Beim Handyservice reden alle über den Reparaturpreis. Entscheidend ist aber der Rohertrag – also das, was nach dem Ersatzteil übrig bleibt. Und der schwankt stärker als der Preis.
Was Reparaturen kosten
Die üblichen Endpreise am Markt:
- Displaywechsel Mittelklasse: 70 bis 120 Euro
- Displaywechsel Oberklasse: 120 bis 190 Euro
- Akkuwechsel: 45 bis 80 Euro
- Ladebuchse: 50 bis 90 Euro
- Wasserschaden-Behandlung: 60 bis 120 Euro, ohne Erfolgsgarantie
- Datenrettung: 80 bis 250 Euro
Was davon bleibt
Die Ersatzteilkosten machen den Unterschied. Ein Display für ein gängiges Mittelklassegerät kostet im Einkauf 25 bis 45 Euro, für Oberklassegeräte 60 bis 90 Euro.
Daraus ergibt sich ein Rohertrag von 40 bis 100 Euro je Reparatur – bei 30 bis 60 Minuten reiner Arbeitszeit.
Umgerechnet auf die Stunde klingt das hervorragend. Es gilt nur für die Zeit am Gerät, nicht für den Arbeitstag.
Wie viele Reparaturen realistisch sind
Rein handwerklich sind acht bis zwölf Displaywechsel am Tag machbar. In der Praxis kommt man auf vier bis sieben.
Der Rest der Zeit geht drauf für: Diagnose, Beratung, Kostenvoranschläge, Ersatzteilbestellung, Wartezeit auf Lieferungen, Kundengespräche und die Reparaturen, die sich als aufwendiger herausstellen als gedacht.
Bei fünf Reparaturen am Tag mit durchschnittlich 60 Euro Rohertrag sind das 300 Euro täglich, also rund 6.000 Euro im Monat bei 20 Arbeitstagen.
Die laufenden Kosten
Ohne Ladenlokal sind sie niedrig: Werkzeug und Ersatzbeschaffung, Telefon, Versicherung, Buchhaltung, Fahrzeug bei mobiler Reparatur. Zusammen 300 bis 600 Euro im Monat.
Mit Ladenlokal kommen Miete, Nebenkosten, Ladeneinrichtung und Warenlager dazu – schnell 1.200 bis 2.500 Euro monatlich als Fixkosten.
Deshalb: Ein Laden rechnet sich erst ab etwa 25 bis 30 Reparaturen pro Woche. Darunter frisst die Miete die Marge.
Wo die meisten Geld verlieren
Bei der Ersatzteilqualität. Displays gibt es in mehreren Güteklassen, und der Preisunterschied zwischen der billigsten und einer brauchbaren Variante liegt bei 10 bis 20 Euro.
Billige Displays haben schlechtere Farbdarstellung, unzuverlässige Touch-Funktion und fallen häufiger nach einigen Wochen aus. Die Nacharbeit geht auf deine Kosten – Gewährleistung besteht zwei Jahre.
Ein zweiter Einbau kostet dich das Ersatzteil, die Arbeitszeit und den Ruf. Wer bei den Teilen 15 Euro spart und jede fünfte Reparatur nacharbeitet, hat draufgezahlt.
Drei Betriebsformen
Mobil beim Kunden. Geringste Kosten, höchster Zeitaufwand pro Auftrag durch die Anfahrt. Funktioniert gut mit Aufschlag für den Vor-Ort-Service.
Werkstatt zu Hause mit Abhol- und Versandannahme. Der effizienteste Weg für den Start. Keine Miete, konzentriertes Arbeiten, Kunden bringen und holen.
Ladenlokal. Höchste Sichtbarkeit und Laufkundschaft, höchste Fixkosten. Erst wenn die Auslastung steht.
Das zweite Standbein
Der An- und Verkauf gebrauchter Geräte ergänzt die Reparatur gut. Ein defektes Gerät ankaufen, instand setzen und weiterverkaufen bringt oft mehr Marge als die Reparatur selbst.
Steuerlich läuft das über die Differenzbesteuerung: Besteuert wird nur die Spanne zwischen Ein- und Verkauf, nicht der volle Verkaufspreis. Das ist ein spürbarer Vorteil und Grund genug, sich damit einmal zu befassen.
Die ehrliche Einordnung
Der Handyservice hat von allen Einstiegsberufen mit die beste Marge pro Arbeitsstunde – aber nur bei ausreichender Auslastung. Das Problem ist selten die Reparatur, sondern der stetige Kundenstrom.
Wer nebenberuflich startet, aus der Werkstatt zu Hause arbeitet und über Kleinanzeigen und das Google-Unternehmensprofil sichtbar wird, hat das geringste Risiko und die beste Ausgangslage für den Schritt in die Vollzeit.
Einkauf, Werkzeug, Kalkulation und die ersten Kunden behandelt der Quick Guide Selbstständig im Handyservice.
Häufige Fragen
Was kostet eine Displayreparatur und was bleibt davon?
Der Endpreis liegt je nach Gerät zwischen 70 und 190 Euro. Das Ersatzteil kostet im Einkauf 25 bis 90 Euro. Der Rohertrag je Reparatur liegt damit typischerweise bei 40 bis 100 Euro, bei 30 bis 60 Minuten Arbeitszeit.
Wie viele Reparaturen sind am Tag möglich?
Bei reiner Reparaturarbeit sind acht bis zwölf Displaywechsel machbar. Realistisch sind vier bis sieben, weil Beratung, Diagnose, Ersatzteilbeschaffung und Kundengespräche Zeit kosten.
Brauche ich ein Ladenlokal?
Zum Start nicht. Mobile Reparatur beim Kunden oder ein Arbeitsplatz zu Hause mit Versandannahme funktionieren. Ein Ladenlokal rechnet sich erst ab etwa 25 bis 30 Reparaturen pro Woche, weil Miete und Nebenkosten als Fixkosten laufen.
Wo liegt das größte Risiko?
Bei den Ersatzteilen. Billige Displays fallen nach Wochen aus, und die Nacharbeit geht auf deine Kosten. Wer bei der Teilequalität spart, arbeitet den zweiten Einbau umsonst.