Auf den ersten Blick ist die Sache klar: Wer für eine Wohnung pro Nacht 80 Euro bekommt, verdient in einem gut gebuchten Monat deutlich mehr als mit einer Dauermiete. Doch dieser erste Blick täuscht, weil er die halbe Rechnung weglässt.
Die Einnahmenseite
Der Übernachtungspreis ist nicht dein Umsatz. Entscheidend ist die Auslastung – wie viele Nächte im Monat tatsächlich gebucht sind. Die schwankt stark nach Lage, Saison und Wochentag. Eine Wohnung in einer Tourismusstadt läuft im Sommer voll und im November halbleer; eine Wohnung ohne besonderen Anziehungspunkt bleibt oft dauerhaft dünn gebucht. Rechne deshalb nie mit dem vollen Kalender, sondern mit einer realistischen Auslastung übers Jahr, und zieh die Plattformgebühren ab, die bei jeder Buchung anfallen.
Die Kostenseite, die niemand gern rechnet
Hier liegt der eigentliche Unterschied zur Dauermiete. Jeder Gästewechsel bedeutet Reinigung, Wäsche, Verbrauchsmaterial und Kommunikation. Entweder machst du das selbst – dann ist es Arbeit, keine passive Einnahme – oder du bezahlst eine Reinigungskraft, was pro Wechsel ins Geld geht. Dazu kommen Ausstattung und deren Verschleiß, höhere Nebenkosten und eine gewerbliche Versicherung. Und bei kurzer Vermietung nutzt sich die Wohnung schneller ab als bei einem sorgsamen Dauermieter.
Der Faktor Zeit
Die Dauermiete ist nahezu passiv: einmal vermietet, kommt die Miete monatlich. Airbnb ist ein kleiner Betrieb – Anfragen beantworten, Übergaben organisieren, Bewertungen pflegen, Probleme lösen, oft auch abends und am Wochenende. Wer diese Stunden ehrlich mit einrechnet, sieht: Die höhere Einnahme ist zum Teil schlicht bezahlte Arbeit.
Wann es sich lohnt
Airbnb lohnt sich vor allem dort, wo drei Dinge zusammenkommen: eine Lage mit echter Nachfrage, eine hohe erreichbare Auslastung und die Bereitschaft, den Betrieb aktiv zu führen. In einer gefragten Stadt, mit guter Organisation und ohne Scheu vor der laufenden Arbeit kann der Ertrag deutlich über der Dauermiete liegen. Fehlt einer dieser drei Faktoren – schwache Lage, dünne Auslastung oder keine Zeit –, ist die klassische Vermietung oft der ruhigere und unterm Strich kaum schlechtere Weg. Die ehrliche Antwort lautet also: Es kann sich klar lohnen, aber nur, wenn die Rechnung mit allen Kosten und deiner Zeit noch aufgeht.
Was am Ende übrig bleibt und ab wann sich der Beruf trägt, rechnet der Quick Guide „Selbstständig als Airbnb-Vermieter" im Detail vor.
Quellen
- Registrierungs- und Meldepflichten für Kurzzeitvermietungen regelt die Verordnung (EU) 2024/1028 über die Erhebung und den Austausch von Daten für kurzfristige Vermietungen. eur-lex.europa.eu
- Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sind einkommensteuerpflichtig (§ 21 EStG). gesetze-im-internet.de
- Ob eine Kurzzeitvermietung genehmigungspflichtig ist, richtet sich nach dem Zweckentfremdungsrecht der jeweiligen Kommune; verbindliche Auskunft erteilt das örtliche Bezirks- oder Ordnungsamt.
Wie du ohne Ausbildung selbstständig wirst – und welche 23 weiteren Berufe dafür infrage kommen –, zeigt die Übersicht.