Fotografie wird in Tagessätzen und Paketpreisen abgerechnet. Das verdeckt, wie viel Arbeit tatsächlich dahintersteckt – und ist der Grund, warum viele Fotografen sich verrechnen.
Was üblich ist
Hochzeiten: 800 bis 2.500 Euro je nach Umfang und Region. Porträt- und Bewerbungsshootings: 150 bis 450 Euro. Businessporträts für Unternehmen: 200 bis 500 Euro je Person, bei mehreren gestaffelt.
Immobilienfotografie: 150 bis 400 Euro je Objekt. Produktfotografie: 15 bis 60 Euro je Artikel bei größeren Serien.
Der Tagessatz für Reportage und Veranstaltungen liegt bei 600 bis 1.400 Euro.
Die Stunden, die niemand sieht
Das ist der Kern der Rechnung. Bei einer Hochzeit für 1.500 Euro:
- Vorgespräch und Planung: 2 bis 3 Stunden
- Anfahrt und Aufbau: 1 bis 2 Stunden
- Fotografieren: 8 bis 12 Stunden
- Sichtung und Auswahl: 3 bis 5 Stunden
- Bearbeitung von 300 bis 600 Bildern: 10 bis 20 Stunden
- Übergabe, Nachfragen, Album: 2 bis 4 Stunden
Zusammen 26 bis 46 Stunden. Bei 1.500 Euro sind das 33 bis 58 Euro je Stunde brutto – nicht die 150, die der Tagessatz suggeriert.
Die Nachbearbeitung ist der Posten, der über den Ertrag entscheidet. Wer sie beherrscht und zügig arbeitet, verdient das Doppelte des Anfängers bei identischem Preis.
Wie viele Aufträge zusammenkommen
Hochzeiten konzentrieren sich auf Mai bis September – 12 bis 25 im Jahr sind für einen Einzelfotografen das Maximum, weil die Bearbeitung mitläuft.
Porträts und Business gehen ganzjährig, 4 bis 12 im Monat sind machbar.
Der realistische Jahresumsatz
Erstes Jahr: 8.000 bis 20.000 Euro. Zweites bis drittes Jahr mit Referenzen: 30.000 bis 55.000 Euro.
Darüber liegt, wer sich auf ein gut zahlendes Segment festgelegt hat – Werbung, Architektur oder hochpreisige Hochzeiten.
Was abgeht
- Ausrüstung, Ersatz und Erweiterung: 1.500 bis 4.000 Euro im Jahr
- Software, Speicher, Datensicherung: 400 bis 900 Euro
- Website, Portfolio, Werbung: 500 bis 2.000 Euro
- Versicherungen und Fahrtkosten: 1.200 bis 3.000 Euro
Bei 45.000 Euro Umsatz bleiben rund 37.000 Euro Gewinn vor Steuern.
Was am Ende bleibt
Hier wirkt die Künstlersozialkasse. Wer dort versichert ist, zahlt nur die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge – bei 37.000 Euro Gewinn sind das mehrere hundert Euro monatlich mehr in der Tasche.
Netto bleiben damit etwa 2.200 bis 2.600 Euro im Monat statt 1.800 bis 2.100 ohne.
Woran sich etwas drehen lässt
An der Bearbeitungszeit, nicht am Preis. Wer 20 Stunden für eine Hochzeit bearbeitet statt 12, verschenkt einen halben Tagessatz.
Und an der Paketgestaltung: Ein Zusatzprodukt – Album, Abzüge, erweiterte Nutzungsrechte – bringt Marge ohne zusätzliche Aufnahmezeit.
Quellen
- Versicherungspflicht und Beitragstragung in der Künstlersozialversicherung (§§ 1, 15 KSVG). gesetze-im-internet.de
- Einräumung von Nutzungsrechten (§ 31 UrhG). gesetze-im-internet.de
- Beiträge freiwillig Versicherter zur Krankenversicherung (§ 240 SGB V). gesetze-im-internet.de
Wie Pakete kalkuliert und Anfragen in Aufträge verwandelt werden, steht im Quick Guide Selbstständig als Fotograf.