Der Nähservice rechnet je Stück. Zwischen einem geübten und einem ungeübten Zuschnitt liegt der Faktor zwei bei der Zeit – und damit beim Ertrag.
Was üblich ist
Hose kürzen mit Originalsaum: 15 bis 25 Euro. Einfacher Saum: 8 bis 15. Reißverschluss tauschen: 18 bis 35, je nach Kleidungsstück.
Enger machen an der Seitennaht: 20 bis 40 Euro. Ärmel kürzen bei Sakko mit Futter: 25 bis 45.
Brautkleid ändern: 80 bis 300 Euro, mit mehreren Anproben.
Maßanfertigung wird nach Aufwand berechnet, üblich sind 30 bis 55 Euro je Arbeitsstunde plus Material.
Das Tempo entscheidet
Eine Hose zu kürzen dauert geübt 20 bis 30 Minuten, ungeübt das Doppelte. Bei 18 Euro sind das 36 bis 54 Euro je Stunde – oder 18 bis 27.
Deshalb ist die Routine bei einfachen Arbeiten wichtiger als bei komplizierten: Sie kommen häufig, und jede eingesparte Minute wirkt vielfach.
Wie viel am Tag zusammenkommt
10 bis 18 einfache Änderungen, oder eine Handvoll aufwendiger Arbeiten. Realistisch sind 120 bis 160 Arbeitsstunden im Monat bei Vollzeit.
Anders als bei den meisten Wegen dieser Reihe gibt es keine Fahrzeiten – gearbeitet wird am Platz. Das ist ein erheblicher Vorteil.
Wo die guten Aufträge liegen
Bei Brautmode und Festkleidung. Eine Brautkleidänderung bringt 80 bis 300 Euro bei drei bis sechs Stunden Arbeit – und die Kundin verhandelt nicht, weil der Termin feststeht.
Bei Gewerbekunden: Boutiquen und Modehäuser geben Änderungen ab, Theater und Vereine brauchen Kostüme, Bestattungsunternehmen und Pflegeheime lassen Kleidung anpassen.
Diese Kunden bringen Menge und zahlen per Rechnung.
Der realistische Monatsumsatz
Erstes Jahr: 800 bis 2.000 Euro. Zweites bis drittes Jahr mit festem Kundenkreis: 2.500 bis 4.500 Euro.
Die Kosten sind niedrig: Material und Garne 100 bis 250 Euro, Maschinenwartung 30 bis 80 Euro, Raum, Strom, Versicherung 150 bis 400 Euro.
Bei 3.500 Euro Umsatz bleiben rund 2.900 Euro Gewinn vor Steuern, netto etwa 1.900 bis 2.200 Euro.
Woran sich etwas drehen lässt
An der Auftragsart. Wer nur Säume kürzt, arbeitet am unteren Ende. Wer Brautmode, Lederänderungen und Maßanfertigung anbietet, verdient das Zwei- bis Dreifache je Stunde.
Und an den Wartezeiten: In diesem Gewerbe sind zwei bis drei Wochen üblich. Wer in drei Tagen liefert, bekommt den Auftrag – und kann dafür einen Aufschlag verlangen.
Quellen
- Schneiderhandwerk als zulassungsfreies Handwerk (§ 18 HwO). gesetze-im-internet.de
- Beiträge freiwillig Versicherter zur Krankenversicherung (§ 240 SGB V). gesetze-im-internet.de
- Verdienststatistiken nach Branchen, Statistisches Bundesamt. destatis.de
Wie Preise kalkuliert und Gewerbekunden gewonnen werden, steht im Quick Guide Selbstständig mit Nähservice.