie ist der Grund, warum viele dabeibleiben.

Was fordert

Präsenz. Man kann nicht nebenher telefonieren oder Papiere sortieren. Sechs Stunden mit zwei Kindern sind sechs Stunden Aufmerksamkeit. Wer das kennt, plant Pausen zwischen den Einsätzen ein.

Saison

Gleichmäßig mit deutlichen Spitzen. Ferienzeiten sind ausgebucht, weil Kitas schließen und Eltern arbeiten müssen – und werden mit Zuschlägen bezahlt. Wer Ferienbetreuung anbietet, hat die bestbezahlten Wochen des Jahres.

Körperlich

Moderat: viel auf dem Boden sitzen, kleine Kinder heben, draußen sein. Der Beruf ist körperlich leicht, aber nicht anstrengungsfrei – Kinder fordern Aufmerksamkeit, und die ermüdet.

Wer dich beauftragt

Berufstätige Eltern

Die Hauptgruppe. Zwei Elternteile im Beruf, Betreuungslücke am Nachmittag oder in den Randzeiten. Sie zahlen 12 bis 20 Euro je Stunde und buchen fest – dieselben Tage, dieselben Zeiten, über Jahre.

Gefunden werden sie über Vermittlungsportale, Aushänge bei Kitas und Schulen, lokale Elterngruppen und über Empfehlung. In dieser Zielgruppe ist die Empfehlung alles: Eltern fragen andere Eltern.

Alleinerziehende

Die Gruppe mit dem größten Bedarf. Oft im Schichtdienst, oft ohne Familie in der Nähe. Wer zu ungewöhnlichen Zeiten kann, ist für diese Familien unersetzlich.

Familien mit besonderem Bedarf

Nachtbereitschaft, Betreuung kranker Kinder, Kinder mit Förderbedarf. Deutlich besser bezahlt – 20 bis 35 Euro je Stunde – und dauerhaft gesucht, weil kaum jemand es anbietet.

Das Jugendamt bei Kindertagespflege

Der planbarste Weg. Wer eine Pflegeerlaubnis hat, wird vom Jugendamt vermittelt und teils direkt vergütet. Die Plätze sind vergeben, bevor sie ausgeschrieben werden.

Was den Zuschlag bringt

Ein ruhiges Kennenlernen, ein erweitertes Führungszeugnis unaufgefordert vorgelegt und Verlässlichkeit bei Terminen. Eltern entscheiden nach Vertrauen, nicht nach Preis.

Der erste Kunde kommt bei sichtbarem Angebot meist innerhalb von ein bis zwei Wochen – und bleibt oft Jahre.

Was sich verdienen lässt

Abgerechnet wird je Stunde, bei Tagespflege je Kind und Monat.

  • Stundenweise Betreuung: 12 bis 20 Euro
  • Abend- und Wochenendbetreuung: 15 bis 25 Euro
  • Betreuung kranker Kinder oder mit Förderbedarf: 20 bis 35 Euro
  • Ferienbetreuung ganztags: 60 bis 110 Euro je Tag
  • Kindertagespflege, je Kind und Monat: 400 bis 900 Euro je nach Kommune und Stundenumfang

Der entscheidende Unterschied

Stundenweise Betreuung eines Kindes bringt 15 Euro. Kindertagespflege mit fünf Kindern bringt in derselben Stunde 40 bis 60 Euro – bei nur unwesentlich mehr Aufwand, weil Kinder in der Gruppe miteinander spielen.

Das ist der Punkt, an dem aus einem Zuverdienst ein Beruf wird.

Monatsumsatz nach Jahren

  • Stundenweise, nebenberuflich: 400 bis 1.200 Euro
  • Stundenweise, Vollzeit: 1.600 bis 2.600 Euro
  • Kindertagespflege mit vier bis fünf Kindern: 2.400 bis 4.500 Euro

Was abgeht

  • Bei stundenweiser Betreuung fast nichts: Fahrtkosten, Versicherung, Buchhaltung – 80 bis 180 Euro monatlich
  • Bei Tagespflege: Ausstattung, Verpflegung, Material, Raumkosten – 400 bis 900 Euro monatlich
  • Fortbildung und Führungszeugnis: 30 bis 80 Euro monatlich

Was zum Leben bleibt

Bei stundenweiser Vollzeitbetreuung mit 2.400 Euro Umsatz bleiben rund 2.200 Euro Gewinn vor Steuern, also 1.400 bis 1.600 Euro nach allen Abzügen.

In der Kindertagespflege mit 4.000 Euro Umsatz sind es rund 3.200 Euro Gewinn und damit 1.900 bis 2.200 Euro zum Leben – bei Tätigkeit in den eigenen Räumen und ohne Fahrten.

Woran sich sofort etwas drehen lässt

Die Pflegeerlaubnis und der Schritt zur Tagespflege. Zweitens die Randzeiten: Abende, Wochenenden und Ferien sind die bestbezahlten Stunden und am wenigsten umkämpft.

Wie die Erlaubnis beantragt und der erste Familienkreis aufgebaut wird, zeigt der Quick Guide Selbstständig mit Kinderbetreuung.

Was daraus werden kann

Die 1.400 bis 1.600 Euro aus der stundenweisen Betreuung sind der Einstieg. Dieser Beruf hat drei Stufen, und die erste verdreifacht bereits den Stundenertrag.

Stufe eins: die Pflegeerlaubnis

Der Qualifizierungskurs umfasst 160 Unterrichtsstunden und wird in vielen Kommunen gefördert oder ganz übernommen. Mit der Erlaubnis nach § 43 SGB VIII darfst du bis zu fünf Kinder gleichzeitig betreuen.

Aus 15 Euro je Stunde werden 40 bis 60. Der Monatsumsatz steigt von 2.400 auf 4.000 bis 4.500 Euro – bei weniger Fahrten und festen Zeiten.

Dazu kommt: Tagespflegepersonen werden vom Jugendamt vermittelt. Die Akquise endet.

Stufe zwei: Großtagespflege

Zwei bis drei Tagespflegepersonen betreuen gemeinsam bis zu zehn Kinder in geeigneten Räumen. Das bringt 8.000 bis 15.000 Euro Monatsumsatz für die Gemeinschaft – und für jede Einzelne planbare Arbeitszeiten, Vertretung bei Krankheit und Urlaub.

Kommunen unterstützen diese Form häufig mit Zuschüssen für Räume und Ausstattung, weil sie Betreuungsplätze schafft, die dringend fehlen.

Stufe drei: Spezialisierung und eigene Angebote

Ferienbetreuung als eigenes Programm, Notfallbetreuung für Unternehmen, Betreuung mit Förderschwerpunkt, Randzeitenbetreuung für Kliniken und Pflegeheime – deren Personal arbeitet im Schichtdienst und findet nichts.

Unternehmen zahlen für verlässliche Notfallbetreuung ihrer Mitarbeiter deutlich über den privaten Sätzen. Das ist ein wachsender Markt mit wenigen Anbietern.

Wie Pflegeerlaubnis, Großtagespflege und Firmenangebote aufgebaut werden, steht im erweiterten Buch Dein Erfolgsweg mit Kinderbetreuung.

Was du wirklich brauchst

Rechtlich zwingend

  • Erweitertes Führungszeugnis – verlangen alle Familien und alle Ämter
  • Gewerbeanmeldung bei gewerbsmäßiger Betreuung; Kindertagespflege gilt in der Regel als selbstständige Tätigkeit und wird beim Finanzamt angemeldet
  • Pflegeerlaubnis nach § 43 SGB VIII, sobald mehr als fünfzehn Stunden wöchentlich und länger als drei Monate außerhalb des Elternhauses betreut wird
  • Für die Erlaubnis: Qualifizierungskurs von 160 Stunden, Gesundheitszeugnis, Erste-Hilfe-Kurs am Kind, Prüfung der Räume

Praktisch nötig

  • Bei Betreuung im Haushalt der Familie: fast nichts
  • Bei Tagespflege in eigenen Räumen: kindgerechte Ausstattung, Schlafmöglichkeiten, gesicherte Steckdosen, Außenbereich – 2.000 bis 6.000 Euro, oft bezuschusst
  • Erste-Hilfe-Kurs am Kind, alle zwei Jahre aufzufrischen
  • Betriebshaftpflicht mit ausdrücklichem Einschluss der Kinderbetreuung
  • Betreuungsvertrag mit Regelungen zu Krankheit, Urlaub und Kündigung

Persönlich hilfreich

Geduld, Ruhe und Verlässlichkeit. Lebenserfahrung ist ein Vorteil – Eltern vertrauen einer Fünfzigjährigen oft mehr als einer Zwanzigjährigen. Wer eigene Kinder großgezogen hat, bringt das Wichtigste bereits mit.

Wofür der Beruf nicht taugt

Wer nachmittags und abends nicht verfügbar ist, findet kaum Einsätze – dort liegt der Bedarf. Wer Ruhe braucht, wird die Dauerpräsenz als anstrengend empfinden. Und wer keine Verantwortung für fremde Kinder tragen möchte, sollte einen anderen der 24 Wege prüfen.

Häufige Fragen

Für stundenweise Betreuung im Haushalt der Familie nicht. Wer regelmäßig mehr als fünfzehn Stunden wöchentlich und länger als drei Monate außerhalb des Elternhauses betreut, braucht eine Pflegeerlaubnis nach § 43 SGB VIII – dafür ist ein Qualifizierungskurs von 160 Stunden nötig.
Mit ihr darfst du bis zu fünf Kinder gleichzeitig betreuen und wirst vom Jugendamt vermittelt oder direkt vergütet. Aus 15 Euro je Stunde für ein Kind werden 40 bis 60 Euro für fünf. Der Qualifizierungskurs wird in vielen Kommunen gefördert oder ganz übernommen.
Für stundenweise Betreuung unter 300 Euro – Führungszeugnis, Erste-Hilfe-Kurs, Versicherung. Für Kindertagespflege in eigenen Räumen kommen 2.000 bis 6.000 Euro für die Ausstattung dazu, die vielerorts bezuschusst wird.
12 bis 20 Euro je Stunde stundenweise, 20 bis 35 Euro bei besonderem Bedarf, 60 bis 110 Euro je Tag Ferienbetreuung. In der Kindertagespflege mit vier bis fünf Kindern sind 2.400 bis 4.500 Euro Monatsumsatz realistisch, davon bleiben 1.900 bis 2.200 Euro zum Leben.
Über Aushänge bei Kitas und Schulen, lokale Elterngruppen und Vermittlungsportale. Die stärkste Quelle ist die Empfehlung – Eltern fragen andere Eltern. Wer ein erweitertes Führungszeugnis unaufgefordert vorlegt, schafft sofort Vertrauen.
Ja, und der Bedarf liegt genau in den Randzeiten: nachmittags, abends, an Wochenenden und in den Ferien. Zwei Familien mit je acht Stunden pro Woche bringen bereits 800 bis 1.300 Euro im Monat.
Eine Betriebshaftpflicht mit ausdrücklichem Einschluss der Kinderbetreuung – die private Haftpflicht deckt Schäden bei beruflicher Betreuung fremder Kinder nicht. Bei Kindertagespflege ist sie ohnehin Voraussetzung für die Erlaubnis.

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