Buchhaltung 5 Min. Lesezeit

Monatsabschluss:
Was wirklich nötig ist.

Buchhaltung ist nicht das, was du im März machst, sondern das, was du jeden Monatsanfang erledigst. Wer einmal die Routine eingerichtet hat, braucht 30 Minuten pro Monat - und nie wieder 3 Wochenenden im März. Was wirklich in den Monatsabschluss gehört, und was du dir sparen kannst.

Warum monatlich, nicht jährlich

Monatsabschluss: fünf Schritte am Monatsende Ablauf Monatsabschluss: Belege vollständig, Konten abgleichen, Ergebnis rechnen, Rücklagen stellen, USt vorbereiten Belege vollständig? Konten abgleichen Ergebnis Einnahmen minus Ausgaben Rücklagen 30 % für Steuer zurücklegen USt vorbereiten Zeitaufwand: ca. 30–60 Minuten monatlich. Wer das jährlich macht, braucht einen ganzen Tag.
Monatsabschluss – fünf Schritte, einmal im Monat

Die häufigste Selbstständigen-Buchhaltungs-Strategie: einmal im März/April das ganze Vorjahr aufarbeiten. Drei Wochenenden voll, schlechte Laune, Belege durchsuchen, Fragen, die keiner mehr beantworten kann.

Drei Gründe, warum monatlich besser ist:

  • Es ist nicht mehr Arbeit – nur verteilt. Monatlich 30 Min × 12 = 6 Stunden. Im März 3 Wochenenden = 30 Stunden. Verteilung spart das 5-Fache an Zeit.
  • Belege sind frisch. „Was war diese Tankrechnung?" weißt du nach 3 Tagen, nicht nach 10 Monaten.
  • Du siehst dein Geschäft. Monatliche Zahlen zeigen Trends, jährliche zeigen nur das Endergebnis. Wer früh sieht „mein Umsatz fällt seit 3 Monaten", kann reagieren.

Die Sache ist nicht „Disziplin haben" – die Sache ist „kurze Routine etablieren".

Die 30-Minuten-Routine

Jeden ersten Werktag im Monat, 30 Minuten. Sechs Schritte:

1. Geschäftskonto sichten (5 Min). Letzten Monat alle Bewegungen durchgehen. Jede Buchung kategorisieren (in Software automatisch zugeordnet, in Excel manuell). Privatpaar entfernen, falls da was reingerutscht ist.

2. Belege sortieren (10 Min). Sämtliche Belege des Vormonats sammeln und je nach System ablegen (Aktenordner, digital im Cloud-Ordner, in der Buchhaltungssoftware hochladen). Beleg fehlt? Nachfordern – nicht später.

3. Ausgangsrechnungen prüfen (5 Min). Welche sind bezahlt, welche überfällig? Bei Überfälligkeit: heute Brief 1 (freundliche Erinnerung) raus.

4. USt-Voranmeldung erstellen (5 Min). In der Buchhaltungssoftware: Klick „UStVA generieren", Zahlen prüfen, an ELSTER schicken. Zahlung am 10. erfolgt automatisch via SEPA-Lastschrift.

5. Kurze Auswertung (3 Min). Was war der Monatsumsatz? Wie viel davon ist Gewinn? Wie viele Stammkunden, wie viele neue? Auf einer A4-Seite ein Monatsblatt.

6. Steuer-Rücklage (2 Min). 25–35% des Gewinns aufs Steuer-Konto überweisen. Sofort, nicht später.

Macht 30 Minuten. Wer das 6 Monate konsequent durchhält, kennt es im Schlaf.

Was du quartalsweise zusätzlich machst

Drei Aufgaben, die nur 4× im Jahr fällig sind, jeweils am Anfang des Quartals:

1. Abschreibungen aktualisieren (10 Min). Inventarliste durchgehen, Neuanschaffungen ergänzen, ausgemusterte Geräte streichen. AfA-Beträge aktualisieren.

2. Stammkunden-Status (15 Min). Wer hat in den letzten 90 Tagen gebucht? Wer nicht? Bei Letzteren: kurze persönliche Nachricht („Hallo Frau Schmitt, alles gut bei Ihnen?").

3. Zahlen vs. Plan (10 Min). Was war das Quartalsziel? Was ist erreicht? Was muss im nächsten Quartal anders laufen?

Zusätzlich am Ende jedes Quartals: USt-Voranmeldung-Eingang prüfen (falls quartalsweise abgegeben).

Was du dir sparen kannst

Fünf Dinge, die im Solo-Geschäft meistens überflüssig sind:

1. Wöchentliche Buchhaltung. Wer im Wochenrhythmus alle Belege erfasst, optimiert sich zu Tode. Monatlich reicht für 95 Prozent der Solo-Selbstständigen.

2. Detaillierter Cashflow-Plan auf Wochenebene. Sinnvoll für Geschäfte mit 50+ Kunden und stark schwankendem Eingang. Für Solo-Selbstständige genügt der Monats-Cashflow.

3. KPI-Cockpits mit 12 Kennzahlen. Schauen klug aus, helfen niemandem. Ein Monatsumsatz, ein Monatsgewinn, eine Stammkunden-Zahl, eine Neukunden-Zahl. Das reicht.

4. Komplette doppelte Buchführung. Wer EÜR-pflichtig ist, braucht keine doppelte Buchführung mit Soll und Haben. Einnahmen-Überschuss reicht und ist deutlich einfacher.

5. Wirtschaftsprüfer für Solo-Geschäfte. Wer keine Aktiengesellschaft ist, braucht keinen Wirtschaftsprüfer. Maximal einen Steuerberater für den Jahresabschluss – das reicht meistens komplett.

Realität: Buchhaltungsperfektionismus kann genauso teuer sein wie Buchhaltungsschluderei. Wer 8 Stunden pro Monat für Buchhaltung aufwendet, verliert 6 Stunden Stundensatz – das ist mehr als ein guter Steuerberater pro Jahr kostet. Pragmatisch sein.

Was du heute tun solltest

  1. Festen Termin im Kalender: jeden ersten Werktag im Monat, 9:00–9:30, „Monatsabschluss".
  2. Sechs Schritte oben auf einem Blatt drucken, am Schreibtisch sichtbar.
  3. Falls Buchhaltungssoftware noch nicht eingerichtet: lexoffice oder sevDesk-Probemonat starten – die Routine wird damit halb so lang.
  4. Drei Monate konsequent durchhalten. Ab dem vierten läuft sie von selbst.

Buchhaltung als Selbstständiger ist nicht das, was im März passiert. Es ist das, was am 1. jedes Monats nicht mehr als 30 Minuten dauert. Wer die Routine etabliert, verbringt nie wieder ein Wochenende im März am Schreibtisch.

FAQ

Häufige Fragen

Warum monatlich statt jährlich abschließen?

Es ist nicht mehr Arbeit, nur verteilt: monatlich rund 30 Minuten gegen mehrere Wochenenden im März. Außerdem sind die Belege frisch und man erkennt Trends im Geschäft früh genug, um zu reagieren.

Was gehört in den Monatsabschluss?

Das Geschäftskonto sichten und kategorisieren, Belege ablegen, Ausgangsrechnungen auf Überfälligkeit prüfen, die USt-Voranmeldung erstellen, eine kurze Auswertung und die Steuerrücklage von 25 bis 35 Prozent des Gewinns überweisen.

Wie viel Zeit sollte die Buchhaltung im Monat kosten?

Für die meisten Solo-Selbstständigen reichen rund 30 Minuten im Monat. Wer 8 Stunden aufwendet, verliert mehr an Stundensatz, als ein Steuerberater im Jahr kostet; auch Buchhaltungsperfektionismus ist teuer.

Was kann ich mir im Solo-Geschäft sparen?

Wöchentliche Buchhaltung, Cashflow-Pläne auf Wochenebene, KPI-Cockpits mit vielen Kennzahlen, die doppelte Buchführung bei EÜR-Pflicht und einen Wirtschaftsprüfer. Wenige klare Zahlen wie Umsatz, Gewinn und Kundenzahl genügen.