Der Einstieg in den Kurierdienst gilt als günstig, und das stimmt bei den Anmeldungen. Beim Fahrzeug wird es teuer, und zwar nicht einmalig, sondern jeden Monat.
Die absolute Untergrenze
Mit vorhandenem Fahrzeug reichen 600 bis 1.200 Euro: Gewerbeanmeldung 20 bis 60 Euro, Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft, Betriebshaftpflicht, Transportversicherung, Sackkarre und Spanngurte, ein Smartphone mit Datentarif.
Das ist die Rechnung, die in Anzeigen steht. Sie unterstellt, dass das Fahrzeug schon da ist und nichts kostet – beides trifft selten zu.
Die realistische Rechnung
Ohne eigenen Transporter kommen 6.000 bis 12.000 Euro dazu. Entscheidend ist dabei nicht der Kaufpreis, sondern der Verbrauch: Bei 200 bis 250 Kilometern am Tag macht ein Liter Unterschied auf hundert Kilometer über das Jahr rund 700 Euro aus.
Ein sparsames Fahrzeug für 9.000 Euro ist deshalb günstiger als ein durstiges für 6.000.
Der Posten, den fast jeder vergisst
Die laufenden Fahrzeugkosten. Sie fallen nicht beim Start an, sondern ab dem ersten Tag – und sie sind der Grund, warum diese Selbstständigkeit anders rechnet als andere.
- Kraftstoff: 22 bis 35 Euro je Arbeitstag
- Verschleiß – Reifen, Bremsen, Kupplung, Wartung: 8 bis 15 Euro je Tag
- Wertverlust des Fahrzeugs: 6 bis 12 Euro je Tag
- Versicherung, Steuer, Reparaturrücklage: 5 bis 8 Euro je Tag
Zusammen 40 bis 70 Euro täglich, also 900 bis 1.500 Euro im Monat. Wer bei 180 Euro Tagesumsatz nicht mitrechnet, hält 3.900 Euro für Verdienst, wo tatsächlich 2.400 stehen.
Die Transportversicherung
Sie wird regelmäßig übersehen, weil die Kfz-Versicherung als abgedeckt gilt. Sie deckt aber das Fahrzeug, nicht die Ladung. Geht eine Sendung verloren oder wird sie beschädigt, haftet der Frachtführer nach den Regeln des Handelsgesetzbuchs.
Die Prämie liegt bei einigen hundert Euro im Jahr und ist bei Direktkunden ohnehin Voraussetzung für den Auftrag.
Wo Sparen sinnvoll ist
Beim Alter des Fahrzeugs, nicht beim Zustand. Ein gepflegter Achtjähriger mit Wartungsnachweis ist besser als ein Vierjähriger ohne Historie. Und beim Ausbau: Eine Trennwand und Zurrösen reichen, Regalsysteme braucht man erst, wenn feststeht, was man fährt.
Wo Sparen teurer wird
Bei der Reparaturrücklage. Ein Getriebeschaden legt den Betrieb still, und ohne Fahrzeug gibt es keinen Umsatz – während die Rate weiterläuft. Zwei Monatsumsätze auf einem getrennten Konto sind in diesem Beruf keine Vorsicht, sondern Voraussetzung.
Quellen
- Erlaubnispflicht im Güterkraftverkehr erst ab 3,5 Tonnen (§ 3 GüKG). gesetze-im-internet.de
- Haftung des Frachtführers für Güterschäden (§ 425 HGB). gesetze-im-internet.de
- Sofortabzug geringwertiger Wirtschaftsgüter (§ 6 Abs. 2 EStG). gesetze-im-internet.de
Wie sich Touren planen, Direktkunden gewinnen und Preise kalkulieren lassen, steht im Quick Guide Selbstständig im Kurierdienst.