Beim Kurierdienst wird selten nach Stunden abgerechnet. Es gibt Stoppgeld, Tagespauschalen oder Kilometersätze – und das macht die Rechnung grundlegend anders als bei anderen Dienstleistungen.
Wie abgerechnet wird
Stoppgeld. Der Normalfall in der Paketzustellung. 0,90 bis 1,80 Euro je Zustellung, je nach Auftraggeber und Gebiet. Ländliche Touren zahlen mehr pro Stopp, weil die Wege länger sind.
Tagespauschale. 130 bis 220 Euro für eine feste Tour. Planbar, aber ohne Aufschlag bei hohem Volumen.
Kilometersatz. Im Direktkurier- und Expressgeschäft üblich: 0,60 bis 1,20 Euro pro Kilometer, plus Wartezeitzuschläge.
Was am Tag zusammenkommt
Bei 100 bis 140 Stopps und 1,20 Euro Stoppgeld sind das 120 bis 170 Euro. Mit Zuschlägen für schwere Sendungen oder Retouren kommt man auf 150 bis 220 Euro.
Bei 22 Arbeitstagen ergibt das 3.300 bis 4.800 Euro Monatsumsatz.
Klingt ordentlich. Der entscheidende Teil kommt jetzt.
Die Kostenfalle
Der Kurierdienst ist der Einstiegsberuf mit dem höchsten Kostenanteil. Das Fahrzeug ist nicht Hilfsmittel, sondern Produktionsmittel – und es verschleißt schnell.
Bei 200 bis 250 Kilometern täglich:
- Kraftstoff: 22 bis 35 Euro pro Tag
- Verschleiß – Reifen, Bremsen, Kupplung, Wartung: 8 bis 15 Euro pro Tag
- Abschreibung des Fahrzeugs: 6 bis 12 Euro pro Tag
- Versicherung, Steuer, Rücklage für Reparaturen: 5 bis 8 Euro pro Tag
Zusammen 40 bis 70 Euro täglich, also 900 bis 1.500 Euro im Monat. Dazu Betriebshaftpflicht, Telefon, Buchhaltung und Berufsgenossenschaft.
Von 4.000 Euro Umsatz bleiben damit 2.400 bis 2.900 Euro Gewinn vor Steuern.
Was übrig bleibt
Bei 2.600 Euro monatlichem Gewinn, also gut 31.000 Euro im Jahr, gehen ab: Einkommensteuer, Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge.
Realistisch bleiben 1.300 bis 1.600 Euro im Monat zum Leben – bei zehn bis elf Stunden Arbeitszeit am Tag.
Das ist der Punkt, den man kennen sollte, bevor man ein Fahrzeug finanziert. Der Kurierdienst funktioniert als Einstieg und als Zusatzverdienst. Als Vollzeitmodell ist er hart erarbeitet.
Der Weg über den Subunternehmer-Vertrag
Die meisten starten als Subunternehmer für einen der großen Paketdienste. Das hat einen echten Vorteil: Die Auftragslage steht ab Tag eins, keine Akquise nötig.
Zwei Risiken kommen mit:
Die Abhängigkeit. Wer 100 Prozent seines Umsatzes mit einem Auftraggeber macht, hat kein eigenes Geschäft. Kündigt der Vertrag, ist von einem Tag auf den anderen nichts mehr da – bei laufender Fahrzeugfinanzierung.
Die Scheinselbstständigkeit. Feste Touren, vorgegebene Zeiten, Kleidung und Scanner des Auftraggebers, keine eigenen Kunden – das sind genau die Merkmale, die die Deutsche Rentenversicherung prüft. Die Nachzahlung trifft den Auftraggeber, das Verfahren aber auch dich.
Wer diesen Weg geht, sollte von Anfang an einen zweiten Auftraggeber aufbauen. Direktkurierfahrten für lokale Betriebe, Apotheken oder Anwaltskanzleien sind der übliche Weg.
Wo mehr drin ist
Das Direktkuriergeschäft zahlt deutlich besser als die Paketzustellung. Eilsendungen, Medikamente, Ersatzteile, Dokumente – hier zählt Geschwindigkeit, nicht Menge.
Die Sätze liegen bei 0,80 bis 1,20 Euro pro Kilometer plus Grundpauschale. Eine Fahrt über 60 Kilometer bringt 70 bis 100 Euro statt der 15 Euro, die dieselbe Strecke in der Paketzustellung einbringt.
Der Haken: Man braucht eigene Kunden und muss verfügbar sein, ohne dass jeden Tag etwas kommt. Die Kombination aus fester Grundtour und Direktaufträgen ist die Struktur, die sich in der Praxis bewährt.
Was rechtlich gilt
Bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht braucht es keine Güterkraftverkehrserlaubnis. Darüber ist Fachkunde nachzuweisen. Die meisten Kurierdienste fahren deshalb bewusst darunter.
Gewerbeanmeldung, Betriebshaftpflicht und eine Transportversicherung für die Ladung gehören dazu. Letztere wird häufig vergessen – die Kfz-Versicherung deckt die transportierte Ware nicht.
Wie Touren geplant, Direktkunden gewonnen und Preise kalkuliert werden, steht im Quick Guide Selbstständig im Kurierdienst.
Häufige Fragen
Was verdient ein selbstständiger Kurierfahrer?
Die Abrechnung läuft meist über Stoppgeld von 0,90 bis 1,80 Euro je Zustellung oder über Tagespauschalen von 130 bis 220 Euro. Bei 100 bis 140 Stopps am Tag ergibt das 150 bis 220 Euro Umsatz – abzüglich der Fahrzeugkosten.
Wie hoch sind die Fahrzeugkosten im Kurierdienst?
Bei 200 bis 250 Kilometern täglich fallen 25 bis 45 Euro für Kraftstoff, Verschleiß, Versicherung und Abschreibung an – pro Tag. Über den Monat sind das 600 bis 1.100 Euro, die vom Umsatz abgehen.
Lohnt sich ein Kurierdienst als Subunternehmer?
Als Einstieg ja, weil die Auftragslage sofort steht. Dauerhaft ist die Abhängigkeit von einem einzigen Auftraggeber das größte Risiko – wirtschaftlich und wegen der Scheinselbstständigkeit.
Brauche ich eine Konzession für den Kurierdienst?
Bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht nicht. Darüber greift die Güterkraftverkehrserlaubnis mit Fachkundenachweis. Die meisten Kurierdienste fahren deshalb bewusst unterhalb dieser Grenze.